Nightwish, Sinergy, Eternal Tears of Sorrow 


Freitag 13.10.2000 - Engelsdorf (bei Leipzig) Hellraiser

 

Ein Festtag für jeden Metaller und eine der wenigen Gelegenheiten für die Herren der Schöpfung, mit gönnerhafter Miene die Dame des Herzens auszuführen und somit zu widerlegen, dass es nicht immer nur verrauchte Clubs und speckige Bands ein müssen, die einen in den Zenit der Extase befördern. Ein nicht nur musikalisch äußerst attraktives finnisches Package hatte geladen und die meisten kamen. So griff auch ich die Situation beim Schopfe, in Personalunion als Schreiberling und Kavalier gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen zu können. Und natürlich kam ich wieder mal zu spät. Da ich schon längere Zeit nicht mehr im Hellraiser zugange war, ist es mir doch glatt entgangen, dass Leipzigs ... pardon, Engelsdorfs Kult-Club inzwischen umgezogen ist. Wer suche, der findet - auch wenn man dadurch die Vorband verpasst (vielen Dank nochmals an die beiden unheimlich nett angetrunkenen Fußgänger - auch wenn sie die Zeilen hier sicher kaum lesen werden bzw. sich daran erinnern können...).

 

ETERNAL TEARS OF SORROW machten, soweit sich das nach den letzten beiden Songs des Gigs beurteilen läßt, einen recht soliden Eindruck, auch wenn sich das Material etwas nach Gothic Meta -Einheitsprägung anhörte. Doch mit einer gewissen Entwicklung, die man jeder neueren Band zugestehen sollte, haben die lieben Leute sicher noch eine interessante Entwicklung bzw. Zukunft vor sich. Lediglich der etwas zu krächzige Sänger nervte etwas. Da ich aber hörtechnisch völlig unvorbelastet mit dieser Band konfrontiert wurde, will ich das mal als kleines Versehen abhaken.

SINERGY 

 

Was danach folgte, war Heavy Metal in Reinkultur. Miss Kimberly Goss (oder Madame? Über den Familienstand bin ich leider nicht informiert...) peitschte ihre Mannen und das Publikum nach vorn, während sich ihre endlos lange Haarpracht in einer Art Dauerrotation zu befinden schien. Die Band schien tight wie die alten Rittersleut‘ - halt ohne Fehl und Tadel. Und Kims dynamische Ansagen gaben noch einen zusätzlichen Schub. Die Songs hämmerten eine ganze Ecke schärfer aus den Boxen als sie das vom Tonträger her taten. Auch schien mir etwas mehr Leben drin zu sein, da mir persönlich die Konserven Darbietung etwas zu lasch und eintönig vorkam. Oder SINERGY sind einfach nur bessere Live-Musiker als Tonstudio Techniker. Midtempo Stampfer wechselten sich ab mit an Speed Metal angelehnten Krachern. Dazu erschollen jede Menge Melodien in das Rund. Am auffälligsten waren die beiden Gitarristen. 

So manches beeindruckende Solo, eingebettet in die sehr gut dargebrachten Songs, wurde unters Volk geworfen. Dazu agierte die gesamte Combo so agil auf den Brettern, die den Metal bedeuten, dass kaum Langeweile aufkommen konnte. War mir SINERGY bislang noch etwas zu durchschnittlich, so kann ich ihre Live-Darbietung doch jedem wärmstens ans Herz bzw. Ohr legen, der mit traditioneller Heavy Metal-Mucke etwas anfangen kann.
NIGHTWISH Sängerin Tarja

Dass NIGHTWISH mindestens schon eine Liga höher spielen als ihre Support-Acts, war ja im vorhinein schon klar. Aber ob sie auch in der Lage sein würden, das alles live umzusetzen, das war die Frage. Lapidare Antwort: sie konnten! Ein monumentales Intro (aus ‘nem Filmsoundtrack, an dessen Name ich mich dummerweise immer noch nicht erinnern kann) versetzte die geneigte Zuhörer- bzw. seherschaft schon einmal in die richtige Grundstimmung, um mit einem bombastischen Set auch die letzten Zweifel zum Verstummen zu bringen. Der Sound stand wie eine Wand, und es dürfte wohl kaum jemanden gegeben haben, dem dieses Feuerwerk an akustischem Genuss nicht bis in die letzten Glieder gefahren ist. NIGHTWISH brachten eine gesunde Mischung aus ihren drei bisherigen Veröffentlichungen. Bisher gefiel mir "Oceanborn" noch immer am besten, doch live ergaben alle Songs eine Einheit. Glücklicherweise hielten sich die Einspiele vom Band in Grenzen (Orchester und Chöre auf die Bühne zu bringen ist halt nicht so einfach), denn der Tastenmann leistete ganze Arbeit.

Blickfang war natürlich Tarja mit ihrer charismatischen Darbietung, immer wieder die Fans lockend, sich dem Reigen ihrer Musik anzuschließen. Und über allem schwebte natürlich ihre göttliche Stimme (oder höllische Stimme - je nach Konfession...). Optisch angenehm überrascht war festzustellen, dass Tarja sich doch nicht als Pummelchen präsentierte, dessen Eindruck sie von den CD-Booklets her vermittelt. Männlein und Weiblein im Saale waren wie elektrisiert, so dass der Funke zwischen Band und Publikum hin und her zu springen schien - auf dass es nimmer ende. Doch nach ein paar Zugaben war dann doch Schluß.

Und zwei Fazite konnte zumindest ich zum Ausklang des Abends ziehen: Erstens macht der "neue" Hellraiser unheimlich was her (ich war allerdings auch im "alten" stets gern zu Gast), und zweitens: auch auf akustischer Ebene ist es möglich, im Beziehungs-Zweierlei eine für alle Seiten erfüllende Befriedigung zu erzielen.

Simon Wohmann

 

Alle Bilder stammen von den jeweiligen offiziellen Bandpages!

 


 

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