METALFEST 2007 - Ludwigsburg, Rockfabrik – 09.12.2007


feat.

SIX FEET UNDER

NILE

FINNTROLL

BELPHEGOR

LEGIO MORTIS

 

Voll war es am 9. Dezember in der RoFa – und das bei diesen Ticketpreisen! 29 Tacken an der Abendkasse ist nun wirklich kein Schnäppchen, andererseits: Das Billing konnte sich sehen lassen.

 

Der Local-Opener-Slot war durch ein Auswahlverfahren besetzt worden, dass offensichtlich die Würzburger (not very local!) LEGIO MORTIS für sich entscheiden konnten. Hier wurde merkwürdig-langatmiger Death-Thrash mit leichtem Melo-Black-Touch geboten. Das riss nun wirklich nix und war textlich derart peinlich, dass die Vermutung nahe lag es bei der Local-Opener-Auschschreibung mit einem Brauereien-Komplott zu tun zu haben. Frei nach dem Motto: Wie treibe ich die Leute an die Bierstände? Nuja, war auszuhalten aber da gibt es im Großraum Stuttgart wesentlich bessere Bands!

 

Als nächstes waren die österreichischen Blasphemie-Profis von BELPHEGOR an der Reihe und wurden bereits mit frenetischem Jubel begrüßt. Kein Wunder, haben die Jungs sich doch durch fast durchweg großartige Alben einen soliden Fankreis aufgebaut. Auch live sind Helmuth und Co. an sich eine Bank – aber nicht heute! Sicher, di Band war spielgeil, die Setlist (So gut wie alle Alben wurden abgedeckt) stimmte aber der Sound?! Ja, ich gebe es zu: Ich mag keine Triggereien und besonders nicht wenn die Bassdrum dann volle Pulle nach Loveparade klingt und derartig laut ist, dass man von Gitarren und Gesang kaum noch etwas hört!!! Das pendelte sich gegen Ende zwar etwas ein aber war dennoch ultranervig. Dennoch wurden BELPHEGOR abgefeiert ohne Ende. Klasse Band, mieser Sound!

Höhepunkt des Gigs war dennoch Helmuths österreichische Schimpfattacke: Der Fronter machte alle Ansagen auf Englisch um seinem sicherlich etwas untruen Öschi-Slang aus dem Weg zu gehen. Wenn da nicht der widerporstige Mikrophonständer gewesen wäre! Das Ergebnis war dann: „We are BEPLHEGOR... Flesh for the dev... Himmelherrgotskruzifixnommal!” Brutal laugh assault from hell!

 

Mit der Frage, was zum Baumstumpf FINNTROLL auf dem Billing verloren hatten war ich nicht alleine. Passte nicht ganz und die meisten anwesenden Leute im FINNTROLL-Shirt wirkten doch etwas deplaziert zumindest waren ihre Gesichter während BELPHEGOR seeeeehr sehenswert. Wieder einmal ein Beweis, dass FINNTROLL Pop sind. Der Gig? Naja, FINNTROLL eben. Hüpf, Troll, Humppa, Täterrää, Trollhammaren und so weiter. Schon cool wie meistens aber an diesem Abend einfach vollkommen deplaziert. Das Publikum feierte die Waldschrate aber ab ohne Ende – auch viele Leute ohne FINNTROLL-Shirt.

 

NILE hatte ich zuvor noch nie live erlebt und dementsprechend groß war die Vorfreude. Um es auf den Punkt zu bringen: Was die Ägyptologen-Knüppler um Guttural-Pharao Karl Sanders an diesem Abend ablieferten war einfach nur ABSOLUT GOTT UND DER VOLLE OBERWAHNSINN!!! Bereits der Opener „The Blessed Dead“ machte unmissverständlich klar, dass hier und heute keine Gefangenen gemacht werden sollten. NILE gaben dermaßen Vollgas, dass alles zu spät war: Freundlich (Dallas Toler Wade entpuppte sich talentierter Moderator), spielgeil und immer im Kontakt mit dem Publikum prügelte das Quartett technisch perfekt und leidenschaftlich brutal seine einfach nur abartig geniale Musik ins Publikum – und das Ganze mit einem glasklaren Sound! Auch die Songs vom neuen Album wie „Eat Of The Dead“ oder dem Zungenbrecher „Papyrus Containing the Spell to Preserve Its Possessor Against Attacks From He Who Is in the Water” kamen perfekt rüber – und das, obwohl die Band auf Samples verzichtete. Mit „Sacrifice Unto Sebek“ und dem Rausschmeißer „Annihilation Of The Wicked” (was für ein höllengeiles Gitarrenduell!) sollten nur noch zwei Highlight genannt werden. Die ganze Zeit war men hin- und hergerissen zwischen wilden Bang-Attacken und entrückter Fassungslosigkeit ob dieser Perfektion. Allein Drumses George „Man, ist der schnell!“ Kollias war hinter seinem monströsen Kit schon eine Attraktion für sich. Muss an der guten griechischen Küche liegen...

Nach BOLT THROWER auf dem Summer Breeze mein diesjähriger zweiter Platz im Live-Kalender! Ein denkwürdiger Gig und definitiv einer der besten, die ich bisher erleben durfte. NILE - blast like an Egyptian!

 

Nach dieser Vorstellung war eigentlich alles gesagt und so verkamen die Headliner SIX FEET UNDER für viele Leute schnell zu Nebensache. Allerdings waren die Groove-Monster ziemlich gut in Form und zogen mit dem Opener „Victim Of The Paranoid“ gleich alle Register – von ein bis zwei Spielfehlern mal abgesehen. Grunz-Greis Chris Barnes wirkte sehr energetisch und man hatte fast den Eindruck als hätte er Spaß, zumal er einmal sogar im Publikum verschwand. Die Seltlist stimmte, die Band war voll bei der Sache und der Sound war auch in Ordnung. Rhythmisch fährt einem die Mucke zwar schon ziemlich in den Nacken, wird aber schnell eintönig und naja... nach NILE hätte an diesem Abend wohl fast alles langatmig gewirkt.

 

Bericht: Bommi

Layout: Hage

 

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