LOREENA MCKENNITT

27. März 2007 - Düsseldorf, Philipshalle


 

 

Die Tatsache, dass das Konzert in der Düsseldorfer Philipshalle stattfinden sollte trübte die Vorfreude etwas. Die Halle ist bekannt für ihre schlechte Akustik und "schön" ist sie wahrscheinlich erst nach zu viel Altbier. Aber Loreena McKennitt hatte geladen, und da lässt man sich nicht zweimal bitten. Das Album "An Ancient Muse" ist die erste Veröffentlichung der Musikerin seit neun Jahren. Dementsprechend gefüllt ist die Philipshalle. Der Blick auf die Bühne entschuldigte die restliche Optik des Veranstaltungsortes. In blaues Licht getaucht, mit orientalischen Ornamenten und Lampen geschmückt, vermittelte sie trotz angeschaltetem Hallenlicht schon etwas Gemütliches. Als das Licht erlischt, ist klar, wo man sich befindet: Im Inneren des Zeltes, das auf dem Cover von "An Ancient Muse" zu sehen ist.

 

Als das Konzert beginnt, wird der Zuschauer immer tiefer in das Zelt hineingezogen. Das Licht wechselt in ein warmes rot und vermittelt das Gefühl eines Lagerfeuers. Die Akteure auf der Bühne sind nicht mehr nur Musiker, sondern wandernde Geschichtenerzähler, die von phantastischen Welten und längst vergessenen Zeiten berichten (von einem schlechten Sound ist weit und breit nichts zu hören). Im Mittelpunkt steht dabei natürlich Loreena McKennitt, die mit ihrer mal unglaublich weichen und dann wieder kräftigen Stimme alle verzaubert, die im Zelt Platz genommen haben. Mal verträumt an der Harfe, mal energisch am Flügel oder wie ein Derwisch am Akkordeon über die Bühne wirbelnd...Loreena McKennitt hat nicht nur stimmlich verschiedene Gesichter.

Bereits das erste Set ist gespickt mit Klassikern wie "Marco Polo" oder "The Highwayman", vermischt mit Songs des neuen Albums. Der Applaus zwischen den Songs kann oft nur unterbrochen werden, indem die Band einfach wieder anfängt zu spielen. Spätestens beim Überhit "The Bonny Swans" hält es einige Besucher nicht mehr auf den Sitzen und in den Gängen wird getanzt. Die Hallen-Security (die einzigen Menschen, die an diesem Abend unentspannt bleiben) findet das allerdings weniger lustig und verweist die Tänzer hastig auf ihre Plätze. Die Stimmung der Songs wird durch die Beleuchtung perfekt unterstützt. Zwischendurch werden immer nur die Musiker beleuchtet, die gerade spielen. Dadurch sitzt auch Loreena ab und zu im Dunkeln, um ihren Musikerkollegen den Vortritt zu lassen. Trotzdem weiß man nie, wo auf der Bühne man jetzt hingucken soll, da es so viel zu entdecken gibt und man jedem einzelnen Musiker die Spielfreude ansieht.

 

Plötzlich ist das erste Set vorbei und der Zuschauer wird jäh aus einem wunderschönen Traum gerissen und befindet sich wieder in der hässlichen Philipshalle. Doch zum Glück dauert die Pause nur ca. 15 Minuten, dann geht die Reise weiter.

 

Auch im zweiten Set mischen sich alte und neue Songs fast unmerklich miteinander. "An Ancient Muse" ist zwar deutlich orientalischer angehaucht, als die anderen Alben, doch in die Live-Sets passen sich die neuen Songs perfekt ein. Das dürfte unter anderem an den hervorragenden Musikern liegen, die Loreena aus aller Welt um sich geschart hat und die alte wie neue Songs in eine neues Gewand kleiden. Allen voran Drummer Tal Bergman, der artig die Pommesgabel zeigt und wirkt, als sei er in irgendeinem skandinavischen Wald von Baum gepflückt worden.

An Stellen, an denen der Applaus es zulässt, erzählt Loreena kleine Geschichten zu den Songs und ihrer Entstehungsgeschichte. Immer wieder bedankt sie sich beim Publikum...oder entschuldigt sich bei denen, die sie durch die Harfe nicht sehen kann. Nach "Never-Ending Road (Amrhán Duit)" ist auch das zweite Set beendet und Loreena und ihre Musiker verlassen den Saal. Aber das Publikum holt die Band mit stehenden Ovationen auf die Bühne zurück. Doch nach zwei Zugaben, bei denen einige Zuschauer auf dem Boden vor der Bühne sitzen ist endgültig Schluss und das grelle Hallenlicht beendet wieder die wunderbare Reise.

 

Setlist 1:

* She moved through the Fear

* The Gates of Istanbul

* The Mummer's Dance

* Penelope's Song

* Marco Polo

* The Highwayman

* Dante's Prayer

* The Bonny Swans

* Caravanserei

 

Setlist 2:
* The Mystic's Dream

* Santiago

* Bonny Portmore

* Beneath a Phrygian Sky

* Kecharitomene

* The Lady of Shalott

* The Old Ways

* Never-ending Road (Amhrán Duit)

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+ 2 Zugaben

Besetzung:
Loreena McKennitt
(Vocals Accordion, Harp, Piano)
Tal Bergmann (Drums, Percussion)
Ben Grossman (Hurdy Gurdy, Percussion)
Brian Hughes (Guitars, Oud, Bouzouki)
Tim Landers (Bass)
Caroline Lavelle (Cello)
Rick Lazar (Percussion)
Hugh Marsh (Violin)
Donald Quan (Viola, Keyboards, Tabla, Accordion)
Sokratis Sinopoulos (Lyra, Greek Lute)

 

Bericht: Sven Slotosch, Steffi Gohr

Layout: Hage
Fotos: Websites der Künstler

sonstige Reviews der LOREENA McKENNITT-Tour:

 


 

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