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KEEP IT TRUE - FESTIVAL IX - Dittigheim, Sporthalle – 03.11.2007 |
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Was es hier zu lesen geben wird ist weniger ein echter Livebericht des zweimal im Jahr stattfindenden Heavy Metal Festivals Nummer eins, die könnt ihr in Tausenden von anderen Magazinen und Webzines lesen. Vielmehr werdet ihr eine Hofberichterstattung plus Erlebnisaufsatz mit, von und über die beste Metalband dieser Welt namentlich PAGAN ALTAR geliefert bekommen. Objektivität werdet ihr vergeblich suchen, dafür findet ihr umso mehr Enthusiasmus und Liebe zu der besten Musik, die es gibt.
(daher hat Olli auch nur Pix von und rund um PAGAN ALTAR auftreiben können, was aber sicher zu verschmerzen ist... - Hage)
Das diesjährige Keep It True sollte für mich etwas ganz Besonderes werden. Nicht nur, dass PAGAN ALTAR, die Band aller Bands, den ersten Auftritt auf deutschem Boden spielen würden. Zusätzlich zu dieser fantastischen Nachricht erhielt ich eine Woche vor Auftritt folgende Nachricht:
"Hi Olli, I think Rich is arranging a rehearsal on the Friday before KIT. You are quite welcome to come along. Don't know where it's going to be yet, but if you ask Rich he will probably be more help. If not we'll see you the next day"
Nachdem ich aus meiner Ohnmacht wieder
erwacht war, las ich die Nachricht noch einmal und noch einmal um sicherzugehen,
dass ich mich nicht täusche. Meine absolute
Lieblingsband lädt mich zu einer Probe
am Abend vor dem ersten Konzert ein. Um dem ganzen die Krone aufzusetzen bat
Rich (Walker – SOLSTICE-Chef, MISKATONIC FOUNDATION – Inhaber und neuer PAGAN
ALTAR - Rhythmusgitarrist) mich darum, gleich ein Hotelzimmer zu buchen, denn
man habe vor den Rest des Abends (also nach der Probe) mit „heavy drinking“ zu
verbringen.
So saß ich also am 02.11. im Zug (die Bahn
streikte an diesem Tag zum Glück nicht) und war aufgeregt wie ein kleines Kind,
das den Nikolaus, den Osterhasen und das Christkind gleichzeitig trifft. Nachdem
ich fünf Stunden und vier Büchsen Bier (gegen die Aufregung)
später endlich in Dittigheim ankam und mein Hotel
schon nach wenigen Minuten gefunden hatte, staunte ich nicht schlecht: da saßen
sie, meine Metalhelden. Kaum hatte Terry (der Sänger) mich gesehen, sprang er
auf, umarmte mich und fragte mich, was ich trinken wolle...auch der Rest der
Band und ihre Anhängsel begrüßte mich mehr als freundlich und bereits nach
wenigen Minuten hatte ich das Gefühl, als gehöre ich selbst zur Band oder
Familie. Den Rest des Nachmittags verbrachte ich mit Biertrinken und vor allem
mit dem Lauschen der Erzählungen Terrys. Was dieser Mann an Hirnschmalz hat und
in seine Texte einfließen lässt spottet jeder Beschreibung. Ihr wollt eine
wissenschaftliche
Abhandlung über Jack the Ripper, architektonische
Beschreibungen von London, historische Betrachtungen der Welt...für Terry Jones
alles eine Kleinigkeit.
Natürlich rückte das Ereignis der Tages immer
näher: Die Probe, die bereits in der Halle stattfinden sollte war auf etwas 6
Uhr angesetzt, fand dann aber doch etwas später statt. Machte aber gar nichts,
so hatte ich noch mehr Zeit mit dem Rest der Band zu plauschen und Bier zu
trinken. Nach vielmaligem hin- und herlaufen zwischen Halle und Hotel (im einen
gab’s Bier, im anderen Musik...) war die Crew endlich soweit und dem magischen
Moment stand nichts mehr im Wege. Zusammen mit Terrys Frau Lynn und ihrem Sohn
Dean durfte ich mit heruntergefallenem Unterkiefer, steinharter Gänsehaut und
Tränen in den Augen Zeuge werden, wie sich die Magie PAGAN ALTARs zum ersten Mal
in Deutschland live manifestierte. Göttlich ist das einzige Attribut, das hier
herangezogen werden kann. Die Band schaffte, was ich nie für möglich gehalten
hatte, sie übertraf ihre Schalplatten noch einmal. Die
Mystik und Magie
war förmlich greifbar. Was sollte bloß am nächsten Tag passieren? Würde ich auf
der Stelle tot umfallen, weil sterbliche Menschen so etwas eigentlich nicht
hören durften? Unwahrscheinlich groß...und...hat euch schon mal eure
Lieblingsband von der Bühne herab gefragt, welches Lied ihr als nächstes hören
wollt? Mich schon!
Nach diesem sehr aufwühlenden Erlebnis trank ich noch ein paar Bier mit den schwedischen Lümmeln von PORTRAIT und einigen Metallern die aus der ganzen Welt angereist waren, bevor ich mich sehr früh und stark angetrunken auf mein Zimmer verkrümelte, um am nächsten Tag fit für das noch größere Ereignis zu sein.
War ich aber nicht...nach dem reichhaltigen Frühstück, beschlossen wir zur allgemeinen Auffrischung einen kleinen Spaziergang zu unternehmen. Dass daraus ein Gang nach Tauberbischofsheim inklusive Stadtbesichtigung werden sollte, war keinem der Beteiligten am Anfang klar. Trotzdem zeigten sich sowohl die Gäste als auch der „Stadtführer“ (also ich) begeistert von der Architektur der wunderschönen Altstadt. Als bereits der frühe Mittag dämmerte zog es uns zurück nach Dittigheim und hin zum Festival, denn dies hatte seine Pforten bereits um 11 Uhr geöffnet. Auf einem großen Metalmarkt konnte der geneigte Headbanger die Sammlung aufstocken oder auch einfach nur die teilweise sehr „fantasievollen“ Preis bestaunen.
Relativ pünktlich ging es dann um 15:30 Uhr mit den wirklich
blutjungen ENFORCER los. Ihr erfrischender Speed-Metal, der wie eine
Mischung aus EXCITER du AGENT STEEL rüberkam, wurde überaus professionell (und
mit richtig gutem Sound versehen) und tight präsentiert. Die drei kleinen Bengel
posten was das Zeug hielt und waren dem Publikum ein willkommener Opener.
Leider war der Sound bei den Landsmännern von PORTRAIT zu Beginn etwa schlechter. Dafür hatten diese das weitaus bessere Songmaterial auf Lager, das mit seiner starken MERCYFUL FATE-Schlagseite extrem gut ankam. Auch hier wurde gepost, dass sich die Balken bogen, was besonders in Verbindung mit der „bösen“ Kostümierung einen köstlichen Eindruck machte. Leider ließ die sehr variable Stimme des Sängers gegen Ende etwas nach (hinterher hörte ich, dass ihn eine Erkältung plage) und bei zwei oder drei Stücken schienen die Klampfen etwas verstimmt. Trotzdem eine mehr als gelungen Leistung!
Es
folgten STEEL ASSASIN aus den USA. Musikalisch boten die schon etwas
betagten Herren (sind halt auch schon seit den 80ern dabei) klassische Amimucke
im Stile von OMEN oder ARMORED SAINT. Alles war recht solide und ansprechend
dargeboten, lediglich zwei Sachen trugen wenig dazu bei, mein Wohlwollen
hervorzurufen: 1. Ich wartete auf PAGAN ALTAR (stimmt dafür können STEEL ASSASIN
ja nichts) 2. Der Sänger. Der hatte zwar eine passable (Auf Platte ist sie
übrigens schon etwas mehr als gut) Stimme und wusste die knackigen Stücke gut zu
intonieren, aber sein Auftreten war mir halt leider wieder etwas zu
amerikanisch. Zu selbstverleibt, selbstdarstellerisch und jahrmarktartig wirkte
mir sein Gehabe. Das sei natürlich nur als Randnotiz vermerkt, denn
grundsätzlich boten die Herrschaften ebenfalls einen sehr anständigen Auftritt.
Und dann passierte es: PAGAN ALTAR!!!
Die altbekannten Chöre setzten ein, Samael wurde erweckt und finstere Tomschläge
läuteten eine gute Stunde ein, die meine Musikwelt und die vieler anderer in
ihren Grundfesten erzittern ließ und als geläuterte Menschen aus Dittigheim
wieder heimschicken würde. Terry – ganz im Stile der Crowmen
gewandt - verbeugte sich vor dem Publikum und ein Inferno sondergleichen wurde
entfesselt. Ich weiß nicht wo ich anfangen und wo aufhören soll. Wirklich jedes
Bandmitglied ist eine Klasse für sich...ob nun Diccon mit seinen immer
charismatischen, aber nie aufdringlichen, filigranen Bassfiguren besticht,
Peter, der eine solide Grundlage bietet, die stets noch mitreißender ist, als
auf den Veröffentlichungen auf Konserve, oder Rich, der die Stücke in nur sehr
kurzer Zeit perfekt gelernt hat und mit einer schlafwandlerischen Sicherheit
Killerriff um Killerriff raushaut...diese Band ist nicht zu schlagen! Trotz
dieser Weltklasseleistung müssen die zwei Hauptakteure Terry und Alan Jones hier
gesondert erwähnt werden.
Terry besticht nicht alleine durch seine
einzigartige Stimme, die den Stücken die Magie einhaucht. Terry ist der größte
Frontmann aller Zeiten und das ohne albernes Gehampel und peinliche „are you
having a good time?“-Spielchen. Durch seine natürliche, freundliche aber auch
irgendwie düstere Aura hat er sein Publikum schon beim bloßen Betreten der Bühne
fest im Griff. Es wird mir für immer ein Rätsel bleiben,
warum diese Band nicht die großen Arenen dieser Welt beackert und alle Menschen
beglückt.
Was, ja was soll ich über Alan Jones sagen? Ihr glaubt ihr habt Bands mit guten Gitarristen gesehen? Ihr glaubt ihr wüsstet, was „LEAD“-gitarre bedeutet? Ihr glaubt ihr wisst, was wahres Gefühl in sein Instrument stecken sein soll? Nun, wenn ihr Alan Jones einmal live gesehen habt, stimmt das, wenn nicht: vergesst ALLES, was ihr meintet zu wissen. Dieser Mann verschmilzt mit seinem Instrument zu einer Einheit. Er entlockt ihr Töne, die wirklich nur für Götter gemacht sein können. Bezaubernder kann ein Instrument nicht gespielt werden. Egal ob Killerriffs oder Soli (Wenn ich nur an „Demons of the Night“ denke, kommen mir die Tränen), der Mann ist ein Gott…und ich spreche hier nicht von technischem Hochgeschwindigkeitsdreck.
Natürlich können PAGAN ALTAR bei der Setlist nichts falsch machen. Wer in seiner Karriere nur sehr gute bis absolute Wahnsinnsstücke geschrieben hat, kann auf einen Fundus zurückgreifen, der jeden Metalliebhaber ins Nirwana taumeln lässt. Die Fans zeigten sich dementsprechend erkenntlich und feierten PAGAN ALTAR ab, wie keine andere Band (vielleicht noch HIRAX). Was soll ich noch sagen, Das Konzertereignis meines Lebens. Ich danke dieser Band dafür, dass es sie gibt.
Tja, danach war natürlich für die anderen
Bands nicht mehr viel zu holen. Obwohl ich SACRED OATH wirklich mag und
sowohl deren Debüt von 1987 als auch die neue Scheibe sehr gut finde, konnten
die Amis nichts mehr reißen. Fairerweise sei aber gesagt, dass spieltechnisch
und vom Auftreten her alles in Ordnung war. Aber auch im Publikum wollte einfach
keine so magische Stimmung mehr aufkommen wie bei PAGAN ALTAR zuvor.
Trotzdem solider Auftritt einer durch und durch guten US-Metalband, die
stilistisch –das sei hier noch angemerkt- irgendwo zwischen MERCYFUL FATE, IRON
MAIDEN und, bei härteren Teilen, OVERKILL liegt.
HIRAX waren die einzige Band die
annähernd an PAGAN ALTAR herankamen. Die Stimmung war zwischenzeitlich wirklich
granatenmäßig und man hatte zu keiner Minute das Gefühl, dass man es hier mir
Lückenfüllern (was sie ja de facto waren) zu tun hatte. Leider übertrieb es der
ansonsten absolut einmalige Frontmann Katon, etwas mit den „Unity“ und „Metalbrothers“-Ansagen
aber…und hier zeigte sich mal wieder eines der Leitmotive des Abends…auch er ist
halt ein Amerikaner und die mögen es scheinbar etwas theatralisch.
Nichtsdestotrotz
überzeugten er und seine mördermäßige Band mit einer Thrashgranate nach der
anderen und jeder im Saale musste einfach erkennen: So schön kann Thrash sein.
Was danach folgte war schlicht und ergreifend
eine Katastrophe. Hatte ich mich schon im Vorfeld gewundert, was eine Band wie
LEATHERWOLF beim KEEP IT TRUE zu suchen hat, bestätigten die schönen,
alten Männer mit dem Opener. Leute, ihr mögt mir über neue Alben dieser Band
oder den „legendären“ Erstling und seinen Metalgehalt erzählen was ihr
wollt...ABER: Wenn die Band mit „Street Ready“ eine Hairspray-Hymne
par Excellence eröffnet, ist klar, wo der Bartel den Most holt. Nur, dass mich
niemand falsch versteht. Ich besitze besagte Scheibe seit Jahren und mag sie
auch, aber so was passt absolut nicht zum Festival…und stimmt, das ist
scheuklappenhaftes Gedankengut, aber so ein paar rechte Scheuklappen tun ab und
zu auch mal ganz gut. Zusätzlich agierten die Protagonisten ziemlich lahm, was
das Ganze vollkommen überflüssig machte.
Tja, schon hieß es Abschied nehmen…viel zu früh selbstverständlich. Nach hunderten von Küssen, Umarmungen, Handschlägen, Küssen, Klopfern auf die Schultern und vielen Küssen verließ ich schweren Herzens den Ort des Geschehens. Natürlich wird man sich bald wieder sehen, natürlich werden PAGAN ALTAR noch majestätischere Konzerte geben (nämlich dann, wenn sie drei Stunden spielen), aber eine gewisse Wehmut kann auch ein ganz harter Metaller nicht verbergen. Auf bald und HAIL PAGAN ALTAR! HAIL PAGAN ALTAR! HAIL PAGAN ALTAR!!!

Bericht: Olli O.
Layout: Hage
Photos: u.a. Alan Jones (PAGAN ALTAR)
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