BRINGER OF DEATH FEST XI - Giebelstadt, I-Park Klingholz – 29.09.2007


 

Das Bringer Of Death Fest hat sich über die letzten Jahre hinweg zu einer absoluten Institution in Sachen Death Metal Veranstaltungen im Süden der Republik gemausert, was nicht nur den stets hochkarätigen nationalen und internationalen Billings, sondern auch den durchweg günstigen, fanfreundlichen Preisen bei Eintritt, Merch und Verpflegung, zu verdanken ist. Auch Runde XI sollte hier keine Ausnahme sein.

 

INSURRECTION, Newcomer aus Schweden und nicht auf dem Flyer vermerkt, machten gegen 18 Uhr den Anfang und zu meiner Überraschung recht ordentlich Druck. Leider vom Publikum weitestgehend ignoriert, bot das noch junge Quartett technisch saubern, steht temporeichen, melodischen Death Metal mit leicht moderner Schlagseite, wie er eben nach wie vor in Schweden angesagt ist. Den Mangel an Eigenständigkeit konnte man locker durch eine gehörige Portion Spielfreude übertrumpfen, jedoch wollte nicht jeder Song zünden, zu austauschbar und ausgelutscht war da schon so manches Riff. Nicht desto trotz spielten die jungen Schweden ihre Rolle als Opener mehr als passabel und in Anbetracht des Alters und der wohl geringen Liveerfahrung, war der abschließende, wenn auch leider eher zaghafte Applaus mehr als verdient.

 

Als eine für manche negative Überraschung sollten sich IMPERIOUS REX herausstellen. Manch einer mag dem Namen nach zu schließen wohl eher auf eine Black Metal Combo getippt haben, doch die Amerikaner tendierten in eine gänzlich andere Ecke: 80er Jahre Speed/Thrash Metal. Definitiv mein Ding, haha... übel waren sie nicht, technisch sogar astrein, meist eher im spassigen Uptempo irgendwo zwischen Bay Area und SACRED REICH  angesiedelt, voller Spielfreude und vom Auftreten überraschend klischeearm. Dennoch eher weniger mein Fall. Ebenso wie ich schien es auch ein Großteil des Publikums zu sehen und verdrückte sich in die angenehme Abendsonne. Mehr als ein Anstandsapplaus war da nun nicht mehr drin für die Thrasher.

 

BITTERNESS, die Lake Area Thrash Metal Helden, die eigentlich jedem regelmäßigen Besucher dieser Seiten ein Begriff sein sollten, taten das, was sie nun mal am besten können: thrashen! Irgendwo zwischen 80er Teutonen-Thrash-Kamellen und 90er Jahre Melodic-Schweden-Tod angesiedelt, mit einem Händchen für eingängige, schmalzfreie Melodien und kleine Hits, zockten die sympathischen Jungs um Frank mal wieder ein mitreißendes, absolut sehenswertes Set aus alten und neuen Krachern und lösten damit den ersten, wenn auch noch recht kleinen Moshpit des Abends aus. Augenzwinkernd wie eh und je gab es mitten im Set offensichtlich spaßeshalber ein Tribut an den Tourtross inform von NAPALM DEATHs "You Suffer" (ca. 1 Sekunde) und abschließend verabschiedeten sich die Jungs vom Bodensee mit SEPULTURAs "Troops Of Doom". Bravo!     

 

Ob es frech wäre zu behaupten, dass die Bayreuther MORTAL AGONY eine Miniausgabe von MySpace-Phänomen-Truppen wie JOB FOR A COWBOY und dergleichen sind? Zumindest dürften sie einen Teil ihrer Undergroundpopularität durchaus dieser Plattform zu verdanken haben. Und den Rest? Schweißtreibenden High-Energy-Shows! Alle Achtung, auch wenn mir das froggy Schweinchengrunzen stellenweise schwer auf den Sack geht und die Mischung aus modernem US Death Metal mit einigen Grindcorereferenzen bei mir nicht immer zünden mag, live ist diese Band nicht mehr und nicht weniger als ein Wirbelwind. Bewegungstechnisch am Limit, ließen die Jungs einen Orkan aus Blastbeats und Moshattacken über den mittlerweile ordentlichen Moshpit krachen und wirbelten dabei unentwegt und reichlich chaotisch über die Bühne. Dass sich keiner der Musiker dabei ernsthaft verletzt hat, grenzt wirklich an ein Wunder. Kurz: Geile Show!

 

Zugegeben: An NECROTIC FLESH habe ich mittlerweile einen kleinen Narren gefressen. Ihre beiden Veröffentlichungen sind Old School Death Metal Knaller allererster Kajüte, zwar absolut dogmatisch auf "alt" geeicht, absolut Null eigenständig, dafür allerdings geil tief gestimmt, meist schwedisch tötend, mal britisch-walzend, durchweg fett und urzeitlich brachial und brutal. Und ebenso wie auf ihren Tonträgern präsentieren sich die Bayern live: wild nach vorne preschend, ultra-heavy bolzenwerfend-walzend, schnörkellos und brutal. Brutality through simplicity! Zu kaum einer anderen deutschen Band passt das Motto des ersten BLOODBATH Tonträgers eher... Killer! 

 

MASTER, mit Sicherheit eine Legende - für mich Langweiler. Die MOTÖRHEAD des Death Metal, genauso einseitig, genauso abwechslungsbefreit und absolut hitarm. Viele werden mir hier widersprechen, aber ich kann Speckmanns Schaffen nichts abgewinnen. Weder auf LP, noch live und so war für mich dieser weitere halbherzig angeschaute MASTER-Gig wieder einmal eher eine Qual und ein guter Grund, dauerhaft der Bar Gesellschaft zu leisten. Fairerweise muss man sagen, dass vor der Bühne tatsächlich ein wilder Pit am Toben war und MASTER wohl den Großteil des Publikums auf ihrer Seite hatten.

 

Über den musikalischen Werdegang der Tulpenschlächter SEVERE TORTURE von einer typisch CANNIBAL CORPSE-like, fast schon unbekümmert ballernden Knüppeltruppe (geil!) zur gereiften, technisch anspruchsvollen Death Metal (nimmer so geil), lässt sich ja vorzüglich streiten, dennoch bleiben die Holländer live, sowohl bei neuen, wie auch vor allem (!) bei älteren Stücken, eine Macht. Präzise, wieselflink, tight ohne Ende, dennoch agil und energiegeladen holzten sich die Todesmetaller durch ihr Set und hinterließen nach etlichen Circle- und Moshpitkämpfen nur noch eine Schneise der Zerstörung. Hier wurden alle Register einer geilen Liveshow gezogen, auch wenn man nicht ganz so wild abging wie MORTAL AGONY zuvor. Stark!

 

Nach diversen Besetzungswechsel und deutlichen Kurkorrekturen dürften die US-Amerikaner LIVIDITY ihren Ruf als kultige Rumpelcombo spätestens mit dem letzten Album "Used, Abused, And Left For Dead" hinter sich gelassen haben. Heuer agiert mal wesentlich technischer und schneller, zwar noch immer textlich eher infantil-debil, musikalisch allerdings durchaus anspruchsvoll und zugegebenermaßen fett, dafür aber auch etwas charmbefreiter und gesichtsloser als noch zu kultigen "Age Of Clitorial Decay"-Zeiten. Besonders der coole IMPETIGO-Groove fehlt den sauber komponierten, deutlich komplexeren Stücken. Dennoch prügeln LIVIDITY keinen Deut weniger intensiv wie die Vorbands durch ihr Set. Brutale Dual-Vocals fern von nervigem Gefrogge, ein wenig groovendes New-York-Geslamme, rasende Blastbeats und immer mal wieder ein älterer Song, was dem sonst auf High-Speed-Stuff ausgelegten Set der Sickos aus Illinois deutlich die nötige Abwechslung verschafft und das Set angenehm auflockert. Das Publikum nimmt jeden blutigen Fetzen rohes Fleisch begierig auf, vor der Bühne kommt es zu heftigen Mosh-Eruptionen - LIVIDITY werden von Anfang bis Ende gehörig gefeiert und das ob des starken, tighten Auftritts mehr als zurecht. Auch wenn ich wohl nie ein großer Anhänger der vier Pornosüchtigen werde, diese Show, übrigens die letzte ihrer Europatour (weswegen am bandeigenen Merchstand alle CDs für 5€ rausgehauen wurden!), war durchweg gelungen....

 

... wie auch das gesamte Bringer Of Death Fest!

 

Bericht: Lobi

Layout: Lobi

Photos: von den jeweiligen MySpace Seiten der Bands

 

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