WYTCHCRAFT (Oktober 2005)


 

 

Mit „I Taste Your Fucking Tears Of Sorrow” bringen WYTCHCRAFT nach diversen Demos ihren ersten Longplayer ebenfalls in Eigenregie auf den Markt. Ein Album dass im Grunde alle Doomfreaks ansprechen dürfte. Aber dennoch kann man das gehörte nicht einfach in diese Schublade pressen, denn WYTCHCRAFT verarbeiten noch diverse andere Einflüsse, was das Ganze relativ eigenständig tönen lässt. Darüber unterhielt sich Ralf mit Saitenquäler Daniel und Sänger Kai.

 

Hi Daniel, hier der Ralf. Wie geht’s denn so?

 

Daniel: Mir geht es gut, danke der Nachfrage. Ich genieße zum ersten Mal seit etwa drei Jahren meine Semesterferien.

 

Ihr habt gerade Euer “I Taste Your Fucking Tears Of Sorrow“ Album auf die Menschheit losgelassen - wie waren die Reaktionen bisher?

 

Daniel: Im Großen und Ganzen waren die Reaktionen auf das Album wirklich sehr zufrieden stellend. Wir haben überwiegend positive Rezensionen erhalten oder solche, die auf jeden Fall fair waren - denn dass das Album nicht perfekt ist und es durchaus Punkte gibt, die man kritisieren kann, darüber sind wir uns ja auch selbst im Klaren. Auch interviewtechnisch läuft es sehr viel versprechend und um einiges besser, als bei der letzten Mini-CD. Den Leuten, die CD bisher gehört haben, scheint es auch zu gefallen. Wenn das Ganze jetzt noch mit entsprechenden Verkaufszahlen einhergehen würde, wären wir glücklich.

 

 

Bei uns gab es ja eine Plus/Minus-Kritik. Während der Hage das Album nicht so mochte, finde ich es geil. Habt ihr das öfters, dass sich an euch die Geister scheiden?

 

Daniel: Ja, durchaus. Wie schon erwähnt, waren zwar die meisten Kritiken positiv, aber es hat auch durchaus einige wirklich böse Verrisse gegeben, auch in Magazinen, in denen wir mit unserer Mini-CD deutlich besser abgeschnitten haben damals, obwohl jeder, der beide Veröffentlichungen kennt, das neue Album für einen riesigen Fortschritt hält. Es kommt halt immer darauf an, in wessen Hände eine Promo-CD gerät, das ist eine reine Glückssache. Was auch in den fairen Rezensionen immer wieder erwähnt wird ist Kais Gesang, der auf jeden Fall sehr eigenwillig klingt und schon so ein "Love it or hate it"-Ding ist. Von echter Begeisterung bis zu Bezeichnungen wie "die wohl sinnloseste Veröffentlichung des Jahres" war an Kritiken bisher jedenfalls alles vertreten, haha.

 

Man kann ja zum Gesang von Kai denken was man will, Fakt ist, dass das Leiden und die Pein gut rüberkommen. Kai, was ist denn Dir widerfahren, dass Du so leidest?

 

Kai: Abgesehen von Banalitäten wie Geldmangel leide ich eigentlich überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Es war bislang nur so, dass die Musik genau diese Art von Gesang fordert, den ich auf dem Album von mir gebe. Für die Texte mit persönlichem Inhalt von mir nehme ich gern Situationen als Grundlage, die ich selbst erlebt habe, und überzeichne diese dann extrem negativ. Das hat den positiven Effekt, dass ich mich in der Band immer schön auskotzen kann, wodurch es mir offensichtlich im Alltag immer ziemlich gut geht.

 

 

Ihr seid zwar bereits auf dem Doom Shall Rise-Festival aufgetreten, seht euch aber nicht als typische Doomband… oder?

 

Kai: Das kann man wohl mittlerweile nicht mehr sagen - obwohl wir alle Doom lieben! Ich kann auch nicht genau sagen, warum wir keinen typischen Doom spielen - das hatte ich eigentlich vor, als ich vor einigen Jahren auf der Suche nach einer entsprechenden Band war, aber unsere Musik ergibt sich irgendwie von selbst und klingt dann eben so, wie sie klingt.

 

Daniel: Als wir die Band gegründet hatten, war es zunächst auch unser Ziel typischen Doom zu spielen, allerdings den eher episch ausgerichteten a la CANDLEMASS. Dass wir mittlerweile einen ziemlich eigenständigen Sound haben, finde ich erfreulich - dass dieser recht untypisch für Doom klingt stört mich nicht und liegt wohl am breiten stilistischen Spektrum der von uns favorisierten musikalischen Genres. Doom ist der kleinste gemeinsame Nenner, Einflüsse aus anderen Stilen fließen aber durchaus auch in unseren Sound ein.

 

Was wären eure Haupteinflüsse?

 

Kai: Bei mir wäre das ENTOMBED, BEYOND BELIEF, MERCYFUL FATE, SAINT VITUS, SOLITUDE AETURNUS und LAMENTED SOULS.

 

Daniel: Meine Haupteinflüsse sind wohl CANDLEMASS, SOLITUDE AETURNUS, MEMORY GARDEN und IRON MAIDEN. Durch letztere ist mein Gitarrenspiel maßgeblich geprägt worden. Ich höre aber auch viel Prog und folkige Musik, was sich ab und an auch als Einfluss in unseren Songs wiederfindet. Außerdem mögen wir eigentlich alle sehr gerne BATHORY, wodurch sich der leichte Viking-Touch in einigen unserer Kompositionen wohl erklären lässt.

 

 

Gibt’s bereits interessante Angebote von Labels?

 

Kai: Nein, bislang nicht.

 

Daniel: Wir haben auch im Vorfeld überlegt, ob es Sinn macht mit dem fertigen Album an diverse Labels heranzutreten, haben uns dann aber doch dagegen entschieden. Es rechnet sich wohl erst ab einer bestimmten zu erwartenden Verkaufszahl, mit einem Label zusammenzuarbeiten, und die erreicht man mit unserer Musik, mit der wir zwischen allen Stühlen sitzen, nicht so einfach.

 

Folglich müsste Euch das typische Schubladendenken in der Metalszene abnerven…?

 

Kai: Eigentlich nicht wirklich. Schubladendenken als grobe Kategorisierung von Musik ist sicherlich wichtig. Und die Leute, die so engstirnig sind, dass sie einer Veröffentlichung ausschließlich dann eine Chance geben, wenn es "True was-weiß-ich-was Metal" ist, sind mir da ziemlich egal. Wenn sie meinen, dass sie dadurch ein besseres Leben haben - viel Spaß dabei!  Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ja, es gibt jede Menge geiler True Doom Bands!

 

Zählt heute noch eine Band etwas, die individuell und originell klingt?

 

Kai: Wahrscheinlich weniger - höchstens für eine kleine Hand voll Leute. Warum sonst füllen diverse schmierige Pop-Girlies ganze Hallen und zu THE HIDDEN HAND kommen gerade mal 40 Zuschauer? Entweder man spielt die Musik primär für sich selbst oder man legt es von Anfang an drauf an, erfolgreich zu sein - wer beides schafft, muss erstens verdammt gut sein und zweitens verdammt viel Glück haben - (was auf uns beides nicht zutrifft, hehehe...)

 

 

Wer sind die beiden Schnecken auf dem Cover? Sieht irgendwie gothic-like aus…

 

Daniel: Das sind Susi und Hilke, zwei Models, mit denen Markus in der Vergangenheit bereits beruflich zusammengearbeitet hat, wie auch mit Ekkhart, dem Fotografen, der die beiden abgelichtet hat. Dass das Cover dadurch ziemlich gothic-mäßig aussieht und mögliche Scheuklappen-Doomer abschrecken könnte, war uns durchaus bewusst, haben wir aber in Kauf genommen, da wir das Motiv einfach cool fanden. Es ist ja auch ganz lustig zu beobachten, dass nun auch in unserer Musik von einigen Leuten ein Gothic-Einfluss entdeckt wird, obschon sich diese meiner Meinung nach nicht groß verändert hat im Vergleich zur letzten Veröffentlichung.

 

Eure persönliche Top-Ten, bitte!

 

Kai: Da wir das Interview zu zweit beantworten, teilen wir uns die Top-Ten auf. Meine Favoriten wären.

Entombed - In The Flesh

Bolt Thrower - The 4th Crusade

Saint Vitus - Mystic Lady

Rotting Christ - Non Serviam

Trouble - Psalm Nine

Varathron - His Majesty At The Swamp

 

Daniel: Dann werde ich mich mal auf meine Top-Four beschränken:

Candlemass - A Tale Of Creation

Solstice - Cimmerian Codex

Solitude Aeturnus - Eternal (Dream Part II)

Edge Of Sanity - Enigma

 

 

Was kotzt euch an der momentanen Metalszene am meisten an?

 

Kai: Die meisten Veröffentlichungen klingen mir dank neuester Studiotechnik viel zu synthetisch und glattgebügelt. Mir ist ein Demo-Tape mit grottigem Proberaumsound, aber geilen Liedern allemal lieber als ein vollwertiges Album, auf dem zwar ein paar gute Songs stehen, die aber aufgrund der langweiligen Produktion wie tausende Veröffentlichungen davor klingen.

 

Daniel: Mit grottigem Proberaumsound habe ich zwar so meine Probleme, im Großen und Ganzen kann ich dem aber zustimmen. Mich kotzt am meisten an, dass die Hörerschaft immer noch jeden Monat mit unzähligen Veröffentlichungen überflutet wird, die handwerklich zwar gar nicht schlecht gemacht sind, die aber völlig identitätslos klingen und ohne wirklich große Ideen daherkommen. Da frage ich mich immer: Wer soll das alles kaufen? Eine Ressourcen-Verschwendung sondergleichen.

 

Wie sieht es aus an der Livefront?

 

Daniel: Es geht wieder langsam aufwärts, könnte aber besser sein. Jetzt gerade haben wir wieder ein paar Auftritte hinter uns gebracht, und nun steht ein Gig in Datteln an,  zusammen mit den niederländischen WHISPERING GALLERY und GORILLA MONSOON aus Dresden. Da freue ich mich schon tierisch drauf. Wir müssen aber noch mehr dafür tun, Live-Auftritte an Land zu ziehen, da waren wir in der letzten Zeit zugegebenermaßen etwas faul.

 

Wie seht ihr euren Auftritt auf dem DOOM SHALL RISE im Nachhinein? Wie seid ihr bei den ganzen Doom-Puristen angekommen?

 

Daniel: Mit unserer Leistung dort bin ich im Nachhinein nicht mehr ganz zufrieden. Das habe ich aber schon ziemlich schnell nach dem Auftritt gemerkt und auch so gesagt. Es fehlte uns vielleicht auch einfach noch an Live-Erfahrung. Trotzdem waren die Reaktionen im Publikum durchaus gut, wenn auch natürlich nicht jeder mit unserem Sound etwas anfangen konnte und wir in den Live-Berichten größtenteils eher schlecht weggekommen sind. Ich glaube, dass die Doom-Puristen live noch am ehesten mit unserem Sound etwas anfangen können, da wir dort im Gegensatz zu den Studio-Aufnahmen ja auf die Keyboards verzichten und um einiges erdiger klingen.

 

 

Welche Frage fehlt noch?

 

Daniel: Die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest. Nein... eine Frage, die uns sehr oft gestellt ist, lautet: "Warum habt ihr euch dafür entschieden Doom zu spielen?" Ich bin aber froh, dass du diese Frage nicht gestellt hast.

 

Was gibt’s noch loszuwerden?

 

Daniel: Vielen Dank für die Unterstützung, Ralf. Wir hoffen, das Interesse einiger Leser geweckt zu haben. Schaut doch einfach mal auf unserer Website - www.wytchcraft.info - vorbei und hört mal rein.

 

Interview & Layout: SasH

 

Offizielle Homepage:

 

www.wytchcraft.info

 

Die Band:

 

 

Eric Asmussen – Bass
Markus Kratz – Guitars
Fabian Regmann – Drums
Kai Tubbesing – Vocals
Daniel Westheide – Guitars

Die Diskografie:

"Wytchcraft"

(1999, CD-R, demo)

"To Die In The Arms Of Winter"

(2002, CD-R, demo)

"Grenzgänger"

(2003, MCD, self-released)
 


"I Taste Your Fucking Tears Of Sorrow"

(2005, CD, self-released)
 

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