NIGHT OF THE PROG FESTIVAL II

21. / 22. Juli 2007 - St. Goarshausen / Freilichtbühne Loreley


 

 

 

Ein reines Prog-Festival, und dazu noch im traumhaften Ambiente des Amphitheaters an der Loreley?? Das schreit förmlich nach Pflicht-Programm, und obwohl wir beim letztjährigen Einstand des NOTP-Festivals noch nicht mit dabei waren (Schande über uns): dieses Jahr gab's keine Ausreden mehr. Letztes Jahr noch eintägig und lediglich mit FISH, MOSTLY AUTUMN, SYLVAN und SECONDS OUT, dauerte der Spaß heuer schon zwei volle Tage und versprach mit JETHRO TULL, ASIA, IQ, PENDRAGON, den deutschen PINK FLOYD-Verehrern ECHOES und erneut FISH gleich eine ganze Reihe von Highlights. Dazu kamen einige hoffnungsvolle Newcomer-Bands wie THE WATCH oder JEBO, und fertig war ein hochkarätiges, ausgewogenes Billing, das für jeden Prog-Geschmack etwas bereithielt. Und aufgrund der Tatsache, dass man pro Tag nur fünf Bands verpflichtet hatte, konnten sich auch die frühen Bands über jede Menge Spielzeit freuen. Zum Glück spielte auch das Wetter größtenteils mit, vor allem der Sonntag war einfach traumhaft, was einem den Spaß vor der grandiosen Rhein-Kulisse noch versüßte. Also genug Voraussetzungen für ein durch und durch gelungenes Festival, und bis auf ein paar winzige Kleinigkeiten (dazu mehr am Ende des Artikels) war das NOTP II auch ein voller Erfolg. Aber lest einfach selbst. (Joe)

 

Samstag, 21. Juli 2007

Es ist jetzt fast genau auf den Tag 31 Jahre her, als mit GENESIS die lange Rock-Tradition der Loreley-Freilichtbühne ihren Anfang fand. Es folgten in den Jahren darauf namhafte Bands wie zum Beispiel JOE COCKER, UB 40, GARY MOORE, STING, U2, RED HOT CHILLI PEPPERS, CHRIS REA, METALLICA, CARLOS SANTANA und viele andere. Heute, im Rahmen des "Night of the Prog II"-Festivals, versammelten sich Hunderte von Progrock Fans vor den stählernen Toren des legendären Rockfelsens. Nachdem wir endlich die Freilichtbühne betreten konnten - es begann jetzt doch stärker zu regnen - stellten wir uns erstmal bei einem der wenigen Würstchenstände unter und lauschten bei einem völlig überteuerten Becher Rotwein den ersten Klängen von JEBO, dem melodisch rockenden Fünfer von der britischen Insel. Das Wort "Jebo" ist übrigens eine afrikanische Begrüßung, das nur am Rande. Und mit ihrem sehr soliden, harmonischen Auftritt legten sie gleich die Messlatte für alle weiteren Bands sehr hoch. Die Engländer konnten besonders durch ihre sehr starke gesangliche Performance überraschen, selten habe ich einen so interessanten Sänger gesehen, welcher die Power eines Mike Patton mit dem Gefühl von Peter Gabriel verbindet. Leider war der Auftritt von JEBO nicht durch besonders große Bewegung auf der Bühne geprägt und so fanden sie auch höchstens bei dem letzten Song Zugang zum, bei nachlassendem Regen, mehr und mehr einströmenden Publikum. Aber der sehr gute Sound und die erwähnte besondere gesangliche Leistung des charismatischen Fronters James Hollingsworth machten dieses erste Konzert des Tages zu einem sehr großen Erlebnis. (Onkel Tom)

 

Die norddeutschen Art-Rocker von SYLVAN hatten bereits 2006 das Vergnügen, auf dem "Night of the Prog I" dabei zu sein, und schon dort konnten sie ziemlich abräumen. Kein Wunder, schließlich gehören ihre Alben wie "X-Rayed", "Presets" oder das hochgelobte Konzept-Album "Posthumous Silence" zu den Highlights des deutschen Progressive & Art Rocks. Und so fraßen die noch nicht ganz so zahlreich anwesenden Fans den Hamburgern auch 2007 aus der Hand. Schade war lediglich, dass SYLVAN schon recht früh auf die Bühne mussten, denn die verträumten, atmosphärischen Stücke wären bei anbrechender Dunkelheit bestimmt noch intensiver zur Geltung gekommen. Aber bei den vielen großen Namen, die später noch die Bühne entern würden, war natürlich allen klar, dass die Nordlichter eher in der ersten Hälfte des Billings angesiedelt wurden. Und mit 90 Minuten Spielzeit (als zweite Band!!) konnten sich die Jungs auch so nicht beklagen. Bei Stücken wie "That's why it hurts", "Artifical Paradise", "Lost" oder "One Step beyond" sowie einem längeren Ausflug in "Posthumous Silence"-Gefilde zeigten sich SYLVAN sehr spielfreudig und technisch versiert und untermauerten damit, dass sie wohl zu DEN Bands in diesem Genre in Deutschland zählen. Einziges Manko an diesem Tag war Frontmann Marko, der gerade in den höheren Stimmlagen nicht immer alle Töne getroffen hat. Allerdings sind die Gesangslinien mitunter auch ziemlich schwierig, und so sehen wir über diesen kleinen Makel mal locker hingweg. Ein überaus gelungener zweiter Act beim NOTP II und ein weiterer Siegeszug für SYLVAN. (Joe)

 

Tja, was soll ich über IQ noch sagen? Die Band zählt sowohl für mich als auch für meinen Kollegen Tom derzeit zu DEN musikalischen Überfliegern überhaupt. Ihre Alben, vor allem "Subterranea" (1997), "The Seventh House" (2000) und "Dark Matter" (2004), zählen schlicht und einfach zum Besten, was der Neoprog in den letzten Jahren zu bieten hatte. Kaum jemand schafft es, derart perfekt arrangierte, melancholische und verträumte Epen zu kreieren wie dieses britische Quintett. Daher war IQ für mich im Vorfeld auch die Band, auf die ich mich am meisten freute, und wie wenn ich es geahnt hatte, auch im Nachhinein mein persönliches Highlight auf dem "Night of the Prog II". Souverän und frenetisch gefeiert, legten IQ einen 90-minütigen Hammer-Gig hin, wie man es leider nur selten erleben darf. Mit göttlichen Stücken wie "Sacred Sound", "The Seventh House", "Breathtaker" oder "Human Nature" ausgerüstet, entfachte der Fünfer eine grandiose Atmosphäre, präsentierte sich dabei als perfekt aufeinander eingespielte Band und offenbarte mit Sangesgott Peter Nicholls einen Frontmann, der mit Krawatte und seinen wohlüberlegten, edel wirkenden Gesten und Bewegungen fast schon introvertiert wirkte, durch seine sympathischen Aussagen aber alles andere als arrogant rüberkam. Mit "Frequency" (ich hoffe, dass ich den Titel richtig verstanden habe) hatten IQ dann gar noch einen neuen, vielversprechenden Song im Gepäck, der Lust auf das nächste Album macht, welches hoffentlich bald erscheinen wird. Wenn ich mir eine Wiederholung für das 2008er NOTP wünschen dürfte, dann wären das definitiv und ohne Abstriche IQ. Besser geht's einfach nicht!!! (Joe)

 

ASIA nach vielen Jahren wieder in Originalbesetzung - das klang schon nach nem ziemlichen Hammer. In den frühen Achtzigern bestand die Band ja aus John Wetton (bass, vocals), Steve Howe (guitars), Geoff Downes (keys) und Carl Palmer (drums) und schrieb mit Hits wie "Heat of the Moment" oder "Sole Survivor" bekanntermaßen Rockmusik-Geschichte. Nun muss ich zwar vorwegschicken, dass ich noch nie ein Mega-Fan dieser Band war, aber einige verdammt coole Stücke haben die Jungs definitiv abgeliefert. Vor allem zeigte sich auf der Loreley, dass ASIA nach wie vor unglaublich beliebt sind (jedenfalls gab es mit die besten Publikumsreaktionen auf die eingängigen Hymnen des Vierers), und zum anderen sah man sich mächtig getäuscht, wenn man hier eine Gruppe unbeweglicher Tattergreise mit angeklebten Instrumenten erwartet hatte. Denn obwohl fast alle Bandmitglieder zwischen 50 und 60 (!) Jahre alt sind, hatten die Herren mächtig Spaß auf der Bühne und rockten, was das Zeug hielt. Dass wir es hier mit begnadeten Musikern zu tun haben, dürfte eh jedem klar sein, und bei Stücken wie "Time again", "Only Time will tell" oder "Don't cry" sowie natürlich den oben genannten Überflieger-Hits "Sole Survivor" und vor allem "Heat of the Moment" kochte das Amphitheater. Wie im Vorfeld angekündigt, ergänzte man den ansonsten nur aus älteren ASIA-Songs bestehenden Set mit jeweils einem Stück von der eigenen (z.T. ehemaligen) Band, nämlich mit "Roundabout" (YES / Steve Howe), "Fanfare for the common Man" (ELP / Carl Palmer), "Court of the Crimson King" (KING CRIMSON / John Wetton) und "Video killed the Radio Star" (THE BUGGLES / Geoff Downes). Dazwischen durfte auch mal Steve Howe allein auf seiner Akustik-Gitarre dudeln und zeigen, was für ein herausragender Musiker er ist. Und so vergingen die ca. 100 Minuten wie im Fluge dank eines äußerst kurzweiligen Gigs. Ein wirklich legendärer Auftritt, den vermutlich niemand so schnell vergessen wird. Killer! (Joe)

 

ECHOES (performing the Music of PINK FLOYD live)

Als ich hörte, dass da eine PINK FLOYD Coverband namens ECHOES als Headliner gesetzt war, habe ich das ganze noch sehr belächelt und die Band sicher nicht mehr als einen Rauswerfer betrachtet, nach dem göttlichen Auftritt von ASIA. Gut, dachte ich mir, ein paar Songs kann man sich ja mal reintun, obwohl ich mir als eingefleischter PINK FLOYD Fan nicht vorstellen konnte, dass da nur ein Funken der legendären Gesangslinien und geilen Gitarrenarbeit von David Gilmour oder Roger Waters zu spüren sein dürfte. Weit gefehlt! Bereits beim Anspielen der ersten Töne der etwas abgespeckten Version von ’Shine on you crazy Diamond’ fiel sofort der Groschen beim Publikum und war doch nur der softe Einstieg in zweieinhalb Stunden größte Ekstase. Ich nenn hier mal ein paar Titel, welche ich lauthals mitsingen konnte: ’Time’, ’Dark side of the Moon’, ’One of These Days’, ’Us and Them’, ’High Hopes’ und das Album ’The Wall’ haben die Fünf Hessen fast komplett gespielt inklusiv meines, und hier hatte ich wirklich Tränen in den Augen, absolut größten Lieblingssongs ’Confortably Numb’. Also, ich kann mir nicht vorstellen, dass selbst PINK FLOYD themselves eine bessere Performance abliefern könnten und verbeuge mich ganz tief vor ECHOES. Wem übrigens der Name Oliver Hartmann bekannt vorkam, der hat vermutlich schon Platten von AT VANCE gehört oder ist ein Fan von Tobias Sammets Projekt AVANTASIA. Ein Hammergitarrist!!! Zum Schluss bekamen sie schon vor der Zugabe stehenden Applaus bevor sie mit ’Money’ und ich glaube es war ’Run Like Hell’ von der Bühne gingen. Das war eine der besten Shows, eines des textsichersten Publikums, das ich je gesehen habe. Jederzeit wieder! (Onkel Tom)

 

Sonntag, 22. Juli 2007

THE WATCH

Gerade noch rechtzeitig - der Einlass wurde um fast eine dreiviertel Stunde nach hinten verlegt - stiegen wir erneut die steinernen Treppen des Amphitheaters hinunter und bei einem eiskalten koffeinhaltigen Glas Alkfrei, genoß ich die kräftigen Sonnenstrahlen und die erste Band des Tages: THE WATCH aus Italien. Und so sehr mich gerade das besonders einfühlsame Gitarren- bzw. Bassspiel der Herren Roversi und Gabriel, dieser sofort unter die Haut gehende Sound, der sehr stark an sehr, sehr alte GENESIS-Scheiben erinnerte, gleich zu Beginn ihres Sets beeindruckte, so wenig gefiel mir zu Anfang der unharmonische Gesang von Simone Rosetti. Ich vermute mal, der Bühnensound muss ziemlich mies gewesen sein, denn ab dem Ende des zweiten Songs wurde es zwar besser, aber halt leider noch nicht wirklich gut. Erst mit ’Shining Bald Heads’ hatte man endlich das Gefühl, das alles passt. Und spätestens beim sicher besten Song dieses Acts ’Berlin, 1936’, der Geschichte über zwei Freunde, einer hellhäutig und einer dunkelhäutig, welche sich bei den olympischen Spielen in Berlin kennen gelernt haben, sah ich rund um mich herum nur noch in zufriedene Gesichter. Mit ’DNAlien’ folgte dann noch der sicher bekannteste und einer der verzwicktesten Songs der Italiener (Joe erklärte mir in diesem Zusammenhang das Wort elitär), bevor sie nach noch einer Zugabe ziemlich pünktlich die Bühne für THE MERLIN BIRD freigaben. (Onkel Tom)

 

Mit den in Melbourne beheimateten THE MERLIN BIRD bestieg die am weitesten eingeflogene Band an zweiter Stelle die Sonntags-Bühne - Respekt für diese anstrengende Anreise wegen einer Stunde Spielzeit! Obwohl mir die Australier bis dahin nicht bekannt waren, machte mich die Stilbeschreibung im Vorfeld überaus neugierig, denn "keltischer Prog" hört sich - zumindest für meine Ohren - sehr vielversprechend an. Leider muss ich aber sagen, dass mich die Australier von allen zehn NOTP-Künstlern am wenigsten beeindruckten. Klaro, Bands wie IQ, ASIA, ECHOES oder THE WATCH hatten die Messlatte auch verdammt hoch angelegt, aber mit den etwas konfus wirkenden und nicht stimmig genug arrangierten Stücken des Quintetts konnte ich nicht allzu viel anfangen. Dazu kam noch, dass Sängerin Shakira (nee, nicht unser Latino-Sternchen) mit ihrem Geträllere auf Dauer doch etwas nervte, und die ständige Maskenwechslerei von Sänger / Keyboarder Geoff wirkte auch eher etwas albern denn geheimnisvoll. Ich hatte den Eindruck, dass viele Festivalbesucher meine Meinung teilten, und so ernteten sie wohl den spärlichsten Applaus des Wochenendes. Der guten Laune und Spielfreude der gesamten Band tat dies aber keinen Abbruch, und nach ihrem Gig schienen THE MERLIN BIRD wohl mit sich und der Welt im Reinen zu sein. Müsste ich mir mal in Ruhe zuhause anhören, live dagegen war das alles andere als eine Offenbarung. (Joe)

 

Nach IQ war mit den ebenfalls britischen PENDRAGON die zweite klassische Neoprog-Truppe am Start, die schon genauso lange im Geschäft ist wie IQ und auch auf ähnliche Erfolge im Prog-Genre zurückblicken kann. Allerdings zeigten sich bei uns doch schon die ersten Ermüdungserscheinungen, zumal mit JETHRO TULL und FISH auch noch zwei absolute Knüller folgen würden, und so zog Master Tom es vor, etwas am Auto rumzulungern, während ich mir Sänger / Gitarrist Nick Barrett und sein Gefolge nicht ganz so aufmerksam zu Gemüte führte. Ich muss daher auch zugeben, dass mir der PENDRAGON-Sound an diesem Nachmittag nicht so richtig reinlief. Die Jungs machten ihre Sache ohne Frage sehr gut und konnten auch den Großteil des Loreley-Publikums mitreißen, aber im direkten Vergleich mit IQ zogen die Burschen um den Tausendsassa-Keyboarder Clive Nolan (u.a. ARENA) klar den kürzeren: ihre Stücke sind lange nicht so ergreifend und tiefsinnig, der Unterhaltungswert entspricht dem einer relativ normalen Rock-Band mit langen Stücken und viel Bombast, aber halt auch nicht mehr - es fehlt einfach etwas das Besondere, das einen für 70 Minuten gleichbleibend fesseln kann. Wie gesagt eine sehr gute Band mit engagierten Musikern, aber einfach nicht so ganz meine Wellenlänge an diesem Sonntag Nachmittag. Muss ich mir vielleicht mal in einem kleineren Club anschauen. (Joe)

 

JETHRO TULL

Die Ankündigung von JETHRO TULL für's NOTP II war ein weiterer wichtiger Grund, warum ich zur Loreley gepilgert war, denn die originellen Folk-Art-Rocker zählen auf Konserve schon lange zu meinen Faves, aber leider hatte sich irgendwie nie die Gelegenheit zu einem Konzert-Event geboten. So war ich mehr als gespannt auf die Darbietung von Ian Anderson (der übrigens vor einigen Tagen seinen 60 (!) Geburtstag feierte) und seinem Gefolge, aber einen solchen Hammer-Auftritt hatte ich wirklich nicht erwartet. Ian Anderson fegte wie ein Derwisch über die Bühne, spielte auf einem Bein stehend seine teilweise unfassbaren Flöten-Parts und entpuppt sich dabei auch noch als unglaublicher Entertainer, der scharfzüngig und ironisch seine Songs kommentierte oder witzige Bemerkungen über Gott und die Welt vom Stapel ließ - kein Frontmann auf dem NOTP II hatte so viele Lacher auf seiner Seite wie Mr. Anderson. So bemerkte er z. B. gleich zu Beginn zum Titel des Festivals: "What the Fuck is Prog Rock, we are Folk Rock", und so ließ er auch zwischendurch immer mal wieder sarkastische Bemerkungen über diesen Titel fallen. Musikalisch war es eine Zeitreise quer durch 40 Jahre JETHRO TULL, mit Stücken wie "Living in the Past", "Jack in the Green", "Thick as a Brick" (natürlich nur in der Kurzversion), "Mother Goose", "Nothing is easy", "Pastime with good Company" (von Heinrich VIII.), "America" (von Leonard Bernstein) und mit "The Donkey and the Drum" auch ein neues Stück. Anderson wirkte live dabei keineswegs als Band-Diktator, was ihm ja immer wieder nachgesagt wurde, sondern überließ auch mal seinem langjährigen Gitarristen Martin das Feld und ließ diesen einen Song alleine spielen. Und auch sonst wirkten alle Musiker so, als ob sie großen Spaß hätten und auch gerne mit Ian zusammen auf der Bühne standen. Weitere Höhepunkte waren natürlich "Aqualung", welches in einer sehr geilen und verdammt langen Version dargeboten wurde, sowie wohl der TULL-Song schlechthin, "Locomotive Breath", welches wie erwartet als Zugabe den Set würdig beendete. Was für ein cooler Gig! (Joe)

 

Den Abschluss des "Night of the Prog"-Festivals bildete schließlich - wie schon im Vorjahr - ex-MARILLION-Sänger FISH mit seiner Band und setzte mit seinem über 2-stündigen Auftritt einen würdigen Schlußpunkt unter dieses Wochenende. Nun bin ich zwar nicht gerade ein großer Fan von seinen Solo-Alben, schätze ihn aber natürlich als charismatischen Frontmann und unverwechselbaren Sänger, der Stimmung macht und die Massen derart easy im Griff hat wie kaum jemand sonst. Und seine Alben mit MARILLION sprechen selbstverständlich für sich selbst. Letztes Jahr wurde "Misplaced Childhood" komplett am Stück gespielt, und bereits damals hatte er verkündet, dass er im Jahr darauf gerne das letzte MARILLION-Album mit seiner Beteiligung - nämlich "Clutching at Straws" - komplett aufführen möchte. Jener Silberling steht zwar etwas im Schatten des großen Vorgängers mit seinen vielen Hits, aber für meine Begriffe handelt es sich hier um einen etwas untergegangenen und verkannten Klassiker, der vor atmosphärisch-dichten, melancholischen Stücken nur so strotzt. Der hünenhafte Schotte hielt sein Wort und präsentierte tatsächlich beinahe die komplette "Clutching"-Langriller, allerdings leider nicht am Stück, was ich aufgrund des Spielflusses auf dem Album eigentlich erwartet hätte. Aber auch so entfalteten tolle (allerdings etwas aus dem Zusammenhang gerissene) Stücke wie "Warm Wet Circles", "White Russian" oder "Incommunicado" (Zugabe) eine fast magische Atmosphäre, getragen von der eigenwilligen Stimme des Meisters sowie einem perfekten musikalischen Fundament seiner versierten und spielfreudigen Band. Im weiteren Verlauf präsentierte FISH auch Songs von seinem neuen Album "13th Star", welches demnächst veröffentlicht wird (oder schon ist?). Eine grandiose Aktion war sein Ausflug mitten unters Publikum - singend und umringt von unzähligen Fans - und so bekam ihn auch unser Paparazzi Tom direkt vor die Linse, wie er mir noch mehrmals an diesem Abend mit leuchtenden Augen erzählte. FISH geizte weder mit kritischen Kommentaren zur Nahost-Politik noch mit sonstigen interessanten bis witzigen Ansagen und verdeutlichte damit, dass er vielleicht nicht unbedingt der weltbeste Sänger ist (Die-Hard-Fans würden mich jetzt wahrscheinlich gerne steinigen), aber ganz bestimmt einer der besten Frontmänner, die man sich vorstellen kann. Wenn ich es richtig interpretiert habe, ist FISH auch für's nächste "Night of the Prog" schon gebongt, worüber sich bestimmt die meisten Proggies riesig freuen werden. Und ganz bestimmt hat er auch dann wieder einige Überraschungen im Gepäck. (Joe)

Fazit:

Alles in allem war das NOTP II ein durch und durch geniales Festival, mit vielen starken bis grandiosen Bands, einem supercoolen und extrem gemischten Publikum sowie einem mehr als passenden äußeren Rahmen. Es ist gar keine Frage, dass wir nächstes Jahr vom 18. bis 20. Juli wieder zur Loreley pilgern werden, und das mal ganz unabhängig davon, wer tatsächlich dort spielen wird. Bestätigt ist nämlich bislang nur, dass sich das Festival auf 3 Tage ausdehnt und man am Freitag einen Elektronik-Abend einschieben möchte (definitiv sicher ist für dort schon die Synthesizer-Legende KLAUS SCHULZE). Ansonsten lassen wir uns einfach überraschen, wer uns dann in 2008 alles beglücken wird - erste Namen werden in Bälde bekanntgegeben (weitere Infos gibt's hier: http://www.wiventertainment.de/).

Folgende Anregungen hätten wir zum Schluss noch:

* Der Einlass - zumindest am ersten Tag - ging ziemlich schleppend voran. Die ansonsten sehr coole und lockere Security wirkte etwas unbeholfen und schien die Geschichte ziemlich in die Länge zu ziehen. Muss nicht sein!

* 1 bis 2 richtige Frickel-Prog-Bands wie THE TANGENT oder THE FLOWER KINGS hätte zumindest ich sehr begrüßt und würde das Billing sicher im Sinne aller noch abwechslungsreicher machen. Zumal man damit auch dem Festival-Titel etwas mehr entsprechen würde J.

* Das quantitative Essensangebot auf dem Gelände war eine mittlere Katastrophe - für mehrere Tausend Zuschauer 3 oder 4 Stände mit Fressalien - darunter z. B. so gut wie nichts Vegetarisches - ist für ein Zweitages-Festival schon mehr als dürftig. Hier muss sich im nächsten Jahr unbedingt etwas ändern.

* Die Auswahl an Band-Merchandise war sehr dürftig - von manchen Combos gab's gar nichts, von anderen nicht viel. Klar liegt das vermutlich eher an den Bands selbst oder an deren Plattenfirmen, kann ich aber wirklich nicht verstehen, denn wann und wo hat man schon mal die Gelegenheit, so viele Fans vor der Nase zu haben, die sich bestimmt gerne mit einem T-Shirt oder einer noch in der Sammlung fehlenden CD versorgen würden? (Joe)

Berichte: Onkel Tom, Joe
Layout: Joe
Fotos: Onkel Tom


 

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