SCHANDMAUL / DROW - Bad Salzungen, Pressenwerk – 13.04.2007


 

Bad Salzungen war mir als Ort von vielen Tourdaten aus der Musiklandschaft schon seit einer Weile ein Begriff, aber wenn man diese idyllisch ländliche Kleinstadt nahe der Grenze zur thüringischen Röhn mal selbst im Visier hat, dann fragt man sich, wo zur Hölle in dieser Kurstadt genügend Freaks herkommen sollen, um einen Club zu füllen, welchen man von Kapazität her annähernd mit dem Stuttgarter Longhorn (LKA) vergleichen kann.

Nun ja, besuchertechnisch konnten sich die Bajuwaren von SCHANDMAUL zwar kein Sold Out an den Eingang heften, aber die Halle war angenehm zu zwei dritteln gefüllt, was ja gemessen an dem Freitag der 13.te Omen kein schlechtes Resultat ist.

Ein AK von 19 Euro liegt bundesdurchschnittlich noch gut bei den fairen Ticketpreisen und die Bierpreise von ab 1,50 Euro haben auch einige Herzen im bunt gemischten Publikum, rekrutiert vom Gothic- zum Mittelalterfreak über den Metalhead zum Proll bis hin zum Normalo, sicherlich viele Herzen höher schlagen lassen.

Lustig anzusehen war auch, dass der Altersdurchschnitt schön auseinander klaffte.

 

Den Auftakt machte das Kölner Quartet DROW, welche einen Teil der Openerslots für diese Tour in einem Bandwettbewerb, in welchem auch Mitglieder von SCHANDMAUL in Jury saßen, gewonnen haben. Entsprechend überschwänglich und fast schon aufgesetzt war dementsprechend die Danksagungen und das Anfeuern den DROW Frontmanns gegenüber den Schandmäulern, so dass man vor lauter Aufregung nahezu vergaß die eigene Band mit dem Namen vorzustellen bis letztendlich die Frage aus dem Publikum kam, Ha! Dennoch muß man eingestehen, dass der Frontmann eine gute Ausstrahlung auf das Publikum hatte, sicher in der Kommunikation wirkte und in guten Phasen einen positiven SYSTEM OF A DOWN Touch erreichte. Das Gesamtbild des Songmaterials wirkte wie eine Grundsolide Mischung aus PAPA ROACH, NICKELBACK und einem Funken LINKIN’ PARK. Kurzum eine sehr poppig angehauchte Nu Metal Variante, welche im Detail betrachtet jedoch zu berechenbar wirkte und die Magie des gewissen etwas missen ließ. Es wäre jedoch falsch die die Kölner runter zu moppen, denn für eine Demoband ist es auf diese Art und Weise schon eine beachtliche Leistung, um auf diese Tour zu kommen, aber zum Durchbruch fehlt noch was!!!

 

Nachdem in der Umbaupause zeitlich etwas gemährt wurde, enterte das SCHANDMAUL Sextett kurz vor 23 Uhr die Bretter des Pressenwerkes und Bandaushängeschild, Sänger & Gitarrist usw. Thomas wurde sehr enthusiastisch von der Masse empfangen.

Auf besondere Bühnendekoration wurde verzichtet und sehr professionell ließ man auch gewisse Show Klischees des Mittelalter Rock Genres außen vor und stellte stattdessen die Musik visuell untermalt von einer tollen Lichtshow in den Vordergrund.

Die gesamte Band wirkte echt, bodenständig und auch in der Umsetzung wurde auf aufgeblasene Showelemente verzichtet.

Der Sänger verstand es mit seinen Ansagen Humor, Fannähe und einen Funken coolness auf ein gutes Maß zu schrauben. Für mich als Fan aus dem Metallager muß ich jedoch gestehen, dass mir mit zunehmender Konzertdauer die Stimme zu lieblich und minnesangartig rüber kommt, so dass gelegentlich mehr Power und Inbrunst sicherlich einen Aha Effekt gehabt hätte, was natürlich auch (wie alles) auf subjektivem Empfinden beruht.

 

Die Inszenierung der klassischen Instrumente wie Violine, Drehleier, Pfeifen und Flöten wirkte für Liveverhältnisse überzeugend echt und selbst wenn teilweise der Sound nicht immer klar war, ist es keine Frage, dass eben diese Stilelemente das Klangbild entscheidend prägten.

In Sachen Songauswahl hatte ich vor allem das Gefühl, dass die Menge am liebsten auf die alten „Hits“ der Alben „Narrenkönig“ und „Von Spitzbuben und anderen Halunken“ feierte, so dass Tracks wie „Hofnarr“, „Seemannsgrab“, „Der Spion“, „Vogelfrei“ oder „Eine Waldmär“ und natürlich das gegen Ende verbratene „Walpurgisnacht“ den neuen Sachen etwas die Show stahlen.

 

Es bleibt natürlich auch die Frage offen, wie weit sich eine Band wie SCHANDMAUL in diesem Mittelalter Rock Genre textlich sowie visuell aus dem Fenster lehnen darf, um Ihren Fans der ersten Werke nicht das Gebälk vor die Füße zu werfen, aber jede Band mit Entwicklung hat wohl irgendwann diese Hürde zu nehmen.

Fakt ist jedenfalls, dass SCHANDMAUL eine ehrliche Show boten und dem Publikum war stimmungstechnisch der Spaß ins anzusehen, was ja am Ende auch essenziell ist.

 

Enttäuschung des Abends war vielmehr meine Kamera, welche für Konzertbilder dieser Art leider nicht gerade die beste Tauglichkeit erwies, hoff’ Ihr genießt die Schnappschüsse dennoch!!!

 

   

 

Bericht + Photos: Hauber

Layout: Hage

 

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