Bang your Head-Festival 2001


Freitag, 29.06.01

 

SOLITUDE AETURNUS

 

"What do you do here that early, we are not that good!"

Bescheidenheit mag ja eine Tugend sein, aber da hat der gute John Perez doch gewaltig untertrieben, als er sich derart erstaunt zeigte, daß sich um 10.45 Uhr bereits etliche Fans versammelt hatten, um die Kult-Doomer abzufeiern. Daß Doom Metal natürlich eigentlich in der grellen Sonne nicht gerade perfekt plaziert ist, dürfte klar gewesen sein, doch das hat die Texaner nicht weiter gestört. So haben sie einen durchaus mitreißenden Gig abgeliefert, der so manchen Hit offenbarte. Songs wie "Hourglas" oder "Days Of Prayer" sind auch bei brütender Hitze überaus genial, und zehren vor allem von der unglaublichen Ausstrahlung vom neuerdings kurzgeschorenen Ausnahmesänger Robert Lowe. 

Daß allerdings ausgerechnet die übrige Setlist zu wünschen übrig ließ ist doch sehr schade, und der einzige wahre Wehrmutstropfen. Denn wenn Göttersongs wie "Opaque Divinity", "Eternal", "Destiny Falls To Ruins" oder "Where Angels Dare To Tread" fehlen, dann ist das schon fast unverzeihlich! Aber Schwamm drüber, denn gut war der Auftritt auf jeden Fall, und das zeigten auch die guten Reaktionen der Fans. (Hage)

 

BRAINSTORM 

 

In der bereits unerträglichen Mittagshitze um 11.45 Uhr betraten die fünf Jungs von BRAINSTORM die Bühne und legten mit dem Opener "Crush Depth" von der 2000er-Scheibe "Ambiguity" auch gleich mächtig los. Das Quintett agierte sehr spielfreudig, und dass Sänger Andy (SYMPHORCE) ein sehr guter Frontmann ist, steht sowieso außer Frage. Es folgte mit "Demonsion" ein weiterer Song der letzten Scheibe, woran sich "Holy War" vom "Unholy"-Album nahtlos anschloss. Mit "Maharaja Palace" folgte ein kurzer Ausflug in orientalische Gefilde, während die noch nicht allzu zahlreichen Fans anschließend mit "Blind Suffering" einen neuen Song vom kommenden Album "Metus Mortis" zu hören bekamen, der äußerst vielversprechend klang. Trotz der Hitze und der verhältnismäßig frühen Zeit machte es einfach Spaß, dem eingängigen Power Metal der Deutschen zu lauschen. Und so war es auch recht schade, als BRAINSTORM nach "Tear down the Walls" (was für ein Hammersong!!! - Hage) und "Liar’s Edge" (vom Debüt-Album "Hungry") nach einer guten halben Stunde auch schon wieder von der Bühne mussten. Aber die nächste Gelegenheit kommt bestimmt! (Joe)

 

KAMELOT

 

Obwohl KAMELOT eine der wichtigsten Bands waren, wegen denen ich nach Balingen gefahren war, verpasste ich trotzdem leider einen Teil ihres Auftritts. Ein großer Fehler, wie sich bald herausstellte, denn die Jungs um Gitarrist Thomas Youngblood und Sänger Khan waren wieder eine Klasse für sich. Dies war bereits der dritte KAMELOT-Auftritt, den ich in den letzten Jahren sah, und ich muss sagen, dass die Band von Gig zu Gig besser wird. Khan ist inzwischen ein völlig selbstbewusster und cooler Frontmann, der die Massen völlig im Griff hat, von seinen überragenden gesanglichen Leistungen ganz zu schweigen. Aber auch auf instrumentaler Ebene war alles im Lot, und so gaben die Jungs grandiose Songs wie "Forever", "Nights of Arabia", "The Fourth Legacy" oder "Wings of Despair" zum Besten. Der Sound war natürlich auch wieder erste Sahne (wie übrigens bei fast allen Bands). Und die Stimmung im Publikum war ebenfalls hervorragend und zeigte auf, welchen großartigen Status KAMELOT inzwischen in Deutschland haben. Für mich jedenfalls (trotz des halb verpassten Gigs) eines der Highlights auf dem diesjährigen "Bang your Head"-Festival. Bitte mehr davon!!! (Joe)

 

VICIOUS RUMORS

 

Zu VICIOUS RUMORS gibt’s dann nicht allzu viel zu sagen, da die Amis ja schon am Donnerstag Abend im Club eine Art Best Of von ihren zahlreichen Alben gespielt hatten und Kollege Hage darüber schon ausführlich berichtet hat. Die Songlist auf der Hauptbühne war dann auch nahezu identisch, denn auch hier kamen Songs wie "Digital Dictator", "On the Edge" oder "Sadistic Symphony" zum Zuge. Insgesamt gefiel mir der Open Air-Auftritt nicht ganz so gut wie der Club-Gig, aber nichtsdestotrotz verstanden sie es, die Menge mit ihren Power Metal-Songs zu begeistern. Ich bin mir sicher, dass VICIOUS RUMORS nach den eher schwächeren letzten Alben wieder auf dem Weg nach oben sind. (Joe)

 

KREATOR

 

Eines DER Highlights des diesjährigen BYH war eindeutig der Auftritt des wiedererstarkten Thrash-Urgesteins um Mille Petrozza. Denn nach dem für KREATOR-Verhältnisse eher schwachen ‘Endorama‘-Album scheinen sich die Ruhrpott-Recken tatsächlich wieder auf ihre alten Stärken zurückzubesinnen. Wie anders läßt es sich ansonsten erklären, daß sich in der Setlist ein Knaller an den anderen reihte? Eröffnet mit dem ‘Coma Of Souls‘-Kracher "Terror Zone" folgten bei vorzüglich druckvollem Sound mit "Phobia", "Extreme Aggression", "Renewal", "Lost", "Leave The World Behind", "Pleasure To Kill" und "People Of The Lie" nur Songs, die auch auf jede Best-Of-Scheibe der Jungs gehören!

Was dann aber folgte war die größte Überraschung: KREATOR präsentierten mit "Servant In Heaven, King In Hell" (was für ein genialer Titel!) einen brandneuen Track, der einen absoluten Hammersong darstellt! Wenn das restliche neue Material dieses Level halten kann, dann steht uns wohl eine superbe Killerscheibe ins Haus. Zum Ausklang des erstklassig mitreißenden Gigs hämmerten Mille & Co. noch "Terrible Certainty" und ein Medley aus "Flag Of Hate" und "Tormentor" unters begeisterte Volk, und wurden verdientermaßen lautstark abgefeiert. Ich möchte gar behaupten, daß KREATOR mit diesem Auftritt das Highlight des ersten Tages waren, auch wenn da noch Bands wie SAVATAGE und JUDAS PRIEST folgten. Basta! (Hage)

 

 

ARMORED SAINT

 

Wenn man den Auftritt der Kult-Metaller mit dem vom letzten Jahr in Wacken vergleicht, dann zieht der BYH-Gig eindeutig den kürzeren. Das heißt nun nicht, daß die 55 Minuten schwach waren, jedoch war in Wacken seinerzeit die Spielfreude und die Action auf der Bühne wesentlich intensiver, und auch die Songauswahl ein wenig besser. Natürlich kamen aber auch in Balingen Klassiker wie "March Of The Saint" (der Opener), "Can You Deliver", "Tribal Dance" oder "Reign Of Fire" zum Zuge, und konnten natürlich gerade wegen der grandiosen Stimme von John Bush überaus überzeugen. Mit "Real Swagger" wurde auch ein brandneuer Song von der aktuellen Raritätensammlung ‘Nod To The Old School‘ zum Besten gegeben, der im Gegensatz zum Material vom letztjährigen Comebackwerk ‚Revelation‘ gleich zünden konnte. Zum von den Fans gefeierten Abschluß spielten die Mannen um Joey Vera dann noch "Long Before I Die", das dennoch das Ende eines sehr guten Gigs darstellte. (Hage)

 

Setlist:

March of the Saint
Can U Deliver
Reign of Fire
Real Swagger
Den of Thieves
After Me, The Flood
On the Way
Book of Blood
Tribal Dance
Long Before I Die

 

ROSE TATTOO

 

Der Auftritt der Kult-Rock’n’Roller ROSE TATTOO war leider nicht so stark besucht wie ich erwartete, was aber stimmungstechnisch kein Einbruch war. Die Rocklegenden Angry Andersson und Pete Wells, sowie ihre tätowierten Brüder, zelebrierten ihren Gig mit tierisch viel Spaß und natürlich einer Flasche vom feinsten amerikanischen Whisky. Mit ihren ganz eigenen Art vermischten sie dreckigen aber guten Rock mit einem Schuß Blues und Seventies Feelin’ und feierten einfach nur eine tierisch geile Party mit den Fans! (Tom)

 

URIAH HEEP

 

Mit URIAH HEEP enterten 30 Jahre Rockgeschichte die Bühnenbretter. Mit "Return to Fantasy" trat die Truppe um Rock-Urgestein Mike Box gleich richtig in die Pedale. Man fühlte sich in die guten alten Siebziger zurück versetzt und spürte das Feeling, das schon unsere Eltern in Ekstase trieb. Mike Box spielte seine Les Paul mit gewohnt spielerischer Inbrunst, gesanglich waren bei Bernie Shaw jedoch kleine konditionellen Defizite zu bemerken, was auch eine Erklärung dafür wäre, daß Sie für meinen Geschmack zu viele Instrumental-Parts brachten. Mit ihren Klassikern "Look at yourself", "Stealin’ ", "Gypsy Queen" und "Easy Livin’ " trafen Sie jedoch genau ins Metaller-Herz und präsentierten diese mit größtenteils sehr präzisem Zusammenspiel, was mit Sicherheit auch am sehr gut gemischten Sound gelegen hat. Nur, wo war in Gottes Namen "Lady in Black"? Das Stück, auf das viele sehnlichst gewartet haben (yep, so sieht´s nämlich aus! Buhhh! – Hage), wäre besser plaziert gewesen, als diese doch ziemlich trägen Instrumental-Einlagen. Dann wäre dieser Gig wahrscheinlich nahe an meine Top 10 herangekommen. (Tom)

 

SAVATAGE

 

Nach langem Warten war es endlich soweit, mein Festival-Highlight SAVATAGE enterte die Bühne. Ich war doch sehr gespannt auf den so hochgelobten, erst 26jährigen (!!!), neuen Frontmann Damond Jiniya. Doch wenn ich auch größte Zweifel daran hegte, daß jemand auch nur annähernd an Zak’s Sangeskunst herankommen würde, waren diese sofort beseitigt. Er singt zwar manche Passagen noch einen Tick zu vorsichtig, so zum Beispiel bei "Chance" und war auch bei "Gutter Ballet" nicht hundertprozentig synchron mit der Band, doch denke ich, daß das nur Kleinigkeiten sind, die sich mit der Zeit noch festigen. Soundtechnisch war alles in Butter, Chris Caffery und der Neu-Gitarrero Jack Frost ergänzten sich hervorragend, nur Jon’s Keyboard-Elemente waren sehr schlecht abgemischt und verloren sehr an ihrer sonst so stimmungsbringenden Präsenz. Mit der Songauswahl lagen SAVATAGE eindeutig goldrichtig, spielten mindestens einen Song der größten Hitalben. Mit "Edge Of Thorns", "Surrender" (vom neuen Album ‘Poets And Madmen‘), "Welcome" (von The Wake Of Magellan), "Dead Winter Dead" sowie balladeskem vom Kult-Silberling "Streets" hat die Truppe um Mountain-King Jon Oliva ihr hohes musikalisches Potential wieder einmal belegen können und spielte sich in die Herzen von alten und neuen Sava-Fans. (Tom)

 

JUDAS PRIEST

 

Zum Ende des ersten Tages betrat dann der Metal Gigant JUDAS PRIEST die Bühne und eröffnete gleich mit dem Reiser "Metal God", dicht gefolgt von "Headin` out to the Highway". Ich habe diese normalen Rocksongs von den Briten nie so richtig gemocht, wobei ich dann mit dem nächsten Stück "Touch of Evil" besser bedient war. Im übrigen war das Stageset beeindruckend aufgebaut und Sänger Ripper Owens fügte sich dabei mit seinem silbernen Metal(l)-Mantel hervorragend in das Gesamtbild ein (ich fand diese Lametta-Kluft eher peinlich – Hage). Er war es auch, der das Publikum von der ersten Note an in der Hand hatte und für gewaltig Stimmung sorgte, was man trotz Hammersongs wie "Blood Stained", "Victim of Changes", "One on One", "The Ripper", "Diamonds and Rust", "Green Manalachi", "Breaking the Law", "Anther Thing coming", dem obligatorischen Kultsong "Painkiller", sowie auch den Zugaben "The Hellion" inklusive "Electric Eye", "United" und "Living after Midnight", von der Gitarrenfraktion Tipton und Downing nicht behaupten konnte. Lediglich mit der Gitarre hoch und runter wackeln reicht da nun mal nicht, meine Herren. Nehmt euch da mal getrost ein Beispiel bei den wahren Metal-Königen IRON MAIDEN (oh nein, nicht schon wieder diese Laier! – Hage)! Nichtsdestotrotz war der Auftritt dennoch beeindruckend und ich müßte lügen, wenn ich sagen würde, das Konzert wäre nur Mittelmaß gewesen. (Sascha)

 

 

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