D - Album


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Band:

DARK SUNS

Titel: Grave Human Genuine
Label: Prophecy Productions
Homepage: www.darksuns.de
Stil: Progressive Metal
VÖ:  22.02.2008
Spieldauer: 8 Tracks / 58.07 min.

 

Die Leipziger DARK SUNS sind trotz ihres erst dritten Albums eine derart gefestigte, souveräne und beeindruckende Größe der deutschen Rock- und Metalszene, daß man schon schwer aufpassen muß, um sich nicht in überzogenen Superlativen zu verlieren. Das zweite Album ’Existence’ war ein nahezu perfekter Brückenschlag zwischen der düsteren Anfangszeit der Band und der völlig brillant eingebunden, neu entdeckten Art-Rock- und Prog-Affinität. Aber die DARK SUNS wären nicht die DARK SUNS, wenn sie sich mit dem Erreichten zufrieden geben würden. So hat man auf ’Grave Human Genuine’ neben vereinzelt noch mal zum Zug gekommenen Grunzeinlagen förmlich allem Tür und Tor geöffnet, was im Bandkosmos eine Rolle spielt. Die Prog-Seite tendiert – welch Wunder, nach zwei Tour en mit den Schweden – deutlich in die PAIN OF SALVATION-Ecke, beinhaltet aber auch überraschend viele PSYCHOTIC WALTZ-Hommagen (sogar mit Flöte!!!) und hat in der Art-Rock-B-Note deutliche MARILLION-, FISH-Anleihen. Dies macht gemeinsam mit den gewohnt herausragenden, gefühlvollen Vocals von Drummer Niko Knappe aber nur etwa zwei Drittel des neuen Bandsounds aus. Das restliche Drittel kann man mit Fug und Recht als Avantgarde und Experimental-Sound zusammenfassen. Da kommen Elektro-Trip-Beats à la ULVER, deftige Ausbrüche, deutlich schwermütige, gar doomige Anflüge, abstrakte und komplexe Spannungsbögen, technoide Dance-Parts oder ganz stille Ambient-Sphären zum Einsatz, und man muß dies erstmal alles verarbeiten....was nicht leicht fällt, nach nur wenigen Durchläufen. Daher möchte ich jedem raten, der Scheibe unbedingt noch mehr Anlauf zu genehmigen, als man bei DARK SUNS ohnehin immer benötigte. Daher kann ich auch nicht so begeistert nahezu die Höchstnote zücken, da der Punkt bei mir noch nicht erreicht ist, an dem ich komplett austicke vor Begeisterung...vielleicht nach zehn weiteren Durchläufen...

Hage, 10 Punkte

 

DARK SUNS sind seit ihrem Debüt einen weiten Weg gegangen. Hatte man sich noch mit „Swanlike“ vielerorts Vergleiche mit OPETH gefallen lassen müssen, manövrierten sich die Leipziger spätestens mit dem Nachfolger „Existence“ in ein deutlich moderneres und zugleich komplexeres Gefilde. Den eingeschlagenen Kreativkurs behält man auch mit dem dritten Werk „Grave Human Genuine“ bei, lässt sich also weder von kommerziellen Aspekten leiten, noch versucht man irgendwelche erhobenen Erwartungen zu befriedigen. Daher nimmt es auch kaum Wunder, dass sich eben besagtes Werk jeglicher festgefahrener Charakterisierung geschickt zu entziehen weiß und dem Hörer im Verlauf der knappen Stunde so einiges an Konzentration abverlangt.

Zusammengehalten wird das extrem vielschichtige Album sowohl von den harten Gitarren als auch von den fast schon Ambient-artigen Passagen, die im gekonnten Wechsel um die Gunst des Zuhörers buhlen. Der fast schon sehnsüchtige Gesang von Nico Knappe (Gesang, Schlagzeug) tut dabei sein Übriges, um den Songs noch einmal einen ganz eigenen Charakter zu verleihen und ihnen zu mehr emotionaler Tiefe zu verhelfen. Das ist stellenweise auch bitter nötig, um mit rein instrumentalen Tonbrocken der Marke „The Chameleon Defeat“ fertig zu werden – hier wird bei Weitem nicht jeder glücklich werden. Im stetigen Wechsel zwischen fragil und brachial passiert es nämlich gelegentlich, dass man sich als Hörer dann doch etwas verloren vorkommt. Dies geschieht zum Glück nur selten, mindestens fünf Durchläufe sollte man der Scheibe aber trotzdem zugestehen, bevor sich die durchgehend überlangen Songs im Hinterstübchen festsetzen können und man mit der komplexen Polyrhythmik des Schlagzeuges zurecht kommt – wer sich also eine neue CD für unterwegs erhofft, sollte die Geldbörse am besten gleich wieder wegstecken.

„Grave Human Genuine“ erfordert Konzentration, Aufgeschlossenheit und den Mut, sich auch mal auf nicht so abgetretene Pfade zu wagen, denn dann erhält man mit dem Album ein interessantes Stück Musik, das man immer und immer wieder genießen kann. Dass sich darüber hinaus Kristoffer Gildenlöw (PAIN OF SALVATION) und DISILLUSIONs Schmidt ein Stelldichein als Session- bzw. Gastmusiker geben, ist wohl von lediglich sekundärer Bedeutung. Anspruchsvoll, mutig – und gut!

Daniel, 10 Punkte

 

sonstige Reviews: 'Existence'

 

Die Songs:

 

1. Stampede

2. Flies In Amber

3. Thornchild

4. Rapid Eyes Moment

5. Amphibian Halo

6. The Chameleon Defeat

7. Free Of You

8. Papillon

 

 


 

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