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THE OCEAN (Januar 2006) |
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Wenn man mich
fragen würde: „Hey, welches ist den für dich die geilste Scheibe 2005?“, würde
ich sofort antworten: THE OCEANs „Aeolian“! Kein anderes Album im vergangenen
Jahr hat so einen tiefen Eindruck und eine solche Begeisterung bei mir
hinterlassen, wie das neue Meisterwerk der Berliner, das mich allerdings auch
durch seine unerwartete Härte mehr als überrascht hat. Infolgedessen schickte
ich einige Fragen über den vermeintlichen „Stilwechsel“ und die Geburt ihres
wahrlich monströsen Zwillings gen Berlin, die mir mehr als ausführlich von Nils
(Visuals) und Robin (Gitarre) beantwortet wurden. Aber lest selbst:
Hallo erstmal und von meiner Seite herzlichen Glückwunsch zu „Aeolian“ - für mich persönlich DIE Scheibe des Jahres 2005, wie auch schon „Fluxion“ DER Überflieger 2004 war. Echt superfett geworden, das Teil. Aber genug geschleimt, wie schaut’s aus in Berlin?
Robin: Bestens, danke... na ja, der übliche Weihnachtsterror halt gerade gepaart mit der Promo fürs Album, ist halt alles gerade ein Haufen Arbeit, aber wir beschweren uns nicht...
Steigen
wir gleich ein, das Thema ist klar: „Aeolian“ und somit auch „Fluxion“. Nun sind
beide Alben quasi als Zwillinge Euren Hirnen entsprungen und zum großen Teil in
einer einzigen Session aufgenommen worden, und doch können sie kaum
unterschiedlicher klingen. Beide auf ihre Art mächtig und brachial und doch
absolut verschieden. Seht ihr beide Werke als eine Einheit oder als unabhängig
zum Leben erweckte Monstren?
R: Ein bisschen von beidem. Die beiden Scheiben gehören für mich schon zusammen, sie sind in derselben Session aufgenommen worden und die Songs stammen alle aus derselben Zeit. Andererseits haben wir uns, als klar wurde, dass wir die Songs überhaupt aufteilen müssen, dass es also kein Doppelalbum wird, wie ursprüngliche geplant, auch bewusst dafür entschieden, die Songs so aufzuteilen, dass die beiden Alben sich am Ende voneinander unterscheiden würden, dass sie zwei verschiedene Gesichter des Ozeans zeigen würden. Alles andere wär ja langeweilig.
“Fluxion“ lässt noch einigermaßen klar die Richtung weiterverfolgen, die schon von „Fogdiver“ her zu vermuten war, ganz im Gegensatz zu Eurem neuesten Werk. Ist „Aeolian“ für Euch nun eher eine evolutionäre Entwicklung aus dem „Fogdiver“ Sound heraus, wie es „Fluxion“ offensichtlich war, oder ein revolutionärer Akt, ein Umkrempeln des Gewesenen - ein Neuanfang?
R: Jedes
Album ist für uns immer irgendwo ein Neuanfang. Wenn ein Album fertig ist, ist
das ’ne enorme Erleichterung, und man fängt
dann immer irgendwie wieder bei Null an. Selbst
bei "Fluxion" und "Aeolian" war das so, obwohl die Basictracks - Schlagzeug und
Gitarre - schon aufgenommen waren,
fühlte es sich wie ein Neuanfang an, als wir, nachdem "Fluxion" gemastert war,
dann wieder bei "Aeolian" weitergemacht haben. Man lernt ja auch eine ganze
Menge während des Aufnahme- und Mixprozesses und entwickelt andere Strategien,
andere Herangehensweisen, andere Sounds. Andererseits waren die Songs eben
wirklich kein Neuanfang, manche Songs auf "Aeolian" sind älter als einige der
Songs auf "Fogdiver". "Queen of the Food-Chain" z.B. von der "Aeolian" ist ein
Song, den wir seit über 3 Jahren live spielen. Wir hatten einfach einen
Riesenfundus von Material und haben uns für das jeweilige Album immer die Songs
rausgepickt, auf die wir gerade Bock hatten. Im Falle von "Fogdiver" waren das
Kompositionen, die so wie sie waren eigentlich fertig waren, da brauchte es
keinen Gesang mehr. Anschließend kam das "Fluxion / Aeolian" Projekt, wir haben
uns damals gedacht: nehmen wir doch einfach alle Songs, die wir haben, mal auf
und dann schauen wir, was wir damit machen. Das haben wir dann getan, und es
zeichnete sich recht bald ab, dass wir nicht alles in einem Zug raushauen
können werden. Und da
haben wir dann also die Songs aufgeteilt, die
atmosphärischen, etwas
gediegeneren Stücke sind auf "Fluxion"
gelandet, die ziemlich brachialen Nummern auf "Aeolian". Dass wir "Fluxion" dann
zuerst rausgepolkt haben liegt wie Du ganz richtig erkannt hast daran, dass
diese Songs eine bessere Brücke zum "Fogdiver"-Material bauen. Ich meine, viele
Leute sind jetzt mit "Aeolian" schon reichlich verwirrt, obwohl wir sie mit "Fluxion"
quasi vorgewarnt hatten... was wäre denn passiert, wenn wir "Aeolian" nach "Fogdiver"
veröffentlicht hätten! Wir stoßen die Hörer gerne etwas vor den Kopf, das ist
Teil des Spiels, aber man muss auch aufpassen, dass man ihnen nicht zuviel
zumutet.
Künstlerisch gesehen ist "Aeolian" also kein Neuanfang, das Album zeigt eine Seite von uns, die es immer schon gegeben hat, und wer uns live gesehen hat, der ist mit dieser Seite auch durchaus vertraut. Das Album war eher eine Art Experiment, wie unsere musikalische Herangehensweise im Kontext einer Reduzierung auf ein "klassisches" Rock Line-up, sprich Schlagzeug, Bass, Gitarren, Gesang, funktionieren kann, ohne die großen Instrumentierungen auf "Fluxion". Ein gelungenes Experiment, wie wir finden, aber eben bloß ein Experiment und keine Entwicklung.
Um weiter beim neuen Album zu bleiben: Nicht nur musikalisch wird ein Übermaß an Abwechslung geboten, sondern es wirken auch nicht weniger als sechs Stimmen auf „Aeolian“ mit, darunter nicht gerade unbekannte Gäste. Erfolgte die Wahl der Gastshouter eher zufällig und nach Verfügbarkeit und wie habt ihr es geschafft, die Erwählten auch noch ins Studio zu bringen? Es handelt sich bei den Gastvocals ja auch nicht gerade um ein paar Textzeilen der einzelnen Shouter….
Nils: Die
Wahl der Sänger war alles andere als zufällig. Der Grund, warum es genau Tomas
(Hallbom, Ex-BREACH - Godz!!! - der Verf.),
Nate und eben Sean (Ingram, Ex-COALESCE - der Verf.)
waren, ist, dass ihre Bands nicht nur großartige Musik gemacht haben, sondern
für uns in gewisser Weise auch Seelenverwandte sind. Sie klingen zwar alle
höchst unterschiedlich, und meist auch ganz anders als wir, aber verkörpern
einen sehr ähnlichen Geist. Abgesehen davon sind die drei einfach großartige
Sänger, bei COALESCE z.B. waren es die Vocals, die immer für einen instanten,
unfehlbaren Wiedererkennungseffekt gesorgt haben. Und warum nicht dieses
Potential, welches ja, im Falle von Sean und Tomas, bereits einige Jahre brach
gelegen hatte (beide Bands gibt es seit einer Weile nicht mehr), wieder
aktivieren und für unsere Zwecke nutzen? Wir waren sehr überrascht und froh,
dass das alles so reibungslos geklappt hat. Alle drei haben auf unsere Anfragen
hin zugesagt. Und ihr Wort gehalten. Tomas haben wir aus Schweden eingeflogen
für's Aufnehmen und um mit ihm noch ein paar Shows zu spielen, Nate haben wir
nach einem CONVERGE-Konzert in Berlin zu uns ins Studio geholt, und Sean hat uns
seine Tracks per Post geschickt – auf den letzten Drücker zwar, aber mit einem
Ergebnis, welches über jeden Zweifel erhaben ist... Mit diesen drei Leuten ist
für uns ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen. Das soll natürlich nicht
heißen, dass keine Wünsche mehr offen wären. Tom Waits und Diamanda Galas
gehören zu den nächsten, die Anfragen von uns erhalten werden...
Wenn Du nun den Aufnahmeprozess der beiden Alben, also quasi die letzten knapp eineinhalb Jahre, Revue passieren lässt, welche Höhen und Tiefen habt Ihr während dessen als Band durchlebt und an welche Grenzen seid Ihr gestoßen? Wie nahe seid Ihr mit beiden Alben an Eure Ziele und Idealvorstellungen gekommen?
N:
Ich würde diese Zeit nicht unbedingt in Höhen
und Tiefen gliedern. Ich denke, das Entscheidende an diesen eineinhalb Jahren
war die enorme Weiterentwicklung der Maschinerie „THE OCEAN“. Die erste Platte „Fogdiver“
wurde in der Presse begeistert aufgenommen - was aber zu wünschen übrig ließ,
war der Erfolg „auf der Straße“. Aber als dann im Sommer 2004 „Fluxion“
erschien, welches die von dir angesprochene Phase einläutete, änderte sich das.
Das war genau die Zeit, in der wir unseren Kinderschuhen entwachsen sind, in der
wir endgültig den Schritt gemacht haben von der unbekannten Band, die in
selbstgebuchten Touren durch
kleine Punk-Schuppen zieht, hinein in professionellere Gefilde.
Zum Beispiel hatten wir, nach einer längeren DIY-Phase, endlich eine
Booking-Agentur gefunden und konnten endlich mehr Gigs spielen. Das Album war
stilistisch eindeutiger als das Debüt und die Tatsache, dass es in einer
gemeinsamen Aktion gleich von zwei Labels herausgebracht wurde, tat ihr übriges
– vor allem auch im europäischen Ausland. So kam es, dass unsere Konzerte nicht
nur zahlreicher wurden, sondern nun auch in einer ganz anderen Liga stattfanden.
Das war natürlich eine äußerst angenehme Sache, denn so langsam konnten wir die
Früchte der jahrelangen Arbeit einfahren – will heißen: Dinge verwirklichen, die
sich bis dahin schwierig gestaltet hatten. Mal ein komplettes Set durchspielen,
ohne dass die Sicherung rausfliegt, weil der Laden mit der Last unserer eigenen
Lichtanlage hoffnungslos überfordert ist. Mal so viel Platz auf der Bühne haben,
dass man sich auch zu siebt nicht auf die Füße tritt. Mal ein T-Shirt-Design mit
goldenem Aufdruck machen etc.
Die Alben an sich haben beide unserer Vorstellung ziemlich gut entsprochen – um genau das zu erreichen, haben wir ja auch so viel Zeit in den Produktionsprozess investiert. In diesem Zusammenhang ist es natürlich enorm von Vorteil, wenn man die Möglichkeit hat, in den eigenen Räumlichkeiten – unserem „Oceanland“ - aufzunehmen und zu mischen. Wir können, wenn wir wollen, wochenlang uns ausschließlich mit der Mikrofonpositionierung am Bass-Amp befassen. Gleichzeitig ist es während einer längeren Aufnahme-Phase dann aber auch immer so, dass uns das Tour-Fieber wieder packt. Nach ein, zwei Monaten muss man einfach mal wieder auf eine Bühne. Das extensive Live-Spielen ist ohnehin eines unserer Hauptziele (neben dem Produzieren feiner Alben natürlich). Und ich denke, da geht noch eine Menge. Wir haben zwar schon so einige Länder bespielt, aber das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. Touren durch England und Schweden fehlen noch, USA und v.a. Japan stehen natürlich auch auf der Wunschliste, aber auch „schwierige“ Regionen wie der wilde Osten oder vielleicht mal sogar Lateinamerika.
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Was bedeutet der Titel „Aeolian“?
N: Aeolos war der griechische Gott des Windes. Der Begriff „äolisch“ bezeichnet heute – neben einer Kirchentonart, um die es hier aber nicht geht – all jene Transformations- und Transportprozesse auf der Erdoberfläche, die vom Wind verursacht werden. Es gibt bizarre Felsgebilde, die allein durch vom Wind verwehten Sand geformt werden (wie ein Sandstrahler eben). Aber auch ordinäre Sanddünen sind ein Beispiel für äolische Vorgänge. Der Titel verdeutlicht die Zusammengehörigkeit mit dem Vorgänger. „Fluxion“ steht für all jene Prozesse, bei denen etwas fließt.
Wie sieht die Zukunft von THE OCEAN nun nach „Aeolian“ aus? In welche Richtung soll es nun weiter gehen?
R: Das ist jetzt noch ein wenig früh, das zu sagen. Wir haben uns jetzt erstmal allen Materials entledigt, was sich über die letzten 3 Jahre so angehäuft hatte, und jetzt ist es an der Zeit, neues zu schreiben. Da bin ich gerade mittendrin und ich bin schon ganz kribbelig... verraten will ich trotzdem nicht allzu viel, aber ich denke, dass wir auf dem nächsten Album auf jeden Fall weiter mit größeren Instrumentierungen arbeiten und unsere soundtrack-artige Seite weiter ausbauen werden. Ich würde die Kontraste zwischen traurig-atmosphärischen Parts und blindwütigen Attacken gerne noch vergrößern und versuchen, das musikalische Spektrum von "Fogdiver" bis "Aeolian" auf einem einzigen, in sich stimmigen Album unterzubringen. Das ist eine große Herausforderung.
Ebenfalls
als Neuanfang kann der Sprung von dem geschätzten spanischen Label Throne
Records bzw. Make my day zu Metal Blade gewertet werden. Wie kam es dazu, dass
ihr Euch ausgerechnet für ein Metal Label entschieden habt? Gerüchteweise waren
wohl auch Earache mehr als interessiert, weswegen fiel letzten Endes die Wahl
auf Metal Blade und was erhofft ihr Euch von diesem Deal?
N: Ja, auch Earache war in der engeren Auswahl; von denen gab es auch ein konkretes Angebot. Das Hauptargument für Metalblade war dann aber die Tatsache, dass sie hierzulande vertreten und somit wirklich greif- und erreichbar sind. Das konnten alle anderen nicht bieten. Relapse zum Beispiel, die durchaus Interesse hatten, brauchten Monate, um unsere Mails zu beantworten, nur um letzten Endes zu sagen, dass sie die Platte (welche ja schon seit Anfang 2004 praktisch fertig war) allerfrühestens Ende 2006 rausbringen können. Auch mit Earache war die Kommunikation extrem langsam. Ich denke, das hat vor allem damit zu tun, dass man als Band aus Deutschland, das ja nun wirklich nicht gerade der Exportweltmeister für extreme Musik ist, für solche Labels eher eine Marginalität darstellt, um die sich zu kümmern möglichst wenig Aufwand verursachen darf. Ganz anders Metalblade: die Kommunikation mit denen war extrem schnell. Da hat man wirklich gemerkt, dass echtes Interesse besteht. Und das bestätigt sich auch jetzt, nachdem der Vertrag längst unterzeichnet und das Album draußen ist. Die Art und Weise, wie die sich um uns kümmern, sucht echt ihresgleichen. Das Artwork von „Aeolian“ ist das aufwendigste in der Geschichte des Labels und die Promo-Arbeit, die sie für uns machen, ist absolut überwältigend. Innerhalb kürzester Zeit stapelten sich die Interview-Anfragen von Zines und Radiosendern des ganzen Kontinents, von Portugal bis Litauen... ich glaube nicht, dass das bei anderen Labels ähnlich gewesen wäre. Unsere Erwartungen wurden also mindestens erfüllt und in vieler Hinsicht sogar übertroffen.
War es überraschend, dass gerade so renommierte (Metal-) Labels Interesse an Euch zeigten?
R: Überrascht hat uns das nicht, erfreut hat es uns dann und in unserer Sache bestätigt. Wir wissen, dass wir wahnsinnig viel Zeit und Arbeit in diese Band reingesteckt haben, bevor irgendjemand überhaupt Notiz genommen hat von unserer Existenz, wir haben ein Jahr lang quasi 5x die Woche geprobt, bevor wir überhaupt das erste Mal auf die Bühne gingen im Jahr 2002. Insofern freuen wir uns, dass das ganze jetzt langsam auch international Früchte trägt, das wurde auch höchste Zeit...
Stilistisch seid Ihr ja im MB Stall einzigartig. Seht ihr da nicht ein gewisses Risiko zwischen den reinmetallischen Labelzugferden wie SIX FEET UNDER oder CANNIBAL COPRSE nicht nur Promo-technisch unterzugehen?
R: Ich sehe unsere Außenseiterrolle auf MB als große
Chance. Viele Hörer, die eher traditionalistisch unterwegs sind, haben eine hohe
Meinung von diesem Label und setzen sich daher ernsthaft mit den Platten, die
dieses Label veröffentlicht, auseinander, also auch mit uns - das sind z.T.
Hörer, die eigentlich einen anderen Musikgeschmack haben und aus eigenem Antrieb
eher nicht auf uns stoßen würden. Im besten Falle sind diese Leute dann aber
sehr positiv überrascht. Wir sind ein bisschen ein trojanisches Pferd im MB
Roster, jedenfalls sind wir nicht das, was die meisten Hörer von einer
MB-Veröffentlichung erwarten.
Insofern könnte uns, wenn wir es richtig angehen, fast schon eine Art Botenrolle zukommen... ich glaube, dass traditioneller Metal vom Aussterben bedroht ist (Nix da - Death Metal forever!!! Hehehe… - Lobi), weil er stagniert, weil es keine Entwicklungen gibt, weil nur Genrestandards repliziert werden. Früher oder später werden die experimentierfreudigeren Bands, die, die über bloße Strophe-Chorus Schematismen hinausgehen, ganz groß abräumen, da bin ich fest von überzeugt. Damit das aber geschieht, müssen die konservativen Hörer eine mächtige Hirnspülung bekommen, und da ist die Kombination THE OCEAN und MB eine ganz viel versprechende... im übrigen glaube ich aber wie gesagt, dass das so oder so auch ganz von alleine geschehen wird.
Durch den Support von MB habt ihr allerdings auch die Möglichkeit wohl viel mehr neue Hörerkreise zu erreichen, gerade aus der Metalszene, als noch durch Eure alten Label. Wie schätzt ihr Eure Möglichkeiten ein, auch in dieser Szene Fuß zu fassen? Ein gewisser Bezug zum Metal ist ja alleine schon musikalisch auf „Aeolian gegeben, seht Ihr Euch selbst nicht zumindest zum Teil als Metal Combo? Welcher Szene würdet ihr Euch selbst zuordnen?
R: Wir sind ganz verschiedene Menschen mit ganz verschiedenen musikalischen Hintergründen in dieser Band, aber THE OCEAN kommt eher aus einem Hardcore-Background als aus einem Metal-Background. Natürlich haben wir uns einen gewissen Gestus zueigen gemacht, der aus dem Metal kommt. Bands, die mich aber besonders geprägt haben, sind z.B. UNBROKEN, GROUNDWORK, RORSCHACH, ABSINTHE, später CONVERGE, BREACH, COALESCE. Andere Leute in der Band, wie unser Percussionist, haben einen eher traditionellen Metal-Background, wieder andere, wie unser Drummer, kommen aus der Goregrind-Ecke. Wir fühlen uns keiner Szene so recht zugehörig außer der der experimentellen/extremen, harten Musik, und dazu gehört für mich alles von, wenn man es an aktuellen Bands misst, LIGHTNING BOLT über CULT OF LUNA bis ULVER und NILE. Weitergehende Unterteilungen in Hardcore und Post-Hardcore und Metal und sonst was empfinde ich heutzutage alles völlig willkürliche Differenzierungen.
Sind THE OCEAN überhaupt eine Band im klassischen Sinne oder doch eher ein Künstlerkollektiv, wie es ja auch schon durch den Zusatz Collective angedeutet wird?
N:
Ich würde sagen, wir sind beides in
einem. Das große Ganze ist ein Kollektiv, also eine größere Ansammlung
verschiedenster Künstler (hauptsächlich, aber nicht nur Musiker), die sich in
unterschiedlichen Quantitäten und Qualitäten ins Projekt einbringen. Dieses
Kollektiv hat aber auch einen Kern. Und dieser Kern funktioniert im Prinzip wie
eine reguläre Band. Nur ist er ein wenig größer. Der Kern besteht aus sieben
festen Mitgliedern, das sind die Leute an den für uns essentiellen Instrumenten
– die Besetzung, die man auf all unseren Shows auf der Bühne sieht: Gitarren,
Bass, Drums, Percussion, Gesang. Diese Leute sind teilweise bis zu fünf mal pro
Woche bei uns im Oceanland, während andere, wie, sagen wir, eine Klarinettistin,
nur für eine Aufnahmesession zu uns kommt und vielleicht gelegentlich mal eine
Show mit uns spielt. Diese, eher lose assoziierten, Mitglieder der Kollektivs
finden „Verwendung“ je nach Maßgabe ihrer Verfügbarkeit und unserer Bedürfnisse
und Möglichkeiten. Wir können z.B. einfach nicht mit einem kompletten
Kammerorchester touren, weil es dafür keine ausreichend großen Busse in unserer
Preisklasse gibt.
Wie funktioniert der Songwritingprozess, herrscht Gleichberechtigung und demokratische Ordnung? Was für Charaktere stecken hinter THE OCEAN?
N: Das Songwriting liegt zur Gänze in der Hand von Robin. Er ist derjenige, der mit all den musikalischen Ideen aufwartet und diese dann in Form von Vorproduktionen, inklusive Bass und programmiertem Schlagzeug, aufnimmt. Diese Aufnahmen besprechen wir dann gemeinsam, jeder gibt seinen Senf dazu, wir entscheiden, was was taugt und was nicht, und was wir wie umsetzen wollen. Dann fangen wir an, die Songs zu proben und irgendwann auch live zu spielen, wobei sich immer noch einige Änderungen im Laufe der Zeit ergeben. Die Songs wachsen. Wir haben Songs im Programm, die heute um einiges anders klingen als vor drei Jahren. Insofern lässt sich sagen: geschrieben werden die Songs von Robin, aber alles, was danach mit ihnen – und auch in all den Bereichen, die mit dem Songwriting nichts zu tun haben -- passiert, ist ein kollektiver Prozess. Da gibt es keine feste Arbeitsteilung. Wenn einer eine Idee für ein T-Shirt-Design hat, dann macht er es einfach, und der Rest der Band sagt etwas dazu oder auch nicht. Wenn sich abzeichnet, dass es sich mit dem großen Ganzen einigermaßen vereinbaren lässt, dass es also ins Konzept passt und auf Zustimmung bei denjenigen stößt, die sich für die Sache interessieren, wird’s halt umgesetzt. So geht das mit sehr vielem bei uns. Außer natürlich hinsichtlich der Instrumente sind die Aufgaben nicht fest verteilt. An der Website z.B. sind drei bis vier Leute von uns zu Gange. Poster, Shirts, Albumcover, all solche Dinge sind bei uns immer das Produkt derjenigen, die zu dem Zeitpunkt Bock und Ressourcen hatten, sich einzubringen. Umgekehrt heißt das natürlich auch: wenn sich für eine Aufgabe mal niemand findet oder keine eine Idee hat, wird’s schwierig. Dann müssen 'externe' Leute ran. Was aber auch seine Vorteile hat, weil dadurch frische Ideen in die Band kommen. Die einzelnen Charaktere des Projekts zu beschreiben, würde hier den Rahmen sprengen, aber die einzelnen Persönlichkeiten treten bei uns ohnehin etwas in den Hintergrund (Soli suchst du auf der Platte vergeblich). Und für Egomanen ist bei uns erst recht kein Platz. Dass man diese Auffassung teilt, ist, denke ich, Grundvoraussetzung für eine Mitarbeit bei THE OCEAN.
Auch
visuell stechen Eure Veröffentlichungen deutlich hervor, man denke nur an den
prächtigen Digipack von „Fluxion“. Seht ihr Eure Musik und das Artwork als
Einheit?
N: Definitiv. Das Artwork soll den Charakter der Musik unterstreichen, eine Fortsetzung der Atmosphäre sein, die wir auf der Platte erzeugen. Es darf die Musik nicht konterkarieren, weswegen wir auch genauso viel Sorgfalt in die optische Komponente investieren wie in die Musik. Das soll aber umgekehrt nicht heißen, dass wir nicht auch bisweilen mit den Erwartungen der Hörer spielen. Auf dem Cover von „Fluxion“ waren friedliche, leuchtend blaue Fische zu sehen und das von „Aeolian“ hat ein wenig was von Elton John – wer versucht, vom Optischen direkt auf die Musik zu schließen, dürfte zunächst enttäuscht sein. Aber als Ganzes macht das dann durchaus wieder Sinn – denn auch innerhalb der Songs gibt es ja so einiges an unerwarteten Wendungen...
Die beiden Videos („Queen of the Food-chain“ und „Nazca“) auf der Homepage lassen ebenso erahnen, dass auch Euer Auftreten auf der Bühne mit entsprechenden Lightshows unterstrichen wird. In wie weit spielt der visuelle Aspekt bei Euch eine Rolle?
N: Für die Lightshow gilt letztendlich dasselbe wie für das Artwork. Das Licht soll die Musik unterstützen und zusammen mit ihr zu einem runden großen Ganzen fusionieren. Wir wollen da nichts dem Zufall überlassen. Deswegen haben wir uns gleich von Anfang an für eine eigene Lightshow entschieden, um nicht in die Situation zu geraten, mit dem fertig installierten Club-Licht vorlieb nehmen zu müssen, welches allzu oft unmotiviert gelb und rot herumblinkt und damit so gar nicht zur gewünschten Stimmung passt.
Wenn
wir schon bei Live-Auftritten sind, wir es auch ein Tour zu „Aeolian“ geben?
N: Selbstverständlich! Für Mitte März bis Ende April ist eine ausgedehnte Tour durch Deutschland und europäisches Ausland geplant. Auf unserer Website www.theoceancollective.com findet sich immer der aktuelle Stand der Dinge.
Zum Abschluss noch einige kleine Klischeefragen zum Entspannen:
Steht ihr eigentlich auf Vinyl? Ich liebe 7“-Singles und habe auch einen ganzen Haufen davon daheim, obwohl ich die Dinger so gut wie nie anhöre. Jüngstens wurde ja nämlich eine Split7“ mit den Schweden BURST veröffentlicht. Wie kam dies zustande? Desweiteren steht wohl auch noch eine weitere 7“ an… *lechz*
R: Ich beantworte diese Frage mal ganz konkret mit unseren derzeitigen Neuerscheinungen:
- "FLUXION / AEOLIAN" 3xLP, Gatefold-Cover, 3 Scheiben, 3 Vinyl-Farben, exklusives Artwork, Kunstdruck-Poster erscheint Ende Januar über Throne Records.
- Split 7" mit BURST im Oktober erschienen (je 350 Stück auf blau und clear), inkl. Poster-Artwork von Seldon Hunt... ein paar gibt es noch...
- 7" mit dem Titel "Inertia" von "Aeolian" sowie einer exklusiven Version von "Queen of the Food-Chain", bei der Tomas Hallbom mit unseren Haupt-Schreihälsen Nico und Meta singt, erschien im Oktober auf dem dänischen Futhermocker Label. (Auf der Album-Version singt komplett Sean Ingram)
Preorders / Orders an info@theoceancollective.com...
Beantwortet das Deine Frage...? Ja, wir lieben Vinyl. Ein geiles Format. Wobei ich sound-mässig mittlerweile doch der Meinung bin, dass CDs einfach besser klingen. Man wird mich lynchen dafür, aber wer sagt, Vinyl würde immer wärmer klingen, der hat die letzten 10 Jahre Digitaltechnik verschlafen...
Wo liegen Eure musikalischen Roots, welche Bands habe ihre Spuren hinterlassen, was sind Eure Inspirationen? Was treibt Euch an?
N: Unsere Roots liegen hauptsächlich im düsteren Hardcore der frühen neunziger Jahre, bei Bands wie RORSCHACH, UNBROKEN, GROUNDWORK, ABSINTHE, aber auch spätere Sachen wie REFUSED, BOTCH, BLOODLET oder COALESCE. Bands wie BREACH oder NEUROSIS haben natürlich auch ihre Spuren hinterlassen. Privat hören wir teilweise völlig andere Sachen; das Spektrum in der Band ist da sehr groß, das geht von 70er-Jahre-Jazz-Fusion bis Grindcore und Goregrind, von Old-School-Hip-Hop zu postromantischer Zwölftonmusik...
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Was dreht sich denn so zurzeit auf Euren Plattentellern?
R: ULVER „Blood Inside“. Eine Wahnsinnscheibe. Die neue BURST dreht auch recht häufig, ebenso eine Band aus Island mit Namen SOLSTAFIR. Die neue SACRIFICIUM ist ein Brett vorm Herrn, die HATE PROFILE hat mir ganz gut gefallen, geiler experimenteller Black Metal. Die GREEN CARNATION ist gut und auch die neue BLACKMAIL viel besser als alles zuvor. Darüber hinaus höre ich viel arabische Musik, was vielleicht auch Spuren auf dem neuen Album hinterlassen wird.
Da vor allem die früheren Werke von THE OCEAN fast schon einen soundtrackartigen Charakter haben, nehme ich mal an, ihr seid Filmen nicht gerade abgeneigt. Worauf steht ihr? Würdet ihr gerne mal an einem Soundtrack für einen Film mitarbeiten?
R: Das wäre eine große Herausforderung. Ich komme leider nicht viel zum ins Kino Gehen oder DVDs gucken dieser Tage, aber ich stehe besonders auf moderne spanische Regisseure wie Medem, Iñárritu, Amenabar und natürlich Klassiker wie Dali, Tarkovskij, Lynch... man möge uns Angebote unterbreiten; Drehbücher vorlegen!
Sind
meine Fragen sehr dämlich?
N: Das passt schon. Für die ganz dämlichen haben wir ja ein automatisiertes Programm, was die dämlichen Fragen sofort erkennt und automatisch ebenso dämliche Antworten generiert und die dann rein-pastet...
Ok, final question: Was ist Euer größter Wunsch bezüglich THE OCEAN?
R: Ozzfest 2007. Haha ...nee wer weiß, ob das ne gute Idee wäre. Ich will in Brasilien und Japan touren und die All Tomorrow's Party rocken. Und ne Exklusiv-Split mit BREACH rausbringen, wobei sich die Band eigens für diese Split kurzzeitig wieder reformieren und ins Studio gehen müsste, das würde ich dann am liebsten noch produzieren das ganze... (So ’ne Split wollte ich auch… - Lobi)
So, vielen Dank für Eure Zeit. Ich wünsche Euch viel Erfolg für „Aeolian“ und Euer weiteres Schaffen! Any final words? Noch ein bisschen Werbung oder Eigenlob? :D
R: Wir sind toll! Digge Hose! Kauft "Aeolian"! Kommt zu unseren Konzerten im März / April und bringt uns Chips und Drogen mit!
Interview: Lobi
Layout: Hage
Homepage:
Line-Up:

DRUMS: Torge Ließmann
BASS GUITAR: Jonathan Heine
GUITARS, SAMPLES, ARRANGEMENTS: Robin Staps
PERCUSSION, TOOLS: Gerd Kornmann
MAIN VOCALS: Meta
ELECTRONICS / VOCALS: Nico Webers
VISUALS: Nils Lindenhayn
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ADDITIONAL LIVE GUITARS: Andreas Hillebrand
ADDITIONAL VOCALS: Tomas
Hallbom, Nate Newton, Sean Ingram, Ercuement Kasalar, Carsten Albrecht

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| 2001: 'Island/Tides' - Demo-CD | 2002: '2nd Demo' - Demo-CD | 2003: 'Fogdiver' - CD | 2003: 'Fogdiver' - LP |
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| 2004: 'Fluxion' - CD | 2005: 'Aeolian' - CD/LP | 2005: 'Queen Of The Food Chain/Inertia' - 7" | 2005: 'Split with BURST' - 7" |
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