SHEARWATER + JULIE DOIRON

Hamburg, Prinzenbar - 17.04.2012


 

Die Prinzenbar in Hamburg präsentiert sich als leicht verwunschener Ort. Zuerst durch einen dunklen Kellerraum geleitet kommt man über eine Treppe in einen schicken, in burleskem Rot gehaltenen Konzertraum. Ein Gewölbe mit Kronleuchter im Zentrum und nackten Kinderstatuen in den verschnörkelten Mauern. Die Diskokugel an der Decke dreht ruhig ihre Runden und wird das den ganzen Abend stoisch tun. Eine schöne Atmosphäre, die in gewisser Weise gut zur Musik SHEARWATERS passt. Will Sheff und Jonathan Meiburg spielten 2001 zusammen bei OKKERVIL RIVER und hatten den Wunsch nach einer Plattform für ruhigere, folk orientierte Songs. Daraus entstand SHEARWATER, deren Musik immer etwas Entrücktes innehatte. Zum großen Teil ist das sicher dem außergewöhnlichen Gesang von Jonathan geschuldet. Anno 2012 haben beide Bands eine Reihe von tollen Alben aufgenommen und verlangen dementsprechend mehr Aufmerksamkeit ihrer Hauptköpfe - Will bei OKKERVIL RIVER, Jonathan bei SHEARWATER.

 

JULIE DOIRON als Support gibt ein sympathisches Set zwischen improvisiert-komischen Ansagen und netten Liedern, welche erst erwähnenswert werden, als sich Shearwaters Rhythmusfraktion zur Unterstützung auf die Bühne begibt. Der Raum ist inzwischen gut gefühlt. Eine Menge Pärchen, viele Frauen aber auch einige Männergruppen. Und ein seltsamer Rezensent an der Bar.

Die Prinzenbar trennt nur eine schwere Tür vom Docks, einem weitaus größerem Venue direkt an der Reeperbahn. Dort spielen heute KRAFTKLUB und deren pumpender Sound ist deutlich zu spüren. Das schürt natürlich die Befürchtung, dass die stumpfen Bässe den zum Teil fragilen Sound von SHEARWATER entzaubern werden.

 

Aber als SHEARWATER die Bühne betreten, stellen sich diese Bedenken als vollkommen nichtig heraus. Mit “Hello, wir sind Kraftklub!“ eröffnet Jonathan mit sicherem Lächeln das Konzert zu den ersten Pianoklängen von ’The Snow Leopard’. Es erinnert an RADIOHEADS ’Karma Police’ und ist ein überraschend guter Einstieg. Es folgt das fantastische ’Castaways’, ein Highlight des letzten Albums ’The Golden Archipelago’. Spätestens jetzt ist jedem klar, dass das Set heute den Trend der letzten Alben folgen wird und sich weg von den ruhigen Folksongs hin zu SHEARWATERS sehr eigener Interpretation von Rockmusik. Rhythmisch, direkt und dennoch irgendetwas seltsam Erhabenes. Das wird deutlich beim ersten neuen Songs des Abends. ’Animal Life’ ist der Opener des neuen Album ’Animal Joy’. Mit treibendem Beat und Bass breitet sich das Stück aus. Jonathan singt mit einer fiebrigen Inbrünstigkeit, die schlichtweg ergreifend ist. Das Set ist geprägt vom neuen Album und speist sich auch sonst nur aus der jüngeren Bandgeschichte. Das tut der Dynamik sehr gut und sowieso geben sich SHEARWATER treibender als auf Platte.

Natürlich wird die ein oder andere Großtat aus der Anfangszeit vermisst, aber als zur ersten Zugabe die Frage kommt, ob es denn Wünsche gebe, lässt man die Band einfach gewähren. Stattdessen übt sich das Publikum schon den ganzen Abend im vorsichtigen Tanzen oder stetigem rhythmischen Nicken. Für ein Indie-/Folkkonzert eine erstaunliche Sache.

Die Zugaben beginnen mit einer Soloperfomance von Jonathan, dem das gelingt, was Julie vorher mit allein mit der Halb-Akustik versucht hat. Die ganze Band wird nicht müde sich beim Publikum zu bedanken. Man sieht ihnen die Mühen der Tour an, aber das Feuer in ihren Augen zeigt, dass sie es aufrichtig meinen. Jenes Feuer brennt noch mal richtig auf, als sie die Zugaben mit einem Cover von REMs ’These Days’ beenden. Das ist sicher nicht fulminanteste Finale, gibt aber einen interessanten Einblick in die Einflüsse der Band. Sie interpretieren es schön laut und beenden damit ein tolles Konzert!

 

Am Merchstand gibt es nur noch die LPs. CDs und Shirts sind bereits restlos ausverkauft. Die gesamte Band steht dort, signiert fleissig und man schnackt noch eine Weile. Sie wollen wiederkommen im Juni/Juli und das wird spontan mit einem kleinen Nachapplaus versehen!

 

Setlist:

1. The Snow Leopard (Rook)

2. Castaways (The Golden Archipelago)

3. Animal Life (Animal Joy)

4. Dread Sovereign (Animal Joy)

5. You As You Were (Animal Joy)

6. Insolence (Animal Joy)

7. Rooks (Rook)

8. Immaculate (Animal Joy)

9. Pushing The River (Animal Joy)

10. Open Your Houses (Basilisk) (Animal Joy)

11. Leviathan Bound (Rook)

12. Run The Banner Down (Animal Joy)

13. Breaking The Yearlings (Animal Joy)

14. Star Of The Age (Animal Joy)

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15. Hail, Mary (Solo) (Palo Santo)

16. Landscape at Speed (The Golden Archipelago)

17. These Days (REM Cover)

 

Bericht + Fotos: Guido

Layout: Hage

 

Web:

www.shearwatermusic.com

www.facebook.com/Shearwater/

 

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