SUMMER BREEZE OPEN AIR XII - 12.-15.08.2009 - Dinkelsbühl-Sinnbronn


 

 

Es ist schon echt erstaunlich, welche Entwicklung das 1997 als kleines Provinz-Konzert ins Leben gerufene seitdem durchlaufen hat. Schon 2005, das letzte Jahr im schwäbischen Abtsgmünd, waren schon deutlich mehr als 10.000 Zuschauer dafür verantwortlich, daß das Gelände gewechselt werden mußte. 2006 ist man dann ins bajuwarische Dinkelsbühl umgezogen, wo nun nicht nur deutlich mehr Platz zur Verfügung steht, sondern auch stetig die Besucherzahl nach oben gefahren wurde. So war das Open Air in diesem Jahr nicht nur bereits im Mai ausverkauft, sondern es waren auch sicherlich mindestens 30.000 Besucher auf dem weiter gewachsenen Areal.

Man mag von diesem Zuwachs halten was man will, von der Organisation her war das SUMMER BREEZE noch nie so reibungslos verlaufen. Klar, man blieb von einem Unwetter wie im Vorjahr verschont (das Wetter war grandios, wenn auch am Samstag gar einfach viel zu heiß!), aber selbst dafür hatte man Vorsorge geleistet, in dem man einen großes Areal gekauft hatte, das nun als Tagesparkplatz und für die bedeutend mehr Fahrzeug-Schleusen zur Verfügung steht. So hat man in diesem Jahr jegliche Staus vermieden und das, obwohl bereits am Mittwoch weit mehr als die Hälfte der Besucher angereist waren.

Auch weitere Wehwehchen der Vorjahre, wie Toilettensituation oder Bühnenpositionierung wurden verbessert. Zudem wurden die Bereiche vor den beiden Hauptbühnen befestigt, um zu Vermeiden, daß es dort noch ein mal zu Schlammschlachten kommen muß. Leider ergibt sich dadurch - neben ein paar weiteren unglücklichen und noch nicht perfekten Kleinigkeiten - der etwas seltsame Umstand, daß nun faustgroße Schottersteine zuhauf auf dem Gelände herumliegen und es ein leichtes wäre, diese als äußerst gefährliche Wurfgeschosse zu missbrauchen. Am Einlaß werden „gefährliche“ Gegenstände konfisziert und auf dem Gelände findet man Unmengen an potentiellen „Waffen“ problemlos am Boden liegend...schon arg komisch.

Doch nun geht´s zur Musik, die freilich auch während der diesjährigen vier Tage einmal mehr im Mittelpunkt stand... (Hage)

 

 

Mittwoch, 12.08.2009

 

Newcomerwettbewerb mit:

CYRCUS

SHEEPHEAD

DREAMSHADE

CYPECORE

SECOND RELATION

 

Der Startschuss für die vier kommenden Tage fiel schon eine gute Stunde vor den ersten Stromgitarrenklängen mit dem obligatorischen Auftritt des Illenschwanger Musikvereins, der nach wie vor auf einem Anhänger geladen und von einem Trecker über den Platz vorm Partyzelt gezogen wurde. Wie in jedem Jahr sah das Ganze nicht nur lustig aus, sondern schien auch allen Beteiligten zu gefallen.

Danach wurde es aber ernst, zumindest für die folgenden fünf Bands, die allesamt im Finale des Nachwuchswettbewerbs, der in diesem Jahr bereits in die dritte Runde ging, standen und um die Summer Breeze-Krone – der Eröffnung des ersten „richtigen“ Festivaltages auf der Pain Stage – kämpfen mussten.

 

Den Auftakt hatte die NRW-Metalcore-Truppe CYRCUS zu gestalten, was eigentlich ein schwieriger Job sein müsste. Wer jedoch die Summer Breeze-Besucher kennt, weiß auch, dass diese neuen Bands jederzeit aufgeschlossen und neugierig gegenüberstehen und jedem einen herzlichen Empfang bereiten, egal ob man früh oder spät auf die Bretter muss. So versammelten sich auch schon eine ganze Menge früh angereister Metalheads im Zelt, um die modernen Klängen der Jungs abzufeiern. Damit hätten sie selbst wohl kaum gerechnet und so überraschender waren die Gesichtsausdrücke der Musiker. Mit ihrem doch schon stark Killswitch Engage-lastigen Core sorgten CYRCUS zweifelsohne für einen gelungenen Start.

 

Wer dachte, dass der vorangegangene Auftritt von CYRCUS nur schwer zu toppen sei, lag ein wenig daneben. Bei der zweiten Finalband SHEEPHEAD war das Zelt noch einen ganzen Tacken voller. Die Pfaffenhofener hatten da mit Sicherheit einige Busladungen an heimischen Fans vorgekarrt, was ja natürlich nur für den Ruf der Band sprechen kann. Aber auch den meisten anderen, die sich den Nachmittag gerne mit lauter Musik und ein paar Bier um die Ohren schlugen, gefielen die melodischen Death Metaller mit modernem Einschlag ganz gut. Einige Crowdsurfer wurden gesichtet und ließen die Festivalstimmung zumindest bei einigen Anwesenden recht schnell durchdringen.

 

Hochmelodisch wurde es bei der dritten Band in der Runde. Die aus der Schweiz stammende Formation DREAMSHADE bot neben ziemlich viel Action auf der Bühne in erster Linie eine für Power und Melodic Metal-Fans zündende Mucke. Children Of Bodom meets Rhapsody, sozusagen. Die Reihen vor der Bühne hatten sich zwar deutlich gelichtet, aber die weite Anreise des Sextetts hat sich letzten Endes doch gelohnt.

 

Deutlich mehr Action unterm Dach des Zelts gab es bei der vorletzten Band des Newcomer Contests, CYPECORE, zu verfolgen. Auch wenn der Start ins Set etwas holprig vonstatten ging (war da wohl jemand von der Zuschauerzahl erschlagen?), rockte der Sinsheimer Metal-Fünfer das Zelt absolut vorbildlich. Mit ihrer modernen, vielfältigen Mischung extremer Stile trafen sie auch den Nerv der Meute, denn es war zum einen wieder deutlich voller, zum anderen auch wieder einiges mehr an Bewegung im Mob. CYPECORE boten wie die meisten Bands zuvor ebenfalls eine überraschend starke, jedoch teilweise etwas wackelige Show, was man der jungen Truppe durchaus nachsehen kann. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Slot am Freitag war jedoch schon jetzt abzusehen.

 

Die letzte Band des Wettbewerb fand den Weg aus Österreich nach Dinkelsbühl. SECOND RELATION – ein Name, der hierzulande so gut wie keinem ein Begriff war – betraten etwas nervös die Bühne und standen anfangs einem wenig gefüllten Zelt gegenüber. Was sich im Laufe der Show aber abspielte, spiegelte selbige aber nur zu gut wider. Immer mehr Leute fanden den Weg vor die Bühne und ließen sich, teilweise ungläubig mit dem Kopf schüttelnd, teilweise einfach nur fasziniert vom progressiven Metal der jungen Band gefangen nehmen. Gerade mal zwei Jahre haben die durchschnittlich 17 Jahre jungen Buben aus unserem Nachbarland bisher miteinander musiziert. Das Ergebnis, welches nur in Teilen vorgetragen wurde, überraschte viele. Absolut professioneller und raffinierter, mit spielerischen Finessen gespickter Progressive Metal ging den interessierten Festivalbesuchern direkt unter die Haut. Nicht selten fühlte man sich an die Samstags-Headliner Opeth erinnert, wenngleich dies hauptsächlich auf eine ähnliche anmutende Verspieltheit und Experimentierfreudigkeit zurückzuführen ist. Auf der Rechnung hatte die Österreicher wahrscheinlich keiner und genau das verhalf SECOND RELATION zu einer Art Überraschungseffekt, mit dem sie den Newcomer Contest besiegelten.

 

Nach einigen Minuten wurden alle Bands noch einmal zusammen auf die Bühne gebeten und jede durfte sich zu Recht noch einmal feiern lassen. Am meisten feiern durften jedoch SECOND RELATION, die zu den Gewinnern des Newcomer Contests gekürt wurden und am nächsten morgen auf der Pain Stage noch einmal ran durften. Letzteres sorgte im Nachhinein noch zu einigem Gesprächsstoff unter den Festivalbesuchern. Hierzu aber mehr im Bericht zum ersten Festivaltag. (Marcel)

 

 

METAL BLADE-Labelnacht mit:

ONE WAY MIRROR

RAZOR OF OCCAM

VOMITORY

GOD DETHRONED

POWERWOLF

CATARACT

 

Danach stand ebenfalls traditionell die METAL BLADE-Labelnacht auf dem Programm, bei der sich dieses Jahr die französischen Modern-Metaller ONE WAY MIRROR, die Black-Thrasher RAZOR OF OCCAM, die schwedische Todes-Dampfwalze VOMITORY, die Tulpen-Death-Thrash-Helden GOD DETHRONED, die transilvanisch-saarländische Epic-Metal-Macht POWERWOLF und das Schweizer Thrashcore-Geschwader CATARACT die Klinke in die Hand gaben. Die Bands zeigten sich dabei allseits von ihrer besten Seite und wurden dafür vom euphorischen Publikum gnadenlos abgefeiert. So schön das ist, daß am Mittwoch die Bands konkurrenzlos im Partyzelt spielen können, so unglücklich ist es, daß eben ALLE anwesenden Zuschauer versuchten einen Platz im hoffnungslos überfüllten und von außen leider kein Stück einsehbaren Zeltrund zu ergattern. Hoffentlich steigt man nächstes Jahr auf die zwei oder drei mal so große, rundum offene Variante des Festzelts um, so wie beim WITH FULL FORCE oder früher beim DYNAMO. (Hage)

 

     

 

VOMITORY…die erste und einzige Band an diesem Abend für mich – und was für eine. Die Schweden haben in meiner „muss ich sehen“ Liste immer ein Platz ganz weit oben. Trotz einiger Line up Wechsel in der Vergangenheit ist sich die Band immer treu geblieben. Die bei vielen anderen Bands zu beobachtende sogenannte Weiterentwicklung, die in Wirklichkeit eine Verschlimmbesserung ihrer Musik darstellt, sucht man hier vergebens. Das ist auch gut so, denn wo VOMITORY drauf steht, kommt auch VOMITORY raus.
Zum Gig: Das Zelt war, als ich 10 Minuten vor Beginn der Show dort angekommen bin, schon proppevoll. Ich konnte mir aber mit großem körperlichem Einsatz einen Top Platz genau in der Mitte des Zelts erkämpfen. Und dann legten VOMITORY auch schon los: Maschinengewehr in Stellung gebracht, Patronengurt eingelegt und auf Dauerfeuer gestellt, Finger am Abzug durchgezogen und nicht mehr losgelassen. Schon nach den ersten Songs war klar, hier kommt man nicht unverletzt wieder raus. Die gut sortierten Salven aus der Schaffesphase der Band kamen dann auch genau gezielt und trafen fast immer. Es kam ’Terrorize, Brutalize, Sodomize’ und die ersten „Surfer“ segelten von hinten über unsere heftig bangenden Köpfe hinweg. Leider war nach nur 45 Minuten die Munition alle. Schade, ich war grad warm geworden und hatte mein erste Verwundung durch ein kühles Weissbier zu heilen versucht. Abschließend bleibt festzustellen, es war eine sehr gute Vorstellung in einer viel zu kleinen Location. Meiner Meinung nach hätten noch ein paar 100 Leute mehr die Todesmetaller aus dem hohen Norden gerne gesehen, wenn, ja wenn das Zelt nicht schon so überfüllt gewesen wäre. (Hemmy)

 

Oh mein Gott!! Wie auch schon bei VOMITORY gab es im Grunde kein Durchkommen in Richtung Bühne. Sicherlich eine geile Sache für die Bands vor so vielen Leuten zu spielen und so abgefeiert zu werden, trotzdem ist es natürlich ärgerlich, wenn man nicht mal 20 Meter ans Zelt rankommt. Irgendwie macht das nicht so viel Spass!! Aber warte Mal, wieso stehen eigentlich überhaupt schon GOD DETHRONED auf der Bühne? Immerhin wären es noch knapp 2 Stunden bis zur eigentlichen „Anpfiffzeit“?!? Der simple Grund dafür war einfach, dass sich die Holländer spontan bereit erklärten den Slot mit CATARACT zu tauschen, die Probleme bei der Anfahrt hatten und somit leider nicht rechtzeitig auf dem Gelände sein konnten. Wie auch immer, die Holländer, mittlerweile verstärkt durch die hübsche Frau CLITEATER an der Gitarre, legten los wie die sprichwörtliche Feuerwehr. Allein das Eröffnungstrio ist schon Anbetungswürdig: Under A Darkening Sky, Serpent King und The Warcult, ultrafett!! Ansonsten ist alles wie immer: GOD DETHRONED haben Spass auf der Bühne und machen ordentlich Spass vor der Bühne!!! Überraschenderweise wird das neue Album gerade einmal mit Vier Songs bedacht, was natürlich keinen stört, da die Holländer im Laufe der Jahre einige „Hits“ auf ihrer Seite verbuchen konnten. Einziger Kritikpunkt meinerseits: wieder einmal wartete ich vergeblich auf „Under A Silver Moon“, verdammt!! Ansonsten alles TipTop, cooler Auftritt! (Markus)

 

       

 

 

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