UNDER BYEN + Julie Doiron – F-Strasbourg, La Laiterie – 02.11.2004


 

Im kleinen Raum der Laiterie war ich nun echt schon lange nicht mehr (bestimmt war das 1996er ANATHEMA-, ALASTIS-Konzert das letzte dort), da die Verantwortlichen der Ex-Molkerei allerdings für diesen Dienstag ein Punk-Konzert im großen Saal angesetzt hatten, kamen die knapp 80-100 Zuschauer (damit war der kleine Raum aber auch schon an seinen Grenzen angelangt) und wir in den Genuß, mit der Franko-Kanadierin JULIE DOIRON und den dänischen Trip-Hop-Helden UNDER BYEN, zwei außergewöhnliche Künstler/Bands hautnah zu erleben, denn näher dran ist man auch in einem Jugendzentrum nicht.

 

 

Die optisch unscheinbare Julie Doiron eröffenete den Abend nur mit ihrer Gitarre und Stimme bewaffnet vor einem sehr aufgeschlossenen, interessierten und altersmäßig verdammt breitgefächerten Publikum (zwischen 16 und 60 war alles vertreten!!!) und kam dabei verdammt gut an. Ihre sehr introvertierten, leisen und melancholischen Singer/Songwriter-Chansons (teils in französisch, meist in englisch vorgetragen) erinnerten desöfteren an KRISTIN HERSH, HEATHER NOVA, SUZANNE VEGA oder JONI MITCHELL und waren sehr angenehm. Die zierliche und leicht verschroben wirkende Dame war überaus beeindruckt vom begeisterten Applaus und vor allem generell vom proppe gefüllten Auditorium. Nach zögerlichem Beginn, taute sie während des 45-minütigen Sets doch etwas auf und kommunizierte mit dem Publikum zwischen den Songs mehr und mehr. Auch wenn die Songs durch ihre Gleichförmigkeit mit der Zeit etwas langatmiger wurden, ein schöner und netter Auftritt und jedem der einige Songs mal anchecken will, soll sich die MP3s auf www.juliedoiron.com runterladen, es lohnt!

 

 

Hätte die gute Julie mit ihrer Gitarre durchaus auch auf nem Bierdeckel spielen können, so war bei der führenden dänischen Trip Hop-Formation UNDER BYEN dann die eh nicht zu große Bühne komplett in Beschlag! 2 Schlagzeuger (ein Männlein mit normalem Drumset und ein Weibchen mit diversen speziellen Percussions), ein großer Synthie/Effekt-Komplex bedient von Bandkopf Thorbjörn Krogshede, die Bassistin Sara Saxild (sehr hübsch), ein Cellist (sah aus wie der Sohn des Synthiemanns), ein Sägeblättler/Geiger und Frontelfe Henriette Sennenvaldt bevölkerten die Bühne recht zahlreich! Ihr unterschwellig irre groovender Trip-Sound verzauberte das Publikum sofort und vor allem die scheinbar in eine komplett entrückte Sängerin Henriette betörte mit ihrer gehauchten und lieblich feinen Elfenstimme, die eindeutig an ihre isländische Kollegin BJÖRK erinnerte, sowohl was Stimmlage, als auch Phrasierung anging. War das optische Erscheinungsbild eher von Kraut- und Rüben-Charakter (die TrommlerInnen mit normalen Shirt/Jeans-Outfit; die beiden Streicher mit Studenten-Look; die schnucklige Bassistin als typischer 80er-Robert Smith-Fan mit CURE-Shirt, hautenger, blauer Stretch-Jeans und (igittigitt) weißen Stiefelturnschuhen; der Synthie-Zeremonienmeister mit typischem Hemd-Outfit eines in seinen 40ern befindlichen Musiklehrers; tja, und die Chanteuse war eher streng, elegant, sekrätärinnenmäßig, aber dennoch sexy in Top, Rock, Strumpfhose und Pumps gekleidet), so hätte das musikalische Abbild kaum harmonischer und stimmiger sein können. Es passte einfach alles wunderbar zusammen: An den notwendigen Stellen wurde der ansonsten stets in getragenem Groove-Niveau befindliche Sound entweder noch einen Tick ruhiger bis man in Schlaflied-Regionen vordrang, oder aber das Level wurde etwas gesteigert um sich in noch losgelöstere, ausladendere Trance/Jam-Regionen zu begeben.

Gerade dann, wenn der Violinist die Geige beiseite legte und stattdessen PINK FLOYD-, ANATHEMA-artige Schwebe-Soli (klang noch wärmer und schöner als mit einer Gitarre) aus einem Sägeblatt hervorzauberte, war der Sound unfassbar perfekt und man spürte förmlich, wie man mit der Band in andere Welten abtauchte (Madame Sennenvaldt schien sich dadurch derart treiben zu lassen, daß sie in der Hocke mehr als eindeutig "Luft"-Sex vollführte und sich trotz ihrer ansonsten eher introvertierten und schüchternen Art keineswegs daran störte, daß ihr jeder dabei zuschauen konnte...auch wenn man natürlich nichts Anrüchiges dabei sehen konnte...). Die 75 Minuten (inkl. zweier Zugaben) verflogen wie im Zeitraffer und ich bin mir sicher, dass JEDER der begeisterten Zuschauer beim nächsten Auftritt von UNDER BYEN wieder dabei sein wird. Grandioser Gig, bei dem lediglich das etwas magere und spartanische Licht etwas schade war, denn mit gezielt eingesetztem effektivem LIcht, wäre die Atmosphäre wohl noch geiler gewesen! www.underbyen.dk

 

   

 

Bericht, Layout + Photos: Hage

 

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