ENSIFERUM / CHTHONIC / INSANIA (Stockholm)

09. Dezember 2007 - Karlsruhe / Substage


 

 

Support: CHTHONIC & INSANIA (Stockholm)

Nachdem AMORPHIS samt Gefolge ja schon im November durch Europa getingelt waren, folgten ihnen ihre Landsmänner von ENSIFERUM im Dezember nach und verbrachten ebenfalls einige Wochen auf Europas Bühnen. Dass die Burschen schwer angesagt sind, weiß man spätestens seit ihren umjubelten Festival-Auftritten und auch von mehreren absolvierten Tourneen, denn ENSIFERUM sind zweifelsohne eine sehr spielfreudige Live-Band. Mit der Wahl der Vorbands hatte man im Vorfeld allerdings ein nicht wirklich gutes Händchen bewiesen, so zumindest schien es mir. Denn die schwedischen Melodic-Power-Metaller INSANIA und die taiwanischen Black Metaller CHTHONIC passten stilistisch nicht unbedingt zu dem hymnischen Sound der finnischen Senkrechtstarter. Andererseits sind ein paar Kontraste auch nicht verkehrt, denn drei stilistisch verwandte Bands wäre ja auch langweilig. Aber lest selbst, was daraus geworden ist:

INSANIA hatte ich von einem ihrer älteren Alben nicht unbedingt als Sensation in Erinnerung, und als die Jungs dann loslegten, bestätigten sich meine Befürchtungen auch, denn der altbackene Sound der stark an HELLOWEEN & Co. angelehnten Burschen konnte mich zu keiner Zeit überzeugen, geschweige denn begeistern. X-mal gehörte Riffs, ein ziemlich schwacher Gesang und ein kaum vorhandener Unterhaltungswert - das gab's wirklich schon Hunderte Male und ragte keinen Millimeter aus der Masse ähnlicher Bands heraus. Nichtsdestotrotz hatten die Schweden eine ganze Menge Fans vor der Bühne, die ordentlich mitgingen, auch wenn der hintere Teil des Substage ebenfalls gut gefüllt war. Als die Geschichte dann nach einer guten halben Stunde vorbei war, war zumindest ich nicht böse drüber...

Danach konnte es eigentlich nur noch besser werden, aber auch CHTHONIC finde ich auf Konserve nicht gerade spannend, und so waren meine Erwartungen hinsichtlich ihres Gigs auch nicht wirklich hoch. Andererseits: wann bekommt man schon mal eine Metal-Band aus Taiwan zu hören bzw. in diesem Falle sogar zu sehen? Eben... Als die standesgemäß bepinselten Black Metaller die Bühne betraten, schwante mir auch zunächst nichts Gutes, allerdings konnten mich CHTHONIC mit ihrem etwas an CRADLE OF FILTH angelehnten Sound doch ziemlich überraschen. Durch den Einsatz einer orientalischen Violine mischte man dem symphonischen Black Metal eine durchaus originelle Note bei, und so verging die Dreiviertelstunde eigentlich recht schnell. CHTHONIC sind keineswegs Newcomer, sondern können schon auf etliche Veröffentlichungen zurückblicken und dürften in ihrer ca. 12-jährigen Karriere auch schon den einen oder anderen Gig hinter sich gebracht haben. Klar, das Stageacting und das Outfit offenbarten nichts wirklich Sensationelles oder gar Neues, die fünf Burschen und das Mädel kamen aber bodenständig und aufeinander eingespielt rüber. Dank der eingängigen Songs feierte der Großteil der Substage-Zuschauer die Band richtig ab, obwohl bestimmt nur die wenigsten mit dem Songmaterial der Taiwaner vertraut waren. CHTHONIC freuten sich sichtlich über diesen Erfolg und stiefelten in voller Montur direkt von der Bühne an den Merchandise-Stand, um Autogrammwünsche der Fans zu erfüllen. Sympathische Geste!

Nun bin ich zwar kein Riesenfan von ENSIFERUM, aber ihre bisherigen drei Full-Length-Alben, allen voran des Debüt, finde ich eigentlich ziemlich cool. Bei Festival-Auftritten hatte mich die Band dann eher nicht so angesprochen, aber als sich jetzt die Gelegenheit bot, die Finnen mal im coolen Substage-Club in Karlsruhe zu sehen, ließ ich mir das nicht entgehen. Und es hat sich gelohnt, denn die Burschen kommen im Club einfach besser rüber als auf einer riesigen Open-Air-Bühne, zumal ich bei Festivals meistens eh keine so großen Böcke auf derartige Mucke habe. Von Anfang an war die Stimmung super, die Band wurde erwartungsgemäß abgefeiert ohne Ende. Kein Wunder, denn ENSIFERUM kamen on stage einfach verdammt symphatisch rüber, wirkten locker und spielfreudig und zockten sich während ihres fast 2-stündigen Gigs durch eine ganze Reihe erstklassiger Stücke von allen ihren Veröffentlichungen. "Blood is the Price of Glory", "Token of Time", "Into Battle", "Ahti", "One more Magic Potion", "Wanderer", "Little Dreamer", "Victory Song" oder "Tale of Revenge" (eine der Zugaben) waren nur einige der Hymnen, die sie zum Besten gaben. Und ich muss sagen, der Gig war insgesamt doch sehr kurzweilig und unterhaltsam, dank der abwechslungsreichen, eingängigen Songs und einer energiegeladenen Show, getragen von der superben, ausgelassenen Stimmung im Substage. So hatte sich dieser Abend letztendlich wirklich gelohnt, mit einer etwas ungewöhnlichen, aber sehr coolen Vorband (CHTHONIC) sowie einem würdigen Headliner, der zurecht derzeit so populär ist und sicher bald in die große finnische Hall Of Fame mit FINNTROLL, AMORPHIS etc. Einzug halten wird. Amen!

Bericht & Layout: Joe
Fotos:
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