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NECROPHAGIST / MISERY INDEX / ORIGIN / DISKREET - Karlsruhe, Substage – 14.03.2007 |
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Relapse Records Contamination Touren mit namhaften Bands aus dem Labelstall gehören in den USA mittlerweile zum festen Bestandteil der dortigen Konzertlandschaft. Leider schaffte es bisher keine dieser großartig besetzten Touren über den großen Teich zu uns, doch immerhin durfte man im April unter dem Banner der "Carving Europe's Epitaph" Tour Zeuge gleich dreier großer Relapse Extreme Metal Bands auf einmal werden: NECROPHAGIST, MISERY INDEX und ORIGIN. Unterstützt von den Newcomern DISKREET machten die Prügelknaben an ihrem letzten Tourtag auch einen Abstecher ins badische Karlsruhe, um dort noch einmal die deutschen Fans in Grund und Boden zu blasten.
Die Kansas-Boys DISKREET hatten logischerweise die Position des Openers inne und waren, als wir so gegen 20.30 Uhr in der Substage eintrudelten, fast schon am Ende angelangt. Beim Bierholen bekam ich noch ein paar Sekunden ihres schnellen, recht technischen US-like Death Metals mit, der zwar nicht unbedingt durch Eigenständigkeit zu glänzen wusste, aber durchaus kompetent und souverän vorgetragen wurde und stilistisch hervorragend als Vorspiel für ORIGIN und NECROPHAGIST funktionierte. Viele Tempowechsel, Breaks und jede Menge Griffbrettwichsereien bestimmten das musikalische Bild, allerdings möchte ich mir ein abschließendes Urteil verkneifen, da ich mit eineinhalb Songs viel zu wenig mitbekommen habe, um die Amis zu be- oder verurteilen.
Mit
Sicherheit wurden ORIGIN von den meisten Anwesenden am sehnlichsten
erwartet. Waren die beiden ersten Alben unverdienterweise eher in der Masse der
Veröffentlichungen untergegangen, so kam mit dem famosen Drittwerk "Echos of
Decimation" der Aufstieg in die erste Liga der Relapse-Bands und in Verbindung
mit einem größeren Promoaufwand auch die internationale Anerkennung jenseits des
Death Metal Undergrounds.
Wie auch auf Platte zelebrierten ORIGIN ihren rasenden wie komplexen Death Metal mit höchster Präzision und versuchten durch schweißtreibendes Stageacting das Publikum zu begeistern und mitzureißen. Nahezu verwunderlich, wie perfekt die Saitenfraktion trotz Dauermoshen ihre Instrumente malträtierte. Dazu ein Drummer, der fast schon gelangweilt sein Set in höchster Geschwindigkeit runterblastete und nebenbei noch ein Schwätzchen mit dem mit dem Drumtech hielt, und sich auch nicht von Bierduschen aus der Ruhe bringen ließ.
Trotz alledem konnten ORIGIN ihre Durchschlagskraft nur bedingt entfalten. Wohl nicht nur ich empfand das Set nach spätestens drei Songs als recht eintönig, was allerdings weniger an der wenig variierten Geschwindigkeit der Songs lag, denn an dem Fakt, dass dank eines ziemlich unangenehmen Soundbreis man so gut wie nichts außer dem zugegebenermaßen beeindruckenden Schlagzeugspiel sauber heraushören konnte. Dies machte es nahezu unmöglich, die einzelnen Songs zu unterscheiden, was bei den wenig catchy Blastgranaten eigentlich schon schwer genug ist. Und so hörte sich ein Song wie der andere an, wie "MORTICIAN mit einem echten Drummer", wie ein Freund witzelte. Sehr schade, denn gerade das hervorragende Gitarrenspiel, das sowieso nur in kastrierter Form, dank nur einem anwesenden Gitarristen, dargeboten wurde, macht gerade das Besondere an ORIGINs High Speed Death Metal aus...
Bei
MISERY INDEX, übrigens meine Favoriten auf dieser Tour, war der Sound
dann schon wesentlich besser; immer noch roh, aber absolut passend! Und die Buben aus
Baltimore, Maryland zeigten mal wieder, weshalb sie zu den besten, großen Grindcore Bands überhaupt zählen! Zwar war mir die Songauswahl etwas zu sehr auf
das schwächer Zweitwerk "Discordia" konzentriert, doch diese Stücke entfalteten
live einiges mehr an brachialer Soundgewalt, als sie es auf dem Silberling
vermögen.
Zu meiner großen Freude präsentierte die gut aufgelegte, sympathische Band - Jason Netherton witzelte wie üblich breitgrinsend auf Deutsch und der arme Drummer Adam durfte diverse Bier- und Fruchtsaftduschen ertragen - einige der weniger metallischen Stücke aus der pre-"Discordia"-Phase, die wesentlich direkter, brutal-roher und rotziger in die Kauleiste donnerten. "My untold Apocalypse", "Manufacturing Greed" vom der genialen DebütMCD "Overthrow" wurden vom immer wilder abgehenden Publikum ebenso mit Moshpitgerödel abgefeiert wie die darauf folgenden Songs neuren Datums. Wenn ich mich nicht täusche, befand sich darunter mit "Hang 'em high" auch ein Song der aktuellen 7", auf der die vier Herren wieder deutlich roher und straighter zu Werke gehen.
Nach knapp vierzig Minuten beendeten MISERY INDEX mit dem grandiosen Abschlussdoppel "Blood on their Hands" und Pulling the Nails out", ebenfalls von der "Overthrow" EP, ihr schweißtreibendes, intensives Set mehr als würdig - vor allem für mich, da eben jene zwei Songs meine absoluten Lieblingsstücke dieser Hammerband sind! Wie sollten NECROPHAGIST da nur mithalten können?

Konnten sie auch nicht, zumindest meiner bescheidenen Meinung nach. Außer Frage steht zwar, dass NECROPHAGIST musikalisch absolute Perfektion abliefern, auch auf der Bühne, was allerdings kein Garant für eine mitreißende Show ist. So hielten sich die Pits in Grenzen, und dennoch war das Publikum in der Substage ganz auf der Seite der NECROS, die übrigens die einzige Band des Abends mit richtig fettem Sound waren. Gespannt und fasziniert beobachteten die viele Fans das brilliante Gitarrenspiel von Mastermind Muhammed, der höchst konzentriert seine Arbeit verrichtete. Ich dagegen konnte mir das eine oder andere Gähnen nicht verkneifen.
Wer NECROPHAGIST schon einmal gesehen hat, weiß, wie klinisch-perfekt und steril Songs wie "Stabwound", "The stillborn one" oder "Only ash remains" von der Band dargeboten werden. Brutale, punktgenaue Blastparts wechseln mit höchst melodischen, wieselflink gespielten Soli, man legt zwar Wert auf Abwechslung, doch wirken die Songs bei aller technischer Finesse oder vielleicht gerade deswegen zu konstruiert und kopflastig, können zwar durch ein ausgesprochen hohes musikalisches Niveau begeistern ohne dabei wirklich mitzureißen, popozutreten. Und genau hier liegt meiner Meinung nach das Versagen NECROPHAGISTs. Aus der Konserve ist das Gedudel durchaus erträglich, stimmungsabhängig auch durchaus gerne gehört, doch live kommt keine Energie und kein Charisma rüber. Man steht konzentriert auf der Bühne und stur, nahezu verbissen, fast emotionslos arbeitet man das Set runter. Punkt. Das war's. Unspektakulär.
Und zumindest mir wird bei so etwas recht schnell langweilig, zumal andere höchst technische Bands wie meinetwegen CANNIBAL CORPSE, CRYPTOPSY, HATE ETERNAL oder diverse Mathcore-Truppen wesentlich mitreißendere, wenn auch vielleicht nicht ganz so perfekt gespielte Shows abliefern können. Das ist zumindest meine Meinung, denn nicht gerade wenige waren vom Heimspiel Muhammeds schwer angetan.
Dass NECROPHAGIST die Bühne schon nach fünfundvierzig Minuten ohne Zugabe verließen, störte mich dann auch wenig, wobei ich fairerweise anmerken muss, dass man als Headliner den Fans durchaus mehr hätte bieten können, zum Beispiel in Form einer Zugabe...
Bericht, Layout: Lobi
Bilder: www.relapse.com
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