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PRIMORDIAL: Listening-Session-Report (November 2004) |


LISTENING-SESSION-REPORT
- Freitag/Samstag, 12./13.11.2004, Dublin, Irland -
Wenn
die grüne Insel ruft, dann sollte man sich dies auf keinen Fall durch die Lappen
gehen lassen. In diesem Fall rief sie aufgrund des gerade fertiggestellten neuen
PRIMORDIAL-Albums 'The Gathering Wilderness', dem es zu lauschen galt und das
ansonsten als Anlass diente, sich Dublin und einige Sehenswürdigkeiten
anzuschauen. Metal Blade, die neue Heimat der
Pagan-Metaller,
scheute
keine
Kosten und schipperte zehn Schreiberlinge
aus ganz Europa in die irische Hauptstadt, von wo aus, meist unter Führung von
“Reiseleiter“,
Stechschrittverfechter und Frontmann der Kelten-Metaller Alan A. Nemtheanga (ein
unglaublich netter, intelligenter und belesener Zeitgenosse, mit dem man gern
seine Zeit verbringt, dabei aber besser nicht das Gesprächsthema auf Bands wie NIGHTWISH oder EDENBRIDGE lenkt...ähem) am ersten Tag
„The Book Of Kells“ in der
Trinity College Library (DAS berühmte frühmittelalterliche Buch des irischen
Christentums), die zwar nicht unbedingt schöne, aber sympathische und irgendwie
gemütliche Innenstadt, einige Pubs und die unvermeidliche
Guinness-Brauerei
heimgesucht und besichtigt wurden.
Am beeindruckendsten offenbarte sich dann
allerdings der Ausflug am Samstag ins knapp eine Stunde entfernte
Brú na Bóinne,
ein kleines Tal zwischen den Ortschaften Slane und Drogheda - auch „Boyne
Valley“ genannt - wo sich mit
Knowth, Dowth und Newgrange drei der berühmtesten
prähistorischen Ganggräber befinden.
Das Grab „Si an Bhrú“ in Newgrange ist
dabei sogar begehbar, was neben den spannenden Ausführungen des Touristenführers
besonders beeindruckend war...vor allem, wenn man bedenkt, daß die Gräber vor
über 5000 Jahren in der Bronzezeit entstanden sind, also noch lange bevor den
Ägyptern einfiel komische pyramidenartige Begräbnisgebilde zu konstruieren. Wer
einmal in Irland weilt, sollte sich diese herausragende Sehenswürdigkeit
keinesfalls entgehen lassen.
Genauso wenig, wie einen Besuch im nicht allzu weit von
Knowth/Newgrange entfernten "Hill
Of Tara (Meath)". Tara ist sowohl Sitz
der
irischen Hochkönige, als auch seit der Spätsteinzeit Ort eines der
bedeutendsten Hügelgräber und zugleicht Zentrum spiritueller, religiöser und auch ritueller Kraft. Leider
wurde es dort aber schon sehr bald verdammt dunkel, weshalb wir auch keines der
Gräber mehr besichtigen konnten und außer etlicher Schaf-Scheiße und einiger
cooler Bilder recht wenig von diesem, wie Alan später anhand seiner
unheimlichsten Begegnung mit übersinnlichen Kräften erzählt, magischen Platz.
Definitiv ausgedehnteres Ziel meiner nächsten Irland-Reise!
Am Abend ging es dann nach einem für die Gegend
typischen italienischen Abendmahl in einen zentral gelegenen Club, wo die
Listeningsession steigen sollte. Während schon öffentliche Gäste
Einlass
erhielten durften wir dann glückliche Zeugen der Niederkunft des neuen PRIMORDIAL-Meisterwerks ’The Gathering Wilderness’ werden. Denn auch
wenn der
Sound in dem Laden sehr undifferenziert und allzu wummernd rüberkam und kaum
Feinheiten erkennen ließ, ist eines schon vor Ort sicher: Das Album wird ein
Meisterwerk...einmal mehr! Aber kommen wir doch zunächst mal zu den ersten
Eindrücken der einzelnen Songs:
’The Golden Spiral’: Der Opener ist zurecht mit dem güldenen Titel versehen, denn es handelt sich dabei tatsächlich um einen sich wie eine Spirale immer weiter und weiter ins Hirn bohrenden Epic-Track, der nicht nur sehr mächtig und hymnisch besticht, sondern vor allem durch die rituellen Wiederholungen und die dezente aber dennoch infernalisch intensive Steigerung am Ende gleich verdeutlicht, daß man dieses Mal zunächst nicht den Black-Hammer rausholt, sondern subtiler vorgeht. Klasse!
’The Gathering Wilderness’: Der Titeltrack tendiert in die selbe Ecke, ist noch einen Tick länger ausgefallen - überhaupt sind einmal mehr alle sieben Songs mit Überlänge versehen - wirkt noch verzweifelter, besticht durch die genialen Vocals Alans und durch die mächtigsten Drums, die ich bei PRIMORDIAL bislang vernommen habe und ist trotz seiner getragenen Grundatmosphäre unglaublich intensiv und tonnenschwer. Der Song hat das Zeug zum Klassiker!
’Song Of The Tomb’: Meines
Wissens nach beschreiten die Iren mit diesem Kracher erstmals solch groovige
Pfade wie einst CATHEDRAL mit ihrem ’Hopkins’-Hit. Klar, daß dies im
PRIMORDIAL-Kontext deutlich bösartiger (der erste Black-Schrei kommt zum
Zuge), roher und hymnischer zum Tragen kommt, aber die Grundessenz
hauptsächlich von den pounding Drums stimmt, was auch der gute Alan nicht
abstreiten kann: „Oh yeah, das ist
die Art von Simon (O'Laoghaire, der
PRIMORDIAL-Drummer - der Verf.) die Drums zu spielen. Er ist kein Black-oder
Death Metal-Drummer, sondern vielmehr ein Rock-Drummer der alten THIN LIZZY-,
BLACK SABBATH-, IRON MAIDEN-Schule, und das hört man nun endlich so richtig
heraus, im Gegensatz zu den vergangenen Alben.“ Aber auch sonst ist
der Song recht atypisch, was an dem ansatzweise auftauchenden Chorus liegt,
der von BATHORY-mäßigen Chören umrandet wurde. Da der vermutete Chorus
allerdings nicht mehr auftaucht, erweißt sich die Sensationsmeldung schnell
als Ente. Nach eine famosen Akustik-Folk-Break steigert sich das Stück wieder
zu einer mächtigen Hymne, bei der trotz aller brachialer Härte im Hintergrund
stets eindringliche Melodien sich ihren Weg bahnen...
’End Of All Times’: Nach einem atmosphärisch düsteren Beginn mit BURZUM-Flair und schleppendem BATHORY-Tempo zieht der Song das Tempo etwas an, wird von aggressivem Drumming getrieben und überzeugt mit brillanten Lead-Melodien. Ein typischer Song mit dem typisch magischen Flair - stark!
’The Coffin Ships’: OPETH-like
steigen die Jungs mit dezent progressiven Akustik-Gitarren ein (ziehen sich im
Hintergrund durch den gesamten Song), um mit wahnwitzigen Melodien, einmal
mehr großartigen, tiefgehenden und variablen Gesangslinien und den dezent
eingesetzten Violinen-Klang-Teppichen („Das
sind keine Keyboards!“)
zu begeistern. Großes Tennis und vor allem die bislang beste Gesangsleistung
von Alan („Man wird besser bei allem was man tut, je öfter man es tut.“).
Der bislang ungewöhnlichste und beste Song der Session, dessen Lyrics ebenso
höchst interessant sind: „’The Coffin Ships’ ist ein eher greifbarer
Text, der von den irischen Immigrantenschiffen handelt, die in Amerika
landeten und meist mehr tote irische Brüder als lebende ankommen ließen und
daher diesen Namen bekamen.“
Jeder der Anwesenden war zu diesem Zeitpunkt komplett in die Welt PRIMORDIALs abgetaucht, als der örtliche Barkeeper der Meinung war, den langweiligen Sound abstellen zu müssen, um Hip Hop laufen zu lassen. Sehr überraschende und irgendwie urkomische Situation, denn auf den Hinweis hin, daß die CD definitiv durchlaufen muss, nahm der CD-Player diese nicht mehr an und man musste kurzfristig improvisieren und einen neuen organisieren. Dann ging´s aber auch schon flugs wieder weiter...
’Tragedys Birth (The Martyrs Fire)’: Ausladende, akustische Folkgitarren leiten diesen infernalisch walzenden und aggressiven Brecher ein, bei dem die aggressiven Black-Vocals Alans erstmals so richtig zum Tragen kommen. Das Stück ist ein typischer PRIMORDIAL-Old-School-Kracher, der alle Qualitäten und Eigenschaften beherbergt, die man bei dieser Band so liebt.
’Cities Carved In Stone’:
Rituelles Tribal-Drumming, ein infernales Break, dann wieder diese magischen
Akustikgitarren und Alans beschwörende, fast gesprochene Vocals und dazu
verspielt depressive Lead-Melodien (zw. MY DYING BRIDE, CANDLEMASS und
SLAYER)
machen aus dem eher doomigen Song nicht nur
erneut
eine Perle, sondern ein
langes Outro der besonderen Art und mit toller Story: „Der Song handelt
von mir, wie ich durch die Welt reise und in denselben Momenten gefangen bin,
wenn ich immer wieder feststelle, komplett allein in einer fremden Stadt zu
sein, keiner weiß daß ich hier bin. Diese Momente sind für mich, als wenn
dieses Bild in Stein gemeißelt wie ein Monolith über allem thront...cities
carved in stone! Ich ende dann immer, daß ich viel mehr über mein Leben und
alles Mögliche meiner Vergangenheit nachdenke und grüble. Das passt zum Ende
der Scheibe, die so auch etwas introvertierter und emotionaler ausklingt!“
Wir alle sind uns bewusst, auch nach nur einem Durchlauf, einen weiteren Meilenstein der PRIMORDIAL-Geschichte gehört zu haben, bei dem hauptsächlich auffällt, daß die Grundstimmung sich gewandelt hat im Vergleich zum eher wütenden Vorgänger:
„Dieses Album ist generell eher
verzweifelt, trübe, freudlos und finster ausgefallen, weshalb auch die Lyrics
generell eher in diese Richtung tendieren“, gibt Mr.Nemtheanga zu
Protokoll.
„Die Welt erscheint mir heute viel düsterer und die Menschheit hilfloser, als noch beim letzten Album...und diese Eindrücke fließen alle bei uns mit ein und bestimmen dann das Gesamtbild.“
Ansonsten hat sich im Lager der irischen Hauptstädter nicht allzu viel geändert, außer daß sie dieses Mal nicht unter der Obhut von Mags in dessen Academy Studios aufgenommen hat, sondern sich in die Hände des Krach-Gurus Billy Anderson (u.a. MELVINS, NEUROSIS, BRUTAL TRUTH, CATHEDRAL, BUZZOV-EN, HIGH ON FIRE) begeben...
„Wir hätten weiterhin mit
Mags aufnehmen können, aber letztlich dachten wir uns, daß es nach vier Alben
Zeit wäre sich etwas zu verändern und uns selbst wieder etwas herauszufordern“,
unterstreicht der nette Ire, daß Veränderungen manchmal unabdingbar sind.
„Wir wollten dieses Mal nicht auf Nummer sicher gehen und andererseits auch keinesfalls einen dieser ach so beliebten Hochglanz-Black-Metal-Sounds, der ganz lieblich und glitschig mit Triggern und ohne Ecken und Kanten daherkommt. Das hassen wir und davon wollten wir so weit wie möglich weg. Und wen könnte man sich dann besseres auswählen als Billy Anderson, den „King Of Filth“? Weg mit den Triggern, weg mit den Kompressoren! Ich liebe den dreckigen Bass und diese mächtigen dreckigen Drums, daher sind wir froh, zu mit ihm gearbeitet zu haben.“
PRIMORDIAL waren sich dabei schon bewusst, daß es ein schmaler Grad ist, ob man sich von einem neuen Producer allzu sehr in den Sound reden lässt und dieser sich dadurch gravierend ändert, oder ob man sich gegenseitig ergänzt...
„Genau
das war ja die Herausforderung, wenn man mit jemand neuem arbeitet. Glaub mir,
wenn er den Sound allein hätte bestimmen können, wäre alles noch viel roher und
dreckiger ausgefallen. Aber durch die Tatsache, daß wir ja schon unseren eigenen
Sound und genaue Vorstellungen, wie die Songs in etwa klingen sollen,
mitgebracht haben, war alles eher ein gegenseitiges Aufsaugen von
Inspirationen.“
Somit kann man sagen, daß PRIMORDIAL mit der Produzentenwahl alles richtig gemacht und auch sonst im Studio mal wieder ganze Arbeit geleistet haben, was die Fanschaft am 7.Februar 2005 ohne Umschweife bestätigen wird. Erstaunlich, wenn man dann zu hören bekommt, daß Alan nicht allzu gern die Aufnahmetempel der Welt heimsucht...
„Ich hasse es im Studio zu sein. Jeden verdammten Tag 16 Stunden lang immer und immer wieder die gleichen Songs zu hören und zu singen. Es entstehen im Studio immer Diskussionen und kleinere Streitgespräche und all das trocknet mich mental und physikalisch immer gewaltig aus und macht mich fertig.“
Sagt´s und entschwindet um
das zu tun, was ihm wesentlich mehr gibt, in Richtung der kleinen Bühne in dem
Club, wo er eigens für diesen Abend einen der raren Gig seiner keineswegs
bierernsten Cover-Band FISTED SISTER anberaumt hat. Knapp eine Stunde lang
unterhalten die Jungs mit zwar zu keiner Zeit perfekt gespielten bzw.
gesungenen, aber sehr unterhaltsamen Covers von JUDAS PRIEST, IRON MAIDEN, VENOM,
TWISTED SISTER, W.A.S.P., MÖTLEY CRÜE oder ACCEPT (hier unterstützt durch Gerrit
von SACRED STEEL) vorzüglich und der Pfad ist geebnet um die Irland-Reise
gebührend mit dem ein oder anderen Pint of Lager ausklingen zu lassen.
Pix: Hage, mit Ausnahme der Band- und der Studio-Pix
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Line-Up 2004:
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A.A. Nemtheanga (Vocals) |
Ciáran MacUiliam (Guitars) |
Michael O'Floinn (Guitars) |
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Pól MacAmlaigh (Bass) |
Simon O'Laoghaire (Drums) |
Discography:
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1993 - demo "Dark Romanticism"
1995 - "Imrama" (Cacophonous Recs., re-released Hammerheart)
1997 - split 10" with Katatonia (Misanthropy records)
1998 - "Journeys End" (Misanthropy Records, re-released Hammerheart)
1999 - "The Burning Season" mcd (Hammerheart Records)
2000 - "Spirit The Earth Aflame" (Hammerheart Records)
2002 - "Storm Before Calm" (Hammerheart Records)
2004 - "Dark Romanticism" demo re-release with bonus (Hammerheart)
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