AMORPHIS / SWALLOW THE SUN / INSOMNIUM

18. November 2007 - Pratteln (CH) / Z7


 

Ein feines, finnisches Package reiste da in den vergangenen Wochen durch Europa: die Dark Metaller AMORPHIS, welche ja mit "Silent Waters" dieses Jahr ein starkes neues Album veröffentlicht haben, zusammen mit den Doom-Death-Metallern SWALLOW THE SUN sowie wohl einer der aktuellen Melodic-Death-Hoffnungen schlechthin, INSOMNIUM. Drei stilistisch recht unterschiedliche Bands, das versprach ein interessanter, abwechslungsreicher Konzertabend zu werden - und so war's dann auch...

INSOMNIUM zählen für mich wie gesagt zu den derzeit besten Melodic-Death-Metallern überhaupt - einen Status, den sie sich vor allem mit dem fantastischen letzten Album "Above the Weeping World" erarbeitet haben. Schon bei der letzten SATYRICON-Gastspielreise als Support dabei, verpassten wir die Hopefuls in Stuttgart damals leider aufgrund stark vorgezogener Spielzeiten. Glücklicherweise passierte das in Pratteln nicht, und so enterten INSOMNIUM pünktlichst um 20 Uhr die Bühne des geräumigen Z7. Los ging's mit dem grandiosen Doppel "The Gale" / "Mortal Share" vom neuen Album, und sofort machte sich die gleiche Magie breit wie auf dem letzten Longplayer. Zum Glück verfügte das Quintett über einen astreinen, differenzierten und druckvollen Sound, so dass die vielen melodischen Gitarren-Leads bestens zur Geltung kamen. Im Laufe des 45-minütigen Gigs folgten weitere Killer-Tracks à la "The Day it all came down", "The Killjoy", "Devoid of Caring" oder "The Elder", die sich allesamt als melodische Death-Metal-Nummern erster Klasse entpuppten. INSOMNIUM scheinen sich über die Jahre zu einer souveränen, eingespielten Live-Truppe gemausert zu haben, jedenfalls herrschte viel Bewegung auf der Bühne und man sah den Burschen den Spaß an der Sache deutlich an. Weitere Pluspunkte konnte man mit den durchweg deutschen Ansagen von Sänger / Basser Niilo sammeln, der sich als sympathischer, gutgelaunter Frontmann zeigte. Die recht ansehnliche Zuschauerschar (ich würde mal grob auf 500 Besucher tippen) feierte die Finnen zu Recht gnadenlos ab und dürfte auch das eine oder andere (leider etwas überteuerte) Shirt verkauft haben. Sensationeller Gig einer wirklich vielversprechenden Band. Mehr davon!!!

Nach lediglich 10 Minuten Umbaupause (Kompliment an die Z7-Crew) bestiegen SWALLOW THE SUN die Bühne, wobei ich vorwegschicken muss, dass mir die vorwiegend schleppenden Doom-Death-Epen der Finnen auf CD zwar gefallen, mit der Zeit aber doch etwas eintönig werden. Im Prinzip bestätigte sich dieser Effekt auch auf der Bühne, denn anfangs kam die düstere, endzeitliche Stimmung der Mini-Epen live sehr gut rüber. Neben Stücken des aktuellen Albums "Hope" bekam man auch mehrere ältere Songs wie "Out of this gloomy Light" oder "The Ship" zu hören. Das Stageacting wirkte insgesamt etwas zu statisch, wurde aber gelegentlich bei etwas heftigeren Eruptionen (die es ja durchaus gibt im SWALLOW'schen Sound) durch wildes Gebange auf der Bühne kompensiert. Und nicht nur auf der Bühne, auch vor der Bühne war teilweise der Teufel los und machte deutlich, dass die Finnen schwer angesagt sind. Trotzdem bleibe ich dabei: mit der Zeit war mir die Geschichte dann doch einen Tick zu eindimensional, zumindest im direkten Vergleich mit den vorangegangenen, grandiosen INSOMNIUM.

Headliner des Abends waren schließlich AMORPHIS, die mit den letzten beiden Scheiben "Eclipse" und "Silent Waters" bei mir wieder einiges an Boden gutmachen konnten, nachdem man mit den Vorgängerwerken doch etwas abgedriftet war. Schon auf dem diesjährigen Bang Your Head Festival in Balingen konnten mich die Finnen mit einer energiegeladenen Show und einer tollen Songauswahl begeistern, und auch in Pratteln konnten sie vor einer beachtlichen, inzwischen nochmals deutlich angestiegenen Zuschauerzahl so richtig abräumen. Es scheint so, als ob die Finnen mit ihrem melancholischen, trotzdem aggressiven Dark Metal ziemlich den Nerv der Zeit treffen. Und Sänger Tomi Joutsen stellt sich auch live als absoluter Glücksgriff heraus, denn zum einen ist er einfach ein smypathischer Frontmann mit Ausstrahlung, zum anderen schafft er es mühelos, sowohl die (häufigen) melodischen Parts als auch die tiefen Grunts perfekt rüberzubringen. Die Songauswahl war absolut gelungen und erstreckte sich vom Debüt ("Sign from the North Side") bis hin zum aktuellen Album, dabei eigentlich fast jedes Album mit mindestens einem Song abdeckend, darunter zum Beispiel "The Smoke", "In the Beginning", "Against Widows", "Silent Waters", "Alone", "My Kantele", "House of Sleep", "In the Beginning" und natürlich als letzte Zugabe den "Tales from the 1000 Lakes"-Hit "Black Winter Day". Ein würdiger Headliner eines insgesamt wirklich lohnenswerten Konzert-Events, keine Frage, aber die Gewinner des Abends waren trotzdem in meinen Augen INSOMNIUM!!

 

Bericht & Layout: Joe
Fotos: Stefan Dollmann


 

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