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M - Album |
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Hatte ich mich bei der letzten CD von Neal Morse noch über die "kurze" Spielzeit lustig gemacht, fährt er mit seinem neuen Werk "Sola Scriptura" mit fast 80 Minuten mal wieder schwere Geschütze auf. Und das bei lediglich vier Songs, die dann natürlich zum Teil wieder klar die 20-Minuten-Grenze knacken und Neal nach dem eher songorientierten letzten Götterwerk "?" wieder etwas proggiger und auch einen Tick härter zeigen.
Nun häuften sich ja in letzter Zeit die Kritiken etwas und warfen dem einstigen Prog-Aushängeschild vor, nichts Neues mehr zu bringen und sich gar bis in alle Ewigkeiten selbst zu kopieren. Nun ja, ganz unrecht haben die Lästerzungen damit nicht, und noch stärker als bisher wird man auf "Sola Scriptura" immer mal wieder an seine bisherigen Solowerke oder auch an alte SPOCK'S BEARD-Stücke erinnert. Ich denke aber, dass Neal einfach seinen Stil gefunden hat, er macht die Musik, die er selbst am meisten liebt und bleibt innerhalb seines selbst gesteckten Rahmens, ohne sich mit jedem Album neu zu erfinden. Neal's große Stärke ist schlicht und einfach sein Songwriter- und Arrangeur-Talent, und damit macht er vielleicht auch seinen fehlenden Mut zu Neuerungen wett. Denn es ist einfach immer wieder ein Genuss, wie er alle Details zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügt. Und dass er begnadete Melodien wie am Fließband aus dem Ärmel schüttelt, dürfte inzwischen jeder, der seine bisherigen Stationen einigermaßen kennt, wissen.
So ist "Sola Scriptura" also sein viertes Album nach dem Ausstieg bei SPOCK'S BEARD (wenn man das 2006er Cover-Album "Cover to Cover" nicht mitzählt). Zur Seite stand ihm neben den "Standards" Mike Portnoy und Randy George dieses Mal auch Gitarrist Paul Gilbert, der früher mit MR. BIG größere Erfolge feierte und über den Neal voll des Lobes ist. Thematisch befasst sich Neal auf "Sola Scriptura" mit Martin Luther, seinem Leben und Wirken und setzt damit die Reihe an Konzeptalben mit christlichem Hintergrund fort. Nun aber wie immer noch eine kurze Beschreibung der einzelnen Stücke:
"The Door" (29:14 min.)
Es ist schon etwas gewagt, einen Halbstünder an den Anfang des Albums zu setzen, und für Leute, die Neal eher wegen seiner eingängigen Ohrwurm-Melodien oder der melodischen 5-Minuten-Stücke mögen (soll's ja auch geben), sicher eine harte Nuss, zumal die ersten fünf Minuten rein instrumental gehalten sind und ziemlich turbulent einsteigen. Wie auf (fast) jedem seiner Alben folgt dann schon bald das musikalische Hauptthema, das einem während der nächsten 80 Minuten immer wieder über den Weg läuft, mal etwas abgewandelt, mal schneller gespielt, mal mit anderer Instrumentierung. Auch sonst ist "The Door" ein typischer, aber trotzdem grandioser Song mit tollen Melodien, fulminanten Solo-Duellen und einem genial-atmosphärischen Schlussteil (zappt mal bei ca. 25 Minuten rein) samt fantastischem Gitarrensolo.
"The Conflict" (25:00 min.)
Ebenfalls ein langes und progressives, aber alles in allem sehr abwechslungsreiches Stück, das durch einen längeren Latino-Part in der Mitte aufgelockert wird (erinnert dadurch etwas an "The Light"). Auch hier wechseln lange, verfrickelte Instrumental-Passagen mit eingängigen Parts, in denen sich wieder die angenehme, nie aufdringliche Stimme von Neal in Höchstform zeigt.
"Heaven in my Heart" (5:11 min.)
Die Ballade auf "Sola Scriptura" und der letzte Song, den Neal für diesen Longplayer geschrieben hat. Geht erwartungsgemäß unter die Haut und lockert das ansonsten doch recht anspruchsvolle Album bestens auf.
"The Conclusion" (16:34 min.)
Startet wieder fulminant durch, vor allem mit Keyboard und Bass, vereint dann im weiteren Verlauf nochmals alle wichtigen Parts durch, bietet aber im großen und ganzen nicht mehr so viele neue Momente. Aber trotzdem ein passender und schöner Ausklang für "Sola Scritpura".
Nach wirklich intensivem Genuss von "Sola Scriptura" gehen die Daumen ganz klar nach oben, zumal ich seine letzten Solo-Alben, allen voran "?", wirklich vergöttere und auch sein viertes Werk nach SPOCK'S BEARD qualitativ kaum schlechter abschneidet. Aber es fällt schon etwas auf, dass viele Parts sehr oft wiederholt werden und man deutlicher als bisher an ältere Songs erinnert wird. Vielleicht sollte sich Neal einfach mal zwei Jahre Pause gönnen und eine Frischzellenkur einlegen. Ich denke, einem solchen Vollblut-Musiker und Workaholic wie ihm würde eine solche Kreativpause ganz sicher gut tun und dem nächsten Silberling nur förderlich sein. Time will tell!
Joe,
10,5 Punkte
weitere Reviews:
"?" (Album 2005)
"One" (Album 2004)
Die Songs:
| 1. | The Door (29:14 min.) |
| I. Introduction | |
| II. In the Name of God | |
| III. All I ask for | |
| IV. Mercy for Sale | |
| V. Keep silent | |
| VI. Upon the Door | |
| 2. | The Conflict (25:00 min.) |
| I. Do you know my Name? | |
| II. Party to the Lie | |
| III. Underground | |
| IV. Two down, one to go | |
| V. The Vineyard | |
| VI. Already Home | |
| 3. | Heaven in my Heart (5:11 min.) |
| 4. | The Conclusion (16:34 min.) |
| I. Randy's Jam | |
| II. Long Nights Journey | |
| III. Re-Introduction | |
| IV. Come out of her | |
| V. Clothed with the Sun | |
| VI. In Closing... |
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