METALLIC NOISE FESTIVAL VII - Ludwigsburg, Rockfabrik – 16.12.2007


 

Da dieses Jahr kein passendes Open-Air Gelände gefunden werden konnte, sollte nun das Metallic Noise Festival also wieder Indoor stattfinden. Sonntags, Rockfabrik, frühe Anfangszeit: also nicht unebdingt die besten Voraussetzungen! Dank Headliner GRAVE stand für mich trotzdem außer Frage den Weg nach Ludwigsburg auf mich zu nehmen:

 

Leider fielen CREATURE der Anfahrt bzw. der Akkreditierung zum Opfer. Somit sollte also für mich das Festival mit NOT TONIGHT JOSEPHINE beginnen. Mein Gott, was für ein bescheuerter Name. Aber okay, lassen wir uns davon mal nicht beeindrucken und lauschen ganz unbeeinflusst der mir noch unbekannten jungen Band. Gitarrist mit Maggot Shoes Shirt (coole Grindband aus Nürnberg), man darf also gespannt sein. Das was jedoch dann aus den Boxen kam, war einfach nur uninspirierter, langweiliger, vollkommen austauschbarer New Metal mit leichten Metalcoreanleihen. Klar musikalisches Können (auf die Instrumente bezogen) und Engagement kann man den Jungs nicht komplett absprechen. Sänger Patty versuchte seine Darbietung möglichst „emotional“ herüberzubringen, doch leider wirkte dies auf mich eher etwas lächerlich, als wirklich ergreifend. Unterm Strich bleibt für mich eine weiter unnötige Band im seichten Fahrwasser der New Wave of Gähn. Die restlichen geschätzen 50 Anwesenden sahen das auf Grund der Reaktion wohl ähnlich. Sorry Jungs!

 

 

Nach diesem für mich eher schlechten Einstieg in den Festival Tag sollte es mit den Würzburgern RUNAMOK also weitergehen. Und die Jungs gaben von Anfang an Gas und hatten deutlich mehr Feuer unterm Hintern und Spass in den Backen als ihre Vorgänger. Hatte ich sie vom letzten Auftritt (der nun auch schon über 2 Jahre herliegt) noch recht mäßig in Erinnerung, konnten sie mich am heutigen Tag deutlich mehr beeindrucken! Mit ihrem Pantera-Metal konnten sie jedoch nicht nur mich begeistern, sondern ein paar Anwesende ließen es sich nicht nehmen einen Schritt nach vorne zu treten und das ein oder andere doch stärkere Kopfnicken konnte gesichtet werden. Gitarrist Fabian Schwarz zog eine Grimasse nach der anderen und auch den anderen Jungs merkte man an, dass sie Spass an der Sache hatten. Trotzdem blieb unterm Strich die verdiente Publikumsreaktion aus. Klar wirklich originell ist diese Gruppe auch nicht, aber sie wissen wie man griffige/livetaugliche Songs schreibt und verstehen es diese überzeugend rüber zu bringen! Vor allem der neue Song wusste mit seinem eingängigen Chorus zu überzeugen - weiter so!

 

 

Wer darf auf dem Metallic Noise Festival nicht fehlen? Richtig, KARKADAN! So bestiegen als nächste Band die Local-Heroes um Robby Bayer die Bretter, die die Welt bedeuten. Und so füllte sich der Platz vor der Bühne um einiges mehr als bei den vorherigen Acts! Trotzdem gab es zu Anfangs noch etwas verhaltene Reaktionen vom eher schüchternen Publikum, aber mit jedem Song konnten die Jungs mehr und mehr Leute zum mitmachen bewegen und sich den verdienten Applaus abholen. Wie immer hatte Fronthüne Robby die Menge im Griff und über die technischen Qualitäten der Mitmusiker gibt es sowieso keinen Zweifel. Neben Songs von den zwei Full Length Alben, gab es in Form von Racing The Clock auch neues Ohrenfutter  (kann man sich übrigends kostenlos auf www.karkadan.de herunterladen!!). Zum Abschluss gab es dann wieder einmal das obligatorische Symphony of Destruction. Und spätestens hier gab es für die meisten kein Halten mehr. Sehr überzeugender Aufritt – Support them!! 

 

 

Nun war es vorbei, mit technisch anspruchsvollen und melodischen Klängen. Hier reichen auch 5-saitige Gitarren und 3-saitige Bässe aus. Die nächste Band hieß nämlich TOTENMOND. Völlig in Dunkelheit und Nebel getaucht begannen die Schwaben ihr Set, und naja was soll man erwarten? Alles was aus den Boxen vernehmen konnte, war ein einziges Rauschen und Gerumpel. Grauenvoll. Ich find die Jungs mit ihrem Doom/Punk/Death/Was auch immer- Mix schon auf CD nicht gut, aber live geht das meiner Meinung nach absolut Null!! Ohne viele Worte, aber dafür mit Wodka für die Fans pflügten sich die Jungs durch ihr Set und wurden dafür von einigen gefeiert, von den meisten ernteten sie jedoch eher Kopfschütteln. Entweder man hasst sie oder man liebt sie, auf mich trifft wohl eher ersteres zu!! Ich nutzte die Zeit lieber um mir etwas Essbares zu organisieren.

 

 

Ja ist denn heut scho Fasching?? Nein – es sind nur GODDESS OF DESIRE! Wie immer wurde nun die Klischee-Kiste aufgemacht und die Bühne mit allerhand Totenschädel und Fackeln dekoriert, die Jungs schmissen sich in Leggins und hängten sich ein paar Fuchs-Schwänze um, etwas Schminke dazu und dann kann's auch schon losgehen. Manta-Metal deluxe!! Musikalisch? Überflüssig! Unterhaltsam? Allemal! Mit ihrem Heavy Metal können die Holländer wohl nie einen Blumentopf gewinnen, doch dies machen sie komplett durch ihre Show wieder wett. Selten gibt es Bands mit so viel Spielfreude und so etwas springt automatisch auch aufs Publikum über. Und wieder einmal wurden auch die Lustmolche in Form einer (mehr oder weniger) heißen Lack und Leder Braut, die Feuerspuckte, sich mit Bier übergoss bzw. ausschenkte und an ihren Geschlechtsteilen spielte. Naja, wenn's denn sein muss, aber das gehört nunmal dazu, Ha! Das einzige musikalisch Erwähnenswerte bleibt wohl das coole Motörhead Cover. Auf CD absolut langweilig, live (zumindest in begrenztem Maße) witzig! 

 

 

Nach den etwas seichteren Tönen bei GODDESS OF DESIRE, sollte es nun wieder die volle Breitseite geben. Deutschlands Thrash Metal Bollwerk DEW-SCENTED enterten die Bühne. Und diese Band macht nicht nur auf Platte eine richtig gute Figur, sondern kann auch live voll und ganz überzeugen. Extrem sympathisch wurde den Anwesenden neben Songs vom aktuellen Brecher „Incinerate“, auch etliche ältere Songs um die Ohren gehauen, wobei der Höhepunkt für mich wieder einmal das obligatorische Soul Poison war. Und das obwohl Sänger Leif mit gewaltigen Stimmproblemen zu kämpfen hatte. Während den Ansagen merkte man ihm doch deutlich an, dass er angeschlagen war, und trotzdem schaffte er es mit heißerer Stimme das Publikum zu Höchstleistungen zu motivieren und während der Songs merkte man sowieso kaum etwas davon. Hut ab! So war es auch keine Überraschung, dass das Quintett mit fliegenden Haaren und einer Menge Applaus belohnt wurde – KILLER!

 

   

 

Im Vorfeld für mich absolut unverständlich, was diese Band auf dem Billing zu suchen hatte – EKTOMORF. Ich war eigentlich auch davon überzeugt, dass Ektomorf einen sehr schweren Stand haben werden und bei den meisten Besucher wohl eher auf Ablehnung stoßen würden. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Die Ungarn konnten eine ganze Fan Meute anziehen und so füllte sich der Platz vor der Bühne deutlich mit Ektomorf Fans bzw. wurde bereits lange vor dem Auftritt die „erste“ Reihe von einigen weiblichen Fans in Beschlag genommen. Und das obwohl die Band erst kurz zuvor auf ihrer Tour im nicht allzufernen Esslingen Halt machte. Aber nun gut, kommen wir zur Musik. Ich kann leider absolut NULL mit dem „Tribal“-Metal der Ungarn anfangen. Er kann mich weder mitreißen, noch auch nur zu einem kleinen Kopfnicken zu bewegen. Durch die mittlerweile stattliche Anzahl an absolvierten Auftritten hat die Band einiges an Routine gewonnen, ohne jedoch den Spass zu verlieren. So wurde das Konzert von Anfang an zum Heimspiel und die Band hatte keinerlei Probleme das Publikum in ihren Bann zu ziehen bzw. der weibliche Anteil in der ersten Reihe klebte sowieso an Zoltáns Lippen. Also objektiv muss man eine gute Show attestieren, den die Fans mit viel Applaus und Hüpf – Einlagen honorierten. Ich suchte jedoch nach einigen Songs das Weite und widmete mich dem überteuerten Gerstensaft.

 

 

Nun kam endlich der von mir langerwartet Headliner. Sverige Döds Metal made by GRAVE!! Leider sahen das wohl viele anderen nicht so, und so leerte sich die Rofa sichtbar.  Nichtsdestotrotz sollte eine Lehrstunde in Sachen Death Metal folgen: Kann man einen Auftritt eigentlich geiler beginnen als mit „Christi(ns)anity“ und danach sofort„You’ll Never See“??? Der Marschroute für den restlichen Verlauf war also festgelegt. Auch ansonsten orientierte man sich weiter an der Party-San Setlist, das heißt es gab Songs der ersten 3 Alben satt. Es gaben sich Hits wie Bullets Are Mine, And Here I Die, Into The Grave, For Your God die Klinke in die Hand. Höhepunkt bleibt jedoch natürlich das einzigartige SOULLESS!!! Göttlich! Die verbliebenen Anwesenden huldigten dem Schweden Vierer auch dementsprechend. Trotzdem merkte man anfangs, allen voran Ola an, dass sie aufgrund der niedrigen Besucherzahl etwas enttäuscht waren, was sich wiederum auf die Motivation niederschlug. Nach und nach freundeten sie sich wohl mit der Situation an und hatten schlussendlich auch ihren Spass auf der Bühne. Hell Yeah, ganz großes Kino!! Ein dickes HAHA in Richtung derer, die vor Grave gegangen waren, denn damit haben sie einen wieder einmal genialen Auftritt, mit grandioser Setlist verpasst!! Mehr als gelungener Abschluss.

 

grobe Setlist:

(leider sind mir ein paar Songs entfallen, wobei da wohl auch Gevatter Alkohol sein Teil dazu beigetragen hatte, Ha!)

Christi(ns)anity
You'll Never See...
Deformed
Rise
Soulles
Unholy Terror
Bullets Are Mine
And Here I Die
Into The Grave
For Your God
     

 

 

Fazit:

 

Nach einem miserablen Vorverkauf sind die Veranstalter im Endeffekt wohl nochmals mit einem blauen Auge davon gekommen, da schlussendlich wohl ca. 300 Gäste den Weg in die Rofa gefunden hatten. Trotzdem bleibt für mich ein fader Beigeschmack: völlige überzogene Bierpreise (auch wenn hierfür die Veranstalter nichts können), ein zweifelhafter Bandmix, der wohl auch einige Zuschauer gekostet haben dürfte. Zudem ist ein Sonntag nicht gerade glücklich gewählt, wenn man bedenkt, dass wohl die meisten Montags wieder zur Arbeit mussten… Also für nächstes Jahr bitte andere Location, anderer Termin oder doch gleich wieder als Open-Air zurückkehren.

 

Bericht + Photos: Markus

Layout: Hage

 

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