LOREENA MCKENNITT

11. März 2007 - Stuttgart / Liederhalle - Beethovensaal


 

Loreena  McKennitt

 

Ein Traum wurde wahr - Loreena McKennitt endlich auf Tour! Ich glaube so sehr habe ich keinem Konzertereignis in den letzten Jahren entgegengefiebert, sieht man natürlich mal von meinen ewigen Faves DEAD CAN DANCE ab. Aber Geduld ist eine Tugend, die man als Fan von Loreena unbedingt mitbringen muss, denn zwischen ihren raren Alben und ihren noch selteneren Konzertreisen vergehen gerne mal einige Jahre. Aber am 11. März 2007 war es dann endlich soweit - übrigens in Stuttgart das erste Konzert auf ihrer rund dreiwöchigen Europa-Tournee. Dank grandioser Plätze in der dritten (!) Reihe und einem fantastischen, klaren Sound wurde der Abend schließlich zu einem musikalischen Erlebnis, wie es einem nur selten vergönnt ist. Aber lassen wir Loreena zur Einstimmung selbst zu Wort kommen - mit dem folgenden Gruß hat sie uns in ihrem überall ausliegenden Tournee-Begleitheft willkommen geheißen: "Reisen bildet, heißt es - und wer reist, um sich zu bilden, begibt sich vielleicht auf eine Route, die kein Ende finden wird. Wenn ich Geschichte und Kultur durch die Augen anderer betrachte, habe ich oft das Gefühl, einer Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart auf der Spur zu sein. Dieser Fährte folgend, wurde mir die Gastfreundschaft und Großzügigkeit vieler Menschen zuteil. Die heutige musikalische Momentaufnahme ist eine weitere Zwischenstation auf diesem Weg. Begleiten Sie uns!"

 

Set 1

Auf die letzte Minute schafften wir es in den Beethovensaal, gerade noch rechtzeitig, bevor das Licht ausging und Loreena samt ihrer Band die - übrigens spärlich, aber sehr effektiv-atmosphärisch gestaltete - Bühne betrat. Loreena eröffnete den Abend sehr ruhig und stimmungsvoll mit "She moved through the Fair" von ihrem "Elemental"-Album, einem der ganz wenigen Stücke aus den frühen Tagen. Schon der erste gesungene Ton von Loreena sorgte für Gänsehaut, so klar, kraftvoll und raumfüllend klang ihre Stimme. Und ihre Ausstrahlung ist einfach phänomenal, so redseelig, gutgelaunt und weltoffen, wie sie sich gibt, könnten sich manch andere Künstler ein Stück abschneiden J. Sogleich stiegen ihre neun Begleitmusiker mit ein, allesamt Talente aus den verschiedensten Kulturkreisen, die Loreena auf der Bühne zur Seite standen, jeder für sich ein Künstler an seinen Instrumenten. Zu Loreena's linker Seite stand Gitarrist Brian Hughes, der die Kanadierin schon auf vielen Konzertreisen und Alben begleitet hat und neben verschiedenen akustischen Gitarren auch an der E-Gitarre brillierte und gar mehrere völlig geile Rock-Soli aus dem Ärmel schüttelte. Weiterhin erwähnenswert war das Streicher-Doppel Caroline Lavelle (Cello) und "Teufelsgeiger" Hugh Marsh, die sich stellenweise in einen wahren Rausch spielten und dabei mit einem charmanten Dauergrinsen von der überaus attraktiven Mrs. Lavelle begleitet wurden. Und zu meiner großen Überraschung hatte Loreena ein komplettes Schlagzeug mit dabei, was dem einen oder anderen zwar etwas aufstieß, da  vielleicht nicht so ganz passend zu den vorwiegend akustischen, alten Instrumenten. Aber Drummer Tal Bergmann, der rein äußerlich durchaus als Metaller durchging, entpuppte sich als präziser und versierter Schlagzeuger, der den etwas flotteren Stücken von Loreena ein druckvolles und keineswegs störendes Fundament  verlieh, im Gegenteil - die Stücke wirkten noch lebendiger und kraftvoller. Der erste Teil des zweiteiligen Programmes bestand vorwiegend aus Stücken von ihrem akuellen Album "An Ancient Muse", darunter "The Gates of Istanbul" oder "Penelope's Song" sowie vom Vorgänger "The Book of Secrets" eine ganze Reihe Songs wie z. B. "Marco Polo", "The Highwayman" oder dem Hit schlechthin, "The Mummer's Dance". Dabei nahm sich Loreena Zeit zwischen den Songs, erklärte Hintergründe zu den Lyrics oder erzählte von ihren Reiseerlebnissen und ihren zahlreichen Bekanntschaften, die sie in der ganzen Welt machen durfte - eben so, wie man es schon in den stets hochinteressanten und informativen CD-Booklets in Tagebuchform nachlesen kann. Und dass sie nicht nur eine tolle Stimme hat, sondern auch eine sehr vielseitige Musikerin ist, bewies sie mit ihren abwechselnden Einsätzen am Klavier, an der Keltischen Harfe, am Akkordeon und am Keyboard. So verging die erste Stunde wie im Flug, und nach dem ebenfalls neuen und wunderschönen "Caravanserei" war Zeit für eine kurze Pause.

 

Setlist 1:

* She moved through the Fear

* The Gates of Istanbul

* The Mummer's Dance

* Penelope's Song

* Marco Polo

* The Highwayman

* Dante's Prayer

* The Bonny Swans

* Caravanserei

---------------- Pause ----------------

 

Set 2

In der ca. 20-minütigen Pause konnte man sich etwas die Beine vertreten und den Merchandise-Stand näher in Augenschein nehmen - mit den leider nicht sehr ansehnlichen T-Shirts und einem zwar grandiosen, aber leider auch sehr teuren DVD-/CD-Set "Nights from the Alhambra", welches es zunächst mal nur auf der Tour gab. Und noch etwas zeigte sich während der Pause - es ist erstaunlich, wie vielfältig sich das Publikum von Loreena zusammensetzt: da gibt es den Lehrer, den Klassik-Freund, den Metal-Freak, Otto Normalbürger, Grufties, Teenies, Rentner... Scheinbar grenzenlos ist Loreena's Musik, so dass sich jung und alt, normal und freaky, zusammen finden, um einen schönen Konzertabend zu verbringen. Sicher etwas, das nicht vielen Künstlern gelingt. Mit dem grandiosen "The Mystic's Dream" ging es dann direkt nach der Pause weiter, leider - aber das ist halt schwer umsetzbar - ohne die ergreifenden Mönchsgesänge zu Beginn des Stücks. Dann kam "Santiago", bei dem es sich um ein Fast-Instrumental vom "The Mask and Mirror"-Album handelt (Loreena singt hier zwar ein paar Passagen, allerdings ohne Text), und was die Truppe hier ablieferte, war einfach nicht mehr von dieser Welt: solch eine Spielfreude, solch eine Leidenschaft und Hingabe, solch eine Kraft - mir fehlen einfach die Worte für dieses Götterwerk. Vor allem Geiger Hugh Marsh konnte so richtig zeigen, was er kann, während sich Cellistin Caroline neben ihm kaum mehr einbekam vor Grinsen in Anbetracht des glatzköpfigen Geigenvirtuosen in spielerischer Ekstase. Loreena merkte nach dem Song auch an, dass sie sich manchmal nicht sicher sei, ob ihre Musik für die Begleitband nicht doch etwas zu ruhig wäre, gemessen an ihren instrumentalen Fähigkeiten. Weiter ging es mit einer guten Mischung aus alten und neuen Stücken, darunter das grandiose "Bonny Portmore" und das nicht weniger schöne "The Lady of Shalott" (beide vom "The Visit"-Album) sowie dem Doppelpack "Beneath a phrygian Sky" und "Kecharitomene" von "An Ancient Muse". Mit dem anrührenden "Never-ending Road (Amhrán Duit)" beschlossen Loreena und Band ihren regulären Set, kamen aber nach minutenlangem tosendem Applaus für zwei weitere Stücke nochmals zurück auf die Bühne. Nach über 2 Stunden Spielzeit war dann ein Konzert zu Ende, das überwältigender, faszinierender und bezaubernder nicht hätte sein können und das ich ohne weiteres zu meinen schönsten Konzert-Erlebnissen überhaupt zähle. Und ich glaube, niemand sah das an diesem Abend anders...

 

Setlist 2:
* The Mystic's Dream

* Santiago

* Bonny Portmore

* Beneath a Phrygian Sky

* Kecharitomene

* The Lady of Shalott

* The Old Ways

* Never-ending Road (Amhrán Duit)

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+ 2 Zugaben

 

Epilog

Ein ganz besonderes Erlebnis war übrigens noch ein kurzfristig eingeschobenes Zusatz-Konzert, das vom süddeutschen Radiosender SWR1 am 13. März 2007 in Baden-Baden organisiert und präsentiert wurde. In einem äußerst intimen Rahmen für ca. 200 Zuschauer und mit 12 Euro außerordentlich preisgünstig präsentierten Loreena & Band eine zwar etwas kürzere (ca. 80 Minuten), aber nicht weniger intensive und schöne Reise durch ihr musikalisches Repertoire. Ziemlich genau 10 Jahre lagen zwischen meiner ersten Bekanntschaft mit den Werken von Loreena McKennitt und dem beeindruckenden Live-Erlebnis, und dann habe ich innerhalb von nur zwei Tagen gleich zweimal die Ehre und das Vergnügen - fast schon so gut wie ein Sechser im Lotto!!

 

Besetzung:
Loreena McKennitt
(Vocals Accordion, Harp, Piano)
Tal Bergmann (Drums, Percussion)
Ben Grossman (Hurdy Gurdy, Percussion)
Brian Hughes (Guitars, Oud, Bouzouki)
Tim Landers (Bass)
Caroline Lavelle (Cello)
Rick Lazar (Percussion)
Hugh Marsh (Violin)
Donald Quan (Viola, Keyboards, Tabla, Accordion)
Sokratis Sinopoulos (Lyra, Greek Lute)

Bericht & Layout: Joe
Fotos: Websites der Künstler

 

sonstige Reviews der LOREENA McKENNITT-Tour:


 

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