M'era Luna Festival 2000


M'era Luna Festival 2000

 

Laßt euch im Folgenden von DEM Festivalhighlight des Jahres berichten, das trotz seiner eindeutigen Gruftie-Ausrichtung Fans aus allen möglichen Sparten anlockte, und alle feierten eine einzige friedliche und lässige Party, wie ich es seit dem DYNAMO 1993 nicht mehr erlebt habe. Coole Ordner, erstklassige Sanitäranlagen, Duschen und Verpflegungsstände, superber Campingplatz und nicht zuletzt die Crème-de-la-crème der angedunkelten Zunft. Hildesheim erlebte einen rapiden Bevölkerungsanstieg um die 20000 für ein Wochenende, das wohl keiner der Beteiligten so schnell wieder vergessen wird...

 

Samstag, 12.08.00  

UNKNOWN

Einen recht schweren Stand hatten die Berliner Newcomer von UNKNOWN auf der für sie übermächtig erscheinenden Main-Stage. Lediglich knapp 200 Leutchen verloren sich bei bereits unglaublicher Hitze auf dem Areal, ließen sich allerdings von dem Quartett mit ihrem Gothic-Elektro-Metal sehr schnell auf ihre Seite ziehen, denn schwach sind die Songs von der starken Demo-CD (!) des letzten Jahres beileibe nicht! So kann man die lediglich 20 Minuten, die die Jungs zur Verfügung hatten doch durchaus als Erfolg bezeichnen! (Hage)

ZEROMANCER

Dann hieß es für mich, direkt in den direkt nebenan gelegenen Hangar zu sprinten, um der Nachfolgeband der göttlichen SEIGMEN bei deren Deutschlandpremiere meine Audienz zu erweisen! Das Debüt der Norweger um Mastermind Kim Ljung wußte ja schon sehr zu überzeugen, und so hoffte ich auf eine adäquate Live-Umsetzung, mit eventuell dem ein oder anderen SEIGMEN-Song! Doch darauf wartete ich leider vergeblich, und so konzentrierten sich die Burschen auf die Erstlingssongs und starteten mit "Flirt (with me)" und dem Titelsong "Clone your Lover" auch sehr furios, wobei vor allem beim Titeltrack die wunderbare Atmosphäre im Hangar zum Zuge kam, da es stets eine Freude war, den schwarzen Seelen lauschen, wenn sie ihren Emotionen freien Lauf ließen! Musikalisch und auch showtechnisch war der halbstündige Auftritt absolut stark, lediglich der Gesang von Frontmann Alex Møklebust der auf allen Scheiben stets genial zu bezeichnen war, schwächelte doch leider recht stark, und so hörte sich seine Vocals auch nur wie eine leicht härtere Version des dünnen PLACEBO-Gesangs an, was aber die positive Bilanz nicht wirklich beeinträchtigen konnte! (Hage)

TANZWUT

Äußerst überrascht war ich vom Auftritt des CORVUS CORAX-Ablegers TANZWUT. Das Debüt der Band um Sänger Teufel war mir doch eindeutig zu RAMMSTEIN-lastig, und den Nachfolger "Labyrinth der Sinne" habe ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht gekannt! Doch die Spielfreude Jungs bei grellem Sonnenschein war schier unermüdlich! So konnten sich vor allem die 4 (!!!) Dudelsäcke perfekt mit den harten Gitarren ergänzen, und für Stücke wie "Tanzwut", "Lügner" oder das ÄRZTE-Cover "Bitte Bitte" (!) erstaunlich überschwengliche Reaktionen seitens des Publikums ergattern! Doch das absolute Highlight stand noch aus. Die superbe Umsetzung der 5ten Sinfonie LUDWIG VAN BEETHOVEN´s ("Freude schöner Götterfunken...") mit Zitaten aus GOETHE´s "Faust" war derart überwältigend, daß die schwitzende Menge lauthals mitgesungen hat! Einer der vielen beeindruckenden Momente dieses Festivals! (Hage)

FAITH AND THE MUSE

Diese amerikanische Dark-Romatic-Wave-wie-auch-immer-Formation aus den USA hat es halt besonders schwer, wenn sie dazu gezwungen ist im Sonnenlicht zu spielen. Doch dank der Ausstrahlung William Faiths und seiner Muse war es dennoch ein sehenswerter Auftritt, bei dem aber eher auf Nummer Sicher gegangen wurde, indem hauptsächlich Klassiker wie "Sparks" oder "The Unquiet Grave" gespielt wurden. Einen Vorgeschmack auf die folgende Akustiktour (lohnt sich, so waren sie bereits vor drei Jahren unterwegs!) gab es mit zwei rein perkussiv vorgetragenen Stücken. (Thomy)

Hierzu muß ich noch anmerken, dass ich mich richtig darauf gefreut habe die Amis einmal in der Bandkonstellation zu sehen, nachdem mich die bereits die vor 3 Jahren durchgezogene Akustik-Tour restlos begeistert hatte! Doch besonders der Gesang von Monica Richards war an diesem Tag einfach unerträglich und konnte mich absolut null überzeugen! Daher freute mich natürlich die News, dass erneut eine Akustik-Tour folgen soll, denn so gefallt ihr mir deutlich besser, Mr.Faith! (Hage)

L`AME IMMORTELLE

Daß ich die österreichischen Senkrechtstarter bereits seit ihrem Debüt "Lieder die wie Wunden bluten" unterstützt habe, könnt ihr gerne in unseren vorangegangenen Print-Ausgaben nachlesen (mit Interview in Nr.3). Daher war ich sehr erfreut die Romantic-EBM-ler erneut livehaftig sehen konnte! Doch das war gar nicht so einfach, denn der Hangar schien aus allen Nähten zu platzen und ohrenscheinlich nur auf die Hits "Bitterkeit" und die Göttergabe "Life will never be the same again" zu warten, welche dann auch unglaublich frenetisch bejubelt wurden! Ansonsten fand ich die Performance nicht sonderlich außergewöhnlich, und der Set kam völlig ohne jegliche Überraschungen aus! Aber bei derart starken Songs muß auch wirklich nicht immer etwas besonderes passieren! (Hage)

THE MISSION

"Do you remember these Names: Wayne Hussey - Craig Adams?" Diese Frage hätte sich der gute Herr Hussey auch sparen können. THE MISSION sind definitiv wieder zurück und mit ihnen auch die treue Anhängerschaft. Die Pause hat den alten Helden richtig gut getan, sie sprühten vor Energie und Spielfreude. Ein großes Risiko sind sie zwar nicht eingegangen, da sie hauptsächlich ihre Klassiker ("Severina", "Wasteland", usw.) zum Besten gaben, aber das war schließlich genau das worauf das Volk so lange hatte verzichten müssen, und dies sang dann auch bei "Deliverance" – wie sich das schon immer gehört hat – kräftig mit. Ein neues Stück konnte die Hoffnung auf mehr wecken, da dies endlich wieder so geklungen hat wie THE MISSION eben zu klingen haben und nicht so wie das letzte Mega-Ausrutscher-Album "Blue", das mittlerweile nicht einmal mehr in den Diskographien der Kapelle erscheint.

Sehr amüsant waren die unvermeidlichen Seitenhiebe auf Wayne´s guten alten Lieblingsfeind, der an diesem Tag als Headliner anstehen sollte: "There are two real Popstars at this Festival. One was the guy before (Marc Almond), and the other one I guess you know." Was Humor und Publikumsnähe angeht war Herr Hussey dem Herrn Eldritch schon immer haushoch überlegen und auch von der musikalischen Darbietung her sollte es an diesem Tage nicht anders sein. (Thomy)

Ich möchte zu diesem wundervoll mitreißenden Auftritt der Goth-Rock-Legende um ex-SISTER Wayne Hussey eigentlich nur anmerken, daß ich die beiden besten MISSION-Songs ("Heaven sends you" und "Sweet Smile of a Mystery") sehr vermißt habe, wobei sie aufgrund ihrer ruhigen Ausrichtung wohl doch zu low rübergekommen wären! Ansonsten absolut göttlicher Auftritt! (Hage)

HAGGARD

Wären nicht FIELDS noch am nächsten Tag an der Reihe gewesen, so müsste ich den Münchener Symphonic-Klassik-Deathern HAGGARD zugestehen, die beeindruckendsten Reaktionen des gesamten Festivals erzeugt zu haben! Metaller tanzten Barock, Waver bangten was das Zeug hielt, und alle im zwar nicht randvollen, aber sehr gut bevölkerten Hangar konnten sich der einzigartigen Magie, die das vollbesetzte Ensemble (16 Leutchen) erzeugte, kaum entziehen! Mir fehlen die Worte, um dieses Erlebnis zu beschreiben, und ich habe Mitleid mit jedem, der dieses überwältigende Konzert nicht miterleben konnten! (Hage)

AND ONE

Does Humor belong to a Gruftie-Festival?

Hm – Viele haben da so ihre Schwierigkeiten mit AND ONE (Nö, mit AND ONE nicht, sondern nur mit ihrem viel zu wechselhaften Stilmischmasch! – Hage). Vor allem dass sie vom EBM der früheren Tage immer mehr in seichtere Gefilde des Synthie-Pops abrutschen oder aufsteigen, je nachdem wie man das gerne hat. Live bieten sie jedenfalls eine Menge Unterhaltung. Dazu trägt vor allem bei, dass es Joke Jay (mit Texaner-Hut) kaum mehr hinter seinen Synthies hält, sondern dass er sich neben Steve Naghavi immer mehr zum zweiten Frontmann mausert. Das Programm war eine gelungene Mischung aus alt ("Metallhammer", "Für", "Deutschmaschine") und aktuell. Vermisst wurde vom Publikum natürlich Annelie Bertilson, der schwedische Exportartikel (sonst CAT RAPES DOG), der sich auf dem Album "Virgin Superstar" prima eingefügt hatte, und natürlich der "Pimmelmann", aber vielleicht ist der ja inzwischen auch zu ausgelutscht.

Fazit: Jede Menge Spaß für Band und Publikum. (Thomy)

ANATHEMA

Nach HAGGARD hieß es für mich und einen Kumpel, sich zu sputen, den wir mußten unbedingt zurück zum Zeltplatz um Biernachschub zu holen (konnte man in 1,5l-Plastikflaschen hereinschmuggeln, ohne Alk war´s nämlich erlaubt!!!)! So verpaßten wir den Auftakt der einzigartigen Briten um die Cavanagh-Brüder...äh Moment mal...Brüder...o war denn um Himmels Willen Hauptsongwriter und Gitarrist Danny???

Nur in einer spärlichen Viererbesetzung bestritten die Jungs um den supercharistmatischen Vincent Cavanagh trotzdem erneut einen elektrisierenden Auftritt, bei dem man den Jungs anmerken konnten, daß sie bei weitem nicht mit solch sensationellen emotionalen Resonanzen gerechnet hatten, und so konnten sie sich das ein oder andere verlegen Wirkende grinsende Kopfschütteln nicht verkneifen! Von den Songs her lag das Hauptaugenmerk auf dem immer noch aktuellen "Judgement", wobei natürlich auch die Hits wie "Sleepless", "Fragile Dreams" oder das traditionell abschließende "Silent Enigma"-Highlight "A Dying Wish" nicht vergessen wurden! Nach einer Zugabe (ein mir leider nicht bekannter Coversong, eventuell von RADIOHEAD) war dann aber doch nach etwas weniger als einer Stunde Schluß, leider, denn von mir aus könnten die Jungs immer gerne 2-3 Stunden spielen! (Hage)

H.I.M.

In der Pause zwischen ANATHEMA und TIAMAT begaben wir uns für letztlich doch recht kurze Zeit in die Nähe der Hauptbühne, um uns von Ville Vallo und seinen finnischen Chartstürmern ein paar liebliche Songs um die Ohren hauen zu lassen. Daß mir H.I.M. auf ihrer ersten Deutschland-Tour vor zwei Jahren durch die ganz kleinen Clubs live noch supergut gefallen hatten, konnte ich mir anhand dieser Vorstellung nicht mehr wirklich erklären! Allzu inspirations- und vor allem emotionslos wurde der Set heruntergezockt! Ich bin mir wahrlich nicht sicher ob die Burschen selbst damit so zufrieden sind, daß sie derart durchgestartet sind! Die Songs wurden freilich astrein vorgetragen, was den großen Unterschied zu den von der Atmosphäre her ähnlich schlappen SISTERS-Gig darstellte! Laßt euch bitte nicht auf diesem Level zur Ruhe! (Hage)

TIAMAT

Als sehr ärgerlich stellte sich im Nachhinein die krasse Überschneidung der Gigs von TIAMAT und den SISTERS heraus, denn wenn ich gewußt hätte, wie übel der Auftritt von Rockstar Andrew Eldrich wird, wäre ich ganz sicher bis zum Ende bei den Schweden um Johann Edlund geblieben, die einen superben, endlich wieder begeisternden und vor allem sehr lässig relaxten Gig hinlegten, der sich hinter den Shows von den vorangegangenen HAGGARD und ANATHEMA kaum verstecken musste! Ich konnte selbst mit den auf Platte doch etwas flachen Songs von "Skelleton..." sehr viel anfangen, und so fügten diese sich perfekt zu den Highlights von "Wildhoney" und "A Deeper Kind of Slumber", und der Party war keine Grenze gesetzt! Mit welchen Klassikern der Set letztlich beendet wurde kann ich leider nicht mehr sagen, dann nun DIE Enttäuschung des Jahres folgte! (Hage)

THE SISTERS OF MERCY

 

Manchmal fragt man sich, ob man wirklich ein Arschloch sein muss, um so eine große und nach den ganzen Jahren der Enttäuschungen immer noch treue Fangemeinde zu haben. Wieder mal bezeichnend war das seine Durchlaucht Andrew es untersagt hatte, den SISTERS-Schriftzug auf das Festival-Shirt zu drucken. Wenn er dann wenigstens etwas zu bieten hätte, könnte man ja noch Verständnis für solche Allüren haben.

Eines muss man den SISTERS zu gute halten. Es war durchaus mutig so viele neue Songs zu spielen. Doch so sicher war sich Andrew dabei wohl selber nicht, indem er sich einreden musste, dass es dem Volke gefällt ("Macht Spaß, ne?!"). Es gibt inzwischen zahlreiche Bands, die klingen wie ihre einst so großen Vorbilder und die können das meist besser als das Original heutzutage. Die neuen Songs waren alle eher im "Vision Thing"-Stil gehalten, aber wahrlich nicht weltbewegend.

Aber noch enttäuschender war die Darbietung der wenigen Klassiker. Diese waren nahezu ausschließlich von der "Floodland" klangen allerdings eher nach einer drittklassigen Cover-Band, als nach den waren SISTERS. Dass man rein gar nichts von der "First and last and always" zu hören bekam, wird wohl an der Anwesenheit von Wayne Hussey gelegen haben. Es wäre dann wohl zu offensichtlich gewesen, dass der Kopf von THE MISSION für einen Großteil der besten Songs der SISTERS verantwortlich ist. Sollte er tatsächlich noch anwesend gewesen sein, wird er bei der am Ende noch kläglich dargebotenen Version von "Temple of Love" wahrscheinlich sogar Mitleid empfunden haben. Schade drum! (Thomy)

 

 

Sonntag


 

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