KEEP IT TRUE - FESTIVAL VIII - Lauda-Königshofen, Tauberfrankenhalle – 14.04.2007


 

Es bedurfte tatsächlich sieben mehr als erfolgreiche Vorläufer, bevor es meine Wenigkeit nun beim achten KEEP IT TRUE endlich (nach schon mehrmaligem Vorhaben, aber nie erfolgreicher In-die-Tat-Umsetzung) zum kultigsten und rennomiertesten True-Metal-Festival des Landes geschafft hat. Oberschwertschwinger Weinsi und seine umtriebige Crew konnten einmal mehr ein formidables Billing auf die Beine stellen und trotz der in den entscheidenden Wochen befindlichen Fußball-Bundesliga war es dieses Mal sogar mir wichtiger, Kult-Acts wie PILEDRIVER, SABBAT oder LETHAL endlich mal live zu sehen. So pilgerten wir an diesem unglaublich heißen Samstag ins beschauliche Lauda-Königshofen um uns neben genannten Ausnahmecombos einmal mehr auch die wohl truesten der truen Alt-Metaller und ihre Shirt-Heiligtümer und Kutten-Kreationen reinzupfeifen. Es sollte sich definitiv gelohnt haben...aber der Reihe nach... (Hage)


Kaum in der Halle angekommen und den ersten Stand der CD-Börse angesteuert, da stehen bereits CAULDRON aus Kanada auf den Brettern und beginnen zu lärmen. Ihr thrashiger Metal mit Doomanleihen klang wie bereits bei der Vorgängerband GOAT HORN. Eigentlich war das auch das gleiche Line-Up, bis auf den Gitarristen. Die aktuelle EP “Into The Cauldron" wurde komplett gespielt und einige alte GOAT HORN-Kracher wie „The Last Force“ oder „To The Cliff“ waren auch zu vernehmen. Was soll man über die kurze Spieldauer sagen? CAULDRON lieferte ein cooles Stageacting, hatten Fun und verbreiteten auch selbigen. Für Old School-Metalheads eine geile Sache! Alle anderen waren wohl auf dem falschen Konzert. (Ralf)

 

 

Bei BULLET gibt es zwar keinen echten Metal, dafür dreckigen Party-Hardrock wie ihn AC/DC spielen auf die Glocke. Auch wenn sich einige True-True Metaller beschwerten, ich zumindest hatte Spaß bei den Schweden. Ein Bier geholt und ab nach vorne. Die Stimmung ist bestens und vor allem der füllige Sänger/Schreihals Dag Hell Hofer zog ordentlich vom Leder! Er ist sehr publikums-kontaktfreudig und gesanglich top. Denn es ist gar nicht so einfach, permanent im Brian Johnson-Stil herumkreischen, ich wäre jedenfalls nach 5 Minuten heißer. (Alles schon bierbedingt getestet…) Es wurde lautstark mitgegröhlt und es floss das Bier selbst zu dieser viel zu frühen Zeit für solche Mucke in Strömen…Songs wie „One Deal With The Devil“, „Speeding In The Night“, „Turn It Up Loud, „Raise Hell“ und „Rambling Man“ sorgten für eine kurzweilige Partystimmung. (Ralf)


 

Setlist BULLET:
Midnight Riders
Hard Luck Lady
Heading For The Top
One Deal With The Devil
Speeding In The Night
Turn It Up Loud
Raise Hell
Rambling Man
Leather Love
---
Bang Your Head

 

Gerade auf TWISTED TOWER DIRE hatte ich mich tierisch gefreut. Und genau die wurden für mich zur größten Enttäuschung des Tages. Der Sound war unter aller Sau und ich bekam manchmal kaum mit, welchen Song die Band gerade zockte. Dabei war der neue Sänger Johnny Aune gar nicht mal das Problem. Er legte sich ins Zeug und versuchte unverkrampft seinen Vorgänger Tony Taylor zu ersetzen. Ob er das nun schaffte, war bei dem Soundmatsch auch schwer festzustellen. Obwohl man mit „Netherworlds" gerade vor einigen Monaten ein aktuelles Album veröffentlichte, wurde nur ein einziger Song daraus gespielt. Komisch, oder? Und mein Favesong „The Witch's Eyes“ wurde zwar angekündigt, aber nicht gespielt…Sehr strange. Auch wenn mir einige vorwerfen mögen, zu sehr zu nörgeln, fakt ist, dass sich TWISTED TOWER DIRE hier nicht mit Ruhm bekleckert haben. Obwohl mir klar ist, dass die Band hierzu am wenigsten kann…Das KIT ist ja dafür bekannt, manchen Bands einen Kacksound zu verschaffen. Das war bisher auf allen Festivals der Fall und dieses Mal hatten leider TWISTED TOWER DIRE die Arschkarte gezogen. Trotzdem sollten sich die Verantwortlichen einmal Gedanken darüber machen, ob der zahlende Fan nicht ein Recht auf einen guten Sound seiner Lieblinge hat? Ich war jedenfalls mächtig angepisst und mir tut die Band leid, die von vielen Anwesenden Hohn und Spott erntete. (Ralf)

 

Setlist TWISTED TOWER DIRE:
When The Daylight Fades
By My Hand
Transfixed
At Night
The Isle Of Hydra
Axes & Honor
Final Stand
Starshine
Guardian Bloodline

 

Tja, und auch wenn wir nicht gerade ahnungslos sind, was den guten 80er-Metal angeht, mit dem wir schließlich auch noch aufgewachsen sind, so gibt es dennoch immer wieder Bands, die man zwar vom Namen her kannte, allerdings sie weder musikalisch noch herkunftstechnisch zuordnen konnte. So auch im Falle der Holländer DEFENDER, die just ihren Gig begannen, als Joe und ich in der schon unglaublich vollen und mächtig stickig-heißen Halle aufliefen. Besetzt mit Harm von GODDESS OF DESIRE am Bass und ex-HAMMERHAWK-Klampfer Bart, entfachten die Frau-Antje-Helden ein ganz nettes Speed/Heavy-Kleinfeuerwerk, gespickt mit ein paar Pyro-Effekten und sehr amtlichen Songs. So richtig wollte zwar der Funke auf die Fans nicht überspringen, allerdings konnte man den engagierten, spiefreudigen und coolen Auftritt DEFENDERs durchaus als Erfolg für die Jungs verbuchen. (Hage)

 

 

Wow, da hat man nicht schlecht gestaunt, als für das 2007er KEEP IT TRUE die Götter PILEDRIVER (unter dem Banner: (THE EXALTED) PILEDRIVER angetreten) angekündigt wurden. Ok, man weiß ja schon länger, dass die Truppe wieder aktiv ist, hier und da wieder Gigs gespielt und sogar schon neue Songs geschrieben hat. Aber die Assi-Combo mal wirklich livehaftig zu sehen, war schon eine sehr verlockende Aussicht, zumal für mich „Metal Inquisition“ zu den 50 besten und atmosphärischsten Metal-Scheiben überhaupt gehört. Scheinbar waren eine Menge Fans der gleichen Ansicht, und so war der Jubel groß, als das Quartett die Bühne betrat, allesamt mit skurriler Verkleidung als Tod oder Zombie. Und natürlich der Piledriver himself, wie man ihn von den Covers her kennt, mit Nieten, Ledermaske und ner beachtlichen Wampe. Überhaupt kam mir die ganz schön assi wirkende Band vor wie eine verkleidete Version der MENTORS. Die neueren Stücke wie „Metal Manifesto“ kamen erwartungsgemäß nicht ganz so gut rüber wie die Klassiker, aber jene hatten es dafür in sich, darunter solche Perlen wie „Piledriver”, „The Executioner“, „Sex with Satan“, „The Fire God“, „Human Sacrifice“, „Witch Hunt“ oder die frenetisch abgefeierte Metal-Hymne „Metal Inquisition“. Der Auftritt wirkte irgendwie authentisch und nicht wie ein paar alte Säcke, die nochmals etwas vom großen Reunion-Kuchen absahnen möchten - die Jungs hatten definitiv Spaß an ihrem Auftritt, was man vor allem dem Piledriver, der auch mit coolen Ansagen nicht geizte, anmerkte. Um ehrlich zu sein hatte ich im Vorfeld keine Glanztaten von PILEDRIVER erwartet, aber siehe da - es war ein überaus unterhaltsamer und kurzweiliger Gig mit einigen echten Metal-Klassikern. (Joe)

 

 

Upps, DESTRUCTOR weilen ja auch noch unter den Lebenden – noch so eine Band, die ich schon längst wieder abgeschrieben hatte. Ihr 85er Debüt „Maximum Destruction“ bzw. den coolen 98er Re-Release habe ich noch in guter Erinnerung, zwar kein Meilenstein, aber ein starkes Thrash-Album mit einigen Klasse-Songs. So ganz der Reißer war der KIT-Auftritt dann aber nicht, solide und bodenständig, aber einfach nicht auf dem Level, dass man 45 Minuten durchgehend interessiert zuschauen und zuhören kann. Natürlich gab es einige Klassiker wie „Pounding Evil“, „Iron Curtain“ oder „Maximum Destruction“, die klar zeigen, dass DESTRUCTOR zu den besseren Bands in ihrem Genre gehören. Vielleicht wäre der Club-Gig am Vorabend passender gewesen, jedenfalls scheint mir die Mucke der Amis prädestiniert für kleine, verschwitzte Clubs. Auf der relativ großen KIT-Bühne wirkten die Jungs dagegen eher etwas verloren. War auch zuschauermäßig kein Tages-Highlight. (Joe)

 

Setlist DESTRUCTOR:
Blackest Night
Storm Of Steel
Instrumental (von "Maximum Destruction")
Maximum Destruction
Pounding Evil
Iron Curtain
Sonic Bullet
Overdose

 

Mein Hauptgrund nach Lauda-Königshofen zu pilgern lag darin begründet, daß ich die Schöpfer meines All-Time-Top-10-Favealbums 'Programmed' einfach unbedingt mal live sehen wollte...war ja nicht abzusehen, daß LETHAL kurz später schon beim BANG YOUR HEAD auch noch einmal auflaufen würden. Nach anfänglichen technischen Problemen und der Tatsache, daß Gitarrist Eric Cook durch eine schmerzhafte Sehnenscheidenentzündung gehandicapt war und mit dickem Verband spielen musste, entfachten die Kentucky-Boys einen Sturm der Begeisterung bei der lechtzenden Meute, was nicht nur am brillanten Opener 'Fire In Your Skin' lag, sondern vor allem am Damoklesschwert Tom Malicoat: Würde der Ausnahme-Sänger und Geoff Tate-Soundalike noch DIESE geile Stimme haben und die Töne treffen? JA, GOTTVERDAMMT NOCHMAL, JAAAAAAAAAAAAAA! Gänsehaut pur war angesagt und da verzeiht man dem Schergen doch auch gern mal das grauenhafte Outfit bestehend aus einem schwarzen Sweater (okay), Cowboyhut (naja), weißen Basketballstiefeln (aaaargh) und einer kurzen 80er-ADIDAS-Turnhose (GEHT GAR NICHT). So verzückten LETHAL mit einem Set bestehend aus satten 7 'Programmed'-Göttergaben, dem 'Your Favorite God'-Hammer 'Swim Or Drown', dem ebenso von dieser 95er-EP stammenden 'Balancing Act', sowie dem 'Poisonseed'-Opener 'Down', das zu seiner vollen Macht entfaltet wurde, als zum Abschluß nicht nur die gigantische Ballade 'Pray For Me' (wow!!!), sondern wie´s sich gehört direkt im Anschluß der Überhammer 'Killing Machine' den Abschluß bildeten. Was ein Gig...und es gab NUR glückliche Gesichter im Publikum!!! (Hage)

 

Setlist LETHAL:
Fire In Your Skin
Programmed
Swim Or Drown
What They've Done
Down
Obscure The Sky
Balancing Act
Immune
Pray For Me
Killing Machine

 

Vor einigen Jahren gab es ja schon mal SABBAT light, und zwar in Balingen im Rahmen der Bang Your Head-Clubshow, damals allerdings unter dem Namen RETURN TO THE SABBAT und ohne Gitarrist Andy Sneap. Einige weitere Tourdates liefen nicht besonders erfolgreich, und so verschwand die Combo wieder sang- und klanglos von der Bildfläche. Letztes Jahr spielten SABBAT dann jedoch im Original-Lineup von „Dreamweaver“ einige Gigs als Support für CRADLE OF FILTH und hatten scheinbar großen Spaß an der Sache. Jedenfalls gab’s weitere Auftritte, u. a. heute in der Tauberfrankenhalle. Und es war unglaublich, als das Licht ausging und SABBAT die Bühne betraten – selten habe ich einen derart ausrastenden Mob vor der Bühne gesehen, Wahnsinn!! Sänger Martin hat sich kein bisschen verändert, wirkt souverän wie eh und je und kann wie früher mit seinen deutschen Ansagen punkten, und auch die Instrumental-Fraktion scheint spielfreudig und routiniert. Logischerweise gab’s nur Songs von den ersten beiden Alben, darunter Highlights wie “Hosanna in Excelsis”, “I for an Eye”, “Behind the Crooked Cross”, “The Clerical Conspiracy” oder “The Best of Enemies”. Trotzdem schlich sich bei mir nach ungefähr der Hälfte etwas Übersättigung ein, aber das kann natürlich auch an der allgemeinen Metal-Vollbedienung des Festivals liegen. Jedenfalls waren SABBAT neben LETHAL mit die großen Sieger des Festivals, und ich würde fast sagen, dass sie mit die besten Fanreaktionen an diesem Tag überhaupt hatten. (Joe)

 

 

Gespalten, äußerst gespalten waren die Meinungen zu DIAMOND HEAD. Meine Wenigkeit hatte die NWoBHM-Heroen bereits im letzten Jahr beim "Sweden Rock Festival" gesehen und war nur mäßig begeistert - so auch beim KIT. Zwar kann der neue Sänger Nick Tart die alten Songs durchaus respektabel singen, aber die "neuen" DIAMOND HEAD wirken einfach nicht authentisch, sondern eher wie eine Coverband ihrer selbst. Andere NWoBHM-Truppen, bei denen der Prozentsatz von Originalmitgliedern ebenfalls verschwindend gering ist (im Falle von DIAMOND HEAD ist Gitarrist Brian Tatler der letzte der NWoBHM-Mohikaner), haben dieses Problem besser in den Griff bekommen (BLITZKRIEG ist in dieser Hinsicht ein formidables Beispiel!) Doch anyway - die Stimmung war bei DIAMOND HEAD durchaus anständig und spätestens bei 'Am I Evil' brannte dann die Hütte - METALLICA sei Dank... (Stefan Glas)

 

 

LÄÄZ ROCKIT sind ein würdiger Headliner des diesjährigen KIT und treten von Anfang an das Gaspedal durch. Insbesondere Basser Willy Lange dreht vollkommen am Rad, springt, stapft und stolpert über die Bühne, als sei er 20 Jahre jünger oder bis unter die Schädeldecke zugekokst: ein wahres Energiebündel! Die Riff-Maschinerie Phil Kettner/Aaron Jellum läuft auf Hochtouren und feuert ein Sahne-Riff nach dem anderen ab, so dass die Meute im Mosh-Pit steil geht. Trotz bemitleidenswerter Frisur (True Metal macht eben doch hässlich!) hat Frontmann Michael Coons die Halle im Griff, kommt sympathisch rüber und hat von seiner charakteristischen Stimme nichts verloren. Egal ob 'Chasin’ Charlie', 'Last Breath' oder Uraltkamellen wie 'City’s Gonna Burn', der rasante Bay-Area-Thrash des Quintetts zündet während des gesamten Auftritts und lässt allerorts zufriedene Gesichter und Leiber zurück. Famoser Auftritt! (Patrick Schmidt)

 

Setlist LÄÄZ ROCKIT:
Forced To Fight
Bad Blood
Shot To Hell
Prelude
Chasin' Charlie
Mirror To Madness
Say Goodbye
Leave
Last Breath
Spared From The Fire
Fire In The Hole
Euroshima
City's Gonna Burn
--------------
Leatherface

 

Fazit:

 

Wie nicht anders erwartet war auch das 8. KEEP IT TRUE ein wirklich cooles Event – kaum ein anderes Festival hat solche exklusiven Highlights am Start wie diese Jungs. Oder wo bekommt man sonst Bands wie PILEDRIVER oder LETHAL präsentiert? Es ist einfach toll zu sehen, wie sich das KIT zur Live-Fundgrube für vergessene Klassiker-Bands gemausert hat, aber auch die hoffnungsvollen Newcomer kamen nie zu kurz. Für die neunte Ausgabe sind auch schon wieder Highlights angekündigt in Form von LEATHERWOLF, TOXIK (!!!) oder PAGAN ALTAR. Und auch die Bands für das 10. KIT – welches nächstes Jahr im April stattfindet und zum 10-jährigen erstmalig 2-tägig über die Bühne geht – stehen teilweise fest, hier erwarten uns altbekannte Kult-Combos wie JAG PANZER (mit einer 2-stündigen Special-Show!!), TITAN FORCE (!!), MANILLA ROAD (yes!!), HELSTAR (mit dem kompletten „Remnants of War“-Album!!) oder OMEN – das kann ja wieder nur geil werden!!! (Joe)

 

 

Bericht: Hage, Joe, Ralf

und unsere helfenden Gäste Patrick Schmidt und Stefan Glas (danke Jungs!!!)

Layout: Hage

Photos: Joe, Stefan Glas

 

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