NIGHTWISH (Oktober 2004)


 

 

Als NIGHTWISH Ende 1996 ihre ersten Stücke aufnahmen, ahnte wohl noch keiner der damaligen Mitbegründer, welch atemberaubende Karriere vor ihnen lag. Heute, im Jahr 2004, spielen die Finnen in der Champions-League des Rock- und Metal-Genres und feiern europaweit große Erfolge.
Musikalisch reifte der Fünfer aus dem Land der 1000 Seen von Album zu Album, um sich schließlich mit dem letzten Output ‚Once’ selbst neu zu erfinden und den Höhepunkt der bisherigen Schaffensperiode abzuliefern. Die Tour zum neuen Album führte Mastermind Tuomas Holopainen und seine drei Mitstreiter nebst Frontfrau Tarja Turunen diesmal durch die großen Hallen des europäischen Kontinents. Am 22. November machten sie Station in der Arena in Nürnberg, wo sie von über 8000 Zuschauern frenetisch abgefeiert wurden.
Vor dem Konzert hatte ich Gelegenheit mit Bassist und Teilzeit-Sänger Marco Hietala ein halbes Stündchen zu plaudern.

 

Hallo Marco! Schön, dass es endlich geklappt hat. Ich versuchte schon im Frühjahr einen Interviewtermin zu bekommen.

Wie ist die Lage? Heute Abend spielt ihr schon wieder vor ausverkauftem Haus. Hattet Ihr von Anfang an geplant in so großen Hallen zu spielen?

 

„Nun, natürlich hatten wir gewisse Erwartungen in diese Tour gesetzt, da unser Erfolg dieses Jahr größer war, als jemals zuvor. Aber jeden Abend vor 5000 – 8000 Leuten zu spielen ist schon der Hammer.“

 

Als ich 1999 NIGHTWISH das erste Mal live sah, war ich einer von ca. 800 Zuschauern, damals in der Rockfabrik in Ludwigsburg, als ihr im Vorprogramm von RAGE durch Deutschland unterwegs wart.

 

„Ja seit damals ist viel passiert und es hat sich einiges geändert. Heute ziehen wir meist mehr als zehnmal so viele Leute.

Als Band im Music-Biz zielen wir natürlich darauf ab zu wachsen und wenn ich diese Zahlen jetzt vergleiche, sagt mir das, dass wir wohl etwas richtig machen“, meint er mit einem verschmitzten Lächeln.

„Wir haben nun fünf Studioalben draußen und zurückblickend finde ich, dass unser Erfolg eigentlich in überschaubaren, regelmäßigen Schritten angewachsen ist. Es ist nicht so, als wäre alles über Nacht gekommen. Sicherlich war der Anstieg ab ‚Century Child’ deutlicher zu spüren und wir hatten auch im Studio während der Arbeiten zum neuen Album ein gutes Gefühl und recht hohe Erwartungen.“

 

Nun, das klingt fast so, als wäre der Erfolg von ‚Once’ geplant gewesen. Habt ihr versucht gezielt „Hits“ zu machen, oder kam das Gefühl, dass es der große Wurf werden könnte nach und nach, als ihr mit eurem Material gearbeitet habt?

 

„Eher Letzteres. Der ganze Prozess über die Proben, das Arrangieren, die ersten Demo-Aufnahmen und schließlich der Arbeit im Studio dauerte ca. sechs Monate. Während dieser ganzen Zeit wuchs unsere Überzeugung mit jedem dieser Abschnitte, den wir abschlossen. Wir fühlten das Potenzial und was wir alle hineingesteckt hatten und jeder war überzeugt, dass die Musik für sich selbst sprechen würde. So gesehen hatten wir während der Zeit im Studio schon recht große Erwartungen.

Dazu kommt, dass wir alle auch persönliche Risiken eingegangen waren, um dieses Album zu produzieren. Wir haben die Aufnahmen selbst bezahlt, ebenso die Session Musiker und auch das Video. Glaub mir, das Geld, das wir in dieses Album gesteckt haben, war wirklich ein ganzer Arsch voll!“, sagt er und lacht.

 

Verstehe. Aber ist es normalerweise nicht so, dass die Plattenfirma die Aufnahmen bezahlt?

 

„Klar, aber nachdem unsere alten Deals ausgelaufen waren hatten wir zu dem Zeitpunkt noch nichts neues am Start und waren noch im Auswahlprozess, wir konnten das Album aber nicht so lange auf Eis legen, deswegen haben wir halt alles aus der eigenen Tasche gezahlt und uns in Ruhe die Angebote angesehen, die ins Haus kamen.

Da waren auch einige Angebote von Major-Labels dabei, aber wir wollten da keinen Schnellschuss machen und haben uns alles genau angesehen und überlegt. Am Ende sind wir dann bei Nuclear Blast gelandet, weil deren Angebot einfach das beste war und für uns am meisten Sinn macht. Ich muss sagen, dass wir den Schritt bisher nicht bereut haben. Bis dato hat Nuclear Blast wirklich einen sehr guten Job abgeliefert.

 

Schön, sprechen wir über das neue Album, ‚Once’.
In meinem Review habe ich geschrieben, dass es fünf auffallende Veränderungen gegenüber den früheren Outputs gibt:

1. Es ist härter, besonders die Gitarren.

2. Es ist tighter, der Sound ist mehr eine Wand, als ein Netz

3. Es ist noch bombastischer, aber auf andere Art, z. B. durch den Orchestereinsatz

4. Es ist weniger opernhaft, weil Tarja auch nicht mehr ganz so nach Oper klingt

5. Es ist experimenteller, z. B. mit dem Techno-Rammstein-Beat bei „Wish I Had An Angel“

Irgendwie hat man das Gefühl, Nightwish hätten sich selbst neu erfunden.

 

„Nun, was soll ich sagen? Ich denke, du liegst in allen Punkten richtig!“, grinst er.

„Für die größere Härte denke ich, haben wir zwei Gründe. Zum Einen haben wir zwar großes Augenmerk auf feine Arrangements und ein ausgewogenes Zusammenspiel der einzelnen Instrumente gelegt, wollten aber definitiv einen ordentlichen „Punch“ im Sound haben. Zum Anderen war es so, dass Tuomas, der den meisten Stoff schreibt, diesmal auch viel mit der Gitarre komponiert hat. Er selbst sagt, dass er ein so miserabler Gitarrist ist, dass eigentlich nur ganz simple Heavy-Riffs herauskommen können. Naja, ich denke, dass das auf gewisse Art schon richtig ist.

Weiterhin hat jeder versucht im Rahmen seiner Rolle innerhalb der Band sein Bestes zu geben und seinen eigenen Ausdruck mit einzubringen. So hatten wir bei den Aufnahmen ganz hervorragendes Material, auch mit dem Orchester und den Chören zusammen. Wir waren dann in der Lage richtig fetten Metal mit ordentlichem Punch zu kreieren und dennoch genügend Differenzierung und Klarheit zu haben, um eben der Orchestrierung ausreichend Raum zu geben, damit sie innerhalb des Gesamtbildes zur Geltung kommt. Dadurch war es möglich alle Elemente mit den ihnen zustehenden Räumen einzubauen und wir waren nicht gezwungen uns für Orchestrierung und Bombast ODER Power zu entscheiden.

Es war wirklich verdammt viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt!“

 

Ja, das sehe ich auch so! Heutzutage kommt es nicht vor, dass man eine CD in die Finger bekommt, bei der man sagen kann, dass jeder einzelne Song ein Hammer ist. Bei ‚Once’ trifft das aber absolut zu („Nemo“ mal ausgenommen - Stefan).

 

„Danke, das ehrt UND bestätigt uns! Der „Kampf“, den wir geführt haben, bis das Album im Kasten war, hat uns allen einiges abverlangt. Mir geht es dabei ähnlich wie dir: ich finde das ganze Werk klasse.“

 

Immer noch? Ich frage das, weil ich bei Gesprächen mit anderen Bands oft zu hören bekomme, dass sie nach drei, sechs oder neun Monaten dann spätestens Schwächen am Material feststellen und unzufrieden sind.

 

OK nach einiger Zeit, wenn man Abstand gewonnen hat, entdeckt man Normalerweise immer die eine oder andere Schwäche im Material. Das ist diesmal aber überhaupt nicht so. Natürlich überlege ich mir, wie bestimmte Stellen klingen würden, wenn ich eine andere Bass-Linie gespielt hätte oder noch die eine oder andere Spielerei draufgepackt hätte. Aber ich kann nur sagen, dass ich nach all den Monaten immer noch sehr, sehr zufrieden mit dem Material von ‚Once’ bin.“

 

Schön. Jetzt hast du mir viel über die Produktion von ‚Once’ erzählt. Gib mir doch mal einen kleinen Einblick über den Songwriting-Prozess an sich. Wie läuft das bei euch ab?

 

„Ja, OK. Also wir schreiben nicht wirklich irgendwelche Noten auf. Dieses Mal war es so, dass Tuomas letzten Sommer um die neun Stücke in einem rudimentären Demo-Stadium zusammen hatte. Er komponiert die Stücke direkt an den Instrumenten, unterstützt von verschiedenen technischen Hilfsmitteln. Bass-Linen und Schlagzeug-Tracks kommen aus dem Synthesizer.

Diese Demos gab er dann an den Rest der Band, damit wir sie durchhören, anfangen damit zu arbeiten und unsere Ideen einbringen konnten. Dann ging's gleich in den Proberaum.

Ich selber verfahre auf die gleiche Weise und habe ihm dann meine Songs zukommen lassen. Die habe ich in einem kleinen Studio aufgenommen, das einem Freund von mir gehört. Damals hatte ich vier Stücke, bzw. Ideen zusammen, von denen dann schließlich zwei auf das Album kamen. Das letzte Stück „Higher Than Hope“ ist quasi komplett von mir und dann noch einiges an Riff-Material in „Romanticide“ und „The Siren“. Naja, Tuomas ist der Hauptsongwriter, er ist der Boss. Was wir anderen schreiben muss zuerst durch seinen Filter und er entscheidet, ob es verwendet wird oder nicht.

 

OK, verstehe. Du hast gerade „The Siren“ erwähnt – ist das eine Sitar, die da zu hören ist? Es gibt da diesen indisch-orientalisch klingenden Teil.

 

„Öhm … na ja … kann ich dir nicht genau sagen. Ich glaube, während der Aufnahmen wurde eine Sitar verwendet, aber ich weiß nicht mehr bei welchem Song. “

Er fährt sich grübelnd durch den Bart und verengt die Augen.

„Ich meine, dass in „Creek Mary’s Blood“ eine Sitar verwendet wurde … Mist … ich hab keine Ahnung! Ich war nicht dabei, als diese Teile aufgenommen wurden“, lacht er verlegen.

 

Nun gut, kommen wir zu etwas völlig Anderem: wo siehst du die größten Stärken von NIGHTWISH?

Ich meine guckt euch doch an: wo ihr heute steht, seid ihr ja bestimmt nicht von ungefähr hingekommen, da muss schon irgendeine Kraft in der Band sein.

 

„Ja, bestimmt. Ich denke ein ganz wichtiges Element ist die Tatsache, dass wir als Musik-Konsumenten sehr breit aufgestellt sind. Jeder von uns hört Musik aus sehr vielen verschiedenen Stilen oder Genres. Letztendlich hauen wir im Studio immer ein ziemliches Metal-Brett raus, denn wie du ja vorhin schon festgestellt hast, sind wir diesmal härter als je zuvor. Dennoch legen wir Wert auf unsere Einflüsse und schaffen es die Inspiration aus anderen Musikbereichen mit einzubringen und mit unserer Musik zu verschmelzen. So kommt dann dieser Sound zustande, der die Band auszeichnet und, so denke ich, sehr originell und einzigartig ist. Ich denke schon, dass ich wagen kann, das so zu sagen."

Sagt es und nimmt, offensichtlich zufrieden mit seiner Antwort, einen Schluck Kaffee.

„Nimmt man die Leute in der Band und ihre ganzen unterschiedlichen Einflüsse, ihre Eigenschaft als Band-Mitglieder und als Freunde zusammen, so entsteht dann dieser ganz eigene Sound. Man kann bei uns echt sagen, dass die Summe unserer Zusammenarbeit größer ist, als die Summe der einzelnen Teile.“

 

OK, Marco und wie sieht es mit der anderen Seite aus? Schwächen?

Musikalisch scheint ja alles in bester Ordnung zu sein und sehr harmonisch zu funktionieren. Aber wie ist es auf der persönlichen Ebene? Wenn man sich jeden Tag sieht, bleiben Konflikte doch sicherlich nicht aus. Dinge, die an den Kräften zehren und der Band Energie und Kreativität entziehen.

 

„Naja, ich denke, dass wir alle recht gut miteinander auskommen. Natürlich gibt es Reibungspunkte, wenn verschiedene Persönlichkeiten zusammentreffen und über einen längeren Zeitraum eng aufeinander sitzen. Aber im großen und ganzen harmoniert das ganz gut. Wir haben auch einen gesunden Respekt voreinander – unter uns, aber ebenso gegenüber der Crew, so dass man eigentlich sagen kann, dass die gesamte Maschinerie, die hier zusammen auf Tour ist in einem guten Verhältnis zueinander steht.

Es kommt eigentlich nicht vor, dass man auf einen Kollegen richtig sauer wird …“, er hält inne, „na ja gut, manchmal vielleicht. Aber letztenendes ist es so, dass wir alle sehr offen sind, so dass wir in solchen Situationen recht schnell wieder zueinander finden. “

 

Prima. Wie sieht die nähere Zukunft aus? NIGHTWISH hat diese gigantische Entwicklung durchlaufen und schwimmt momentan auf einer Welle des Erfolges. Wie geht es nun weiter? Welche Pläne habt ihr und wo seht ihr euch in Zukunft?

 

„Nun, jetzt werden wir erstmal noch eine ganze Weile auf Tour sein. Im Januar werden wir uns dann eine Auszeit gönnen, ehe wir dann gleich noch mal auf Tour gehen werden. Danach kommen dann sicherlich einige der 2005er Sommerfestivals. Alles was zeitlich danach kommt ist eher noch so was wie eine Grauzone. Zeiträume oder gar exakte Daten für unsere nächsten Aktionen, z. B. ein neues Album, stehen noch gar nicht zur Debatte.

Ich denke dass wir nach dieser ganzen Zeit auf der Straße dann erstmal ein paar Monate abschalten und uns erholen werden.“

Er nickt in die Richtung von Tuomas und nimmt noch einen Schluck Kaffee.

„Naja“, grinst Marco, „er (Tuomas) ist ein ziemlich fleißiger Bursche und schreibt eigentlich die ganze Zeit über, so dass er immer wieder neues Material am Start hat, mit dem man arbeiten kann. So kommen wir eigentlich nie wirklich zum Stillstand.“

 

Na das freut den Fan doch! Wenn ihr dann im Februar / März noch mal auf Tour geht, sind dann die USA auch auf dem Programm? Das hat ja in diesem Jahr nicht geklappt.

 

„Ja, richtig. Wir haben die Visa Monate vorher beantragt, aber irgendwie haben es die Behörden dort trotzdem nicht geschafft, die Papiere rechtzeitig fertig zu machen. Im Nachhinein war das aber gar nicht schlecht, da „Once“ dort erst Anfang Oktober erschienen ist und da wäre die Tour ja schon vorbei gewesen. Ich weiß nicht genau, wie die weitere Planung aussieht, aber es ist durchaus möglich, dass wir nun auch die USA noch beackern.

Wir werden dann wahrscheinlich auch dort als Headliner unterwegs sein und dafür dann halt in wesentlich kleineren Läden spielen. Die Verkaufszahlen für ‚Once’ entwickeln sich nur langsam in Amerika. Die Staaten sind halt ein komplett anderer Markt, als Europa.“

 

Ja, ich weiß. Das bekommt selbst ein Superstar wie Robbie Williams zu spüren, der dort bis heute noch kein Bein auf den Boden bekommen hat.

 

„Stimmt schon, aber wir merken auch wie es anzieht. Ich denke, dass wir, obwohl wir aus nicht anglophonen Breiten kommen, auch die Briten und die Amis halbwegs überzeugt haben. Ich glaube, wir sind da auf einem ganz guten Weg.“

 

Da bin ich ja mal gespannt, wie sich eure Karriere dort entwickelt.

Jetzt habe ich noch eine Frage, die euch bestimmt schon jeder Interviewpartner gestellt hat.

Wenn man sich mit dem Faible für Soundtracks auseinandersetzt, das innerhalb der Band besteht und in Betracht zieht, dass dieses Mal ein Orchester sehr stark in die Produktion einbezogen wurde, stellt man sich unwillkürlich die Frage, ob ihr nicht auch daran denkt, ein komplettes Klassik-Album, aufzunehmen.

Über die Jahrzehnte haben das viele große Bands vorgemacht. In letzter Zeit z. B. METALLICA und die SCORPIONS, die damit gigantische Erfolge feiern konnten.

 

„Ja, in der Tat gibt es Pläne dafür! Wir werden zwar kaum was von dem neuen Material dazu nehmen, weil das eh schon auf Orchester ausgelegt ist und die Stücke, die klassische Elemente haben sollten, haben sie bereits. Aber ich denke, dass wir in nächster Zeit einiges an altem Material überarbeiten und für Orchesterbeteiligung arrangieren werden.“

 

Also wird nur älteres, bestehendes Material dafür herangezogen werden?

 

„Wahrscheinlich wird es keine neuen Stücke geben, die extra dafür geschrieben werden, richtig. Das wird eine ganz schöne Herausforderung werden. Wenn man sich die alten Sachen noch mal anschaut und überarbeitet, kann es schon vorkommen, dass man viele Teile extrem verändern muss, weil sie im originären Arrangement einfach nicht mit Orchester Funktionieren können.“

 

Da bin ich ja mal gespannt! Ich find solche Aufnahmen immer sehr interessant. Das ist ja dann auch wieder etwas relativ neues und anderes, was ihr damit tun würdet. Eure Karriere stellt sich derzeit also durch und durch positiv dar: Erfolg, großes Medieninteresse, neue spannende Aufgaben, etc.

Gibt es denn trotzdem Momente, wo du dir überlegst, ob das noch alles das Richtige für dich ist? Am einen oder anderen Tag hat man doch sicherlich mal die Schnauze voll, oder?

 

„Weißt du, der härteste Teil an dem Geschäft ist das Reisen, das Touren … und das Warten! Wir hatten unseren Soundcheck zwischen zwei und drei heute Mittag. Jetzt ist es gleich sechs und wir haben nichts zu tun. Rumhocken und die Zeit totschlagen kann schon ganz schön anstrengend und nervig sein. So hock ich jetzt halt hier rum mit meinem Gameboy und freu mich, dass ich mit diesem Interview eine nette Abwechslung geboten bekomme.

Natürlich geht man auch immer mal wieder raus in die Stadt, bzw. schaut sich die Gegend an. Das ist ja schließlich einer der Vorteile am Touren, dass man immer wieder Neues zu sehen bekommt. Um ehrlich zu sein, sind wir heute aber nicht so in der Form dafür, da wir gestern Abend ordentlich getankt haben“, lacht er fröhlich und weist mich mit einem Nicken auf den schon bereitstehenden Wäschekorb voller Vodka und Alko-Pops in der Ecke des Backstage-Raums hin.

„Das ist auch der Grund, warum meine Hände ein wenig zittern“, fügt er hinzu. Naja … wär mir ehrlich gesagt gar nicht aufgefallen.

„Aber ganz egal, wie anstrengend oder nervig es auch immer geworden ist, ich hatte nie das Bedürfnis auszubrechen oder gar alles hinzuschmeißen. Ich weiss, es ist ein Klischee, aber ich bin ein „fuckin’ born Rocker“ und ich liebe diesen Job!.

Ich glaube jeden Abend, wenn du auf der Bühne stehst und die Leute total am Rad drehen, weil du auf der Bühne abgehst, ist eine Belohnung! Ich steh da oben und bin wer ich bin, tue, was ich am besten kann und die Menschen lieben es … was will man mehr???

Natürlich kommt es auch mal vor, dass man sich verspielt, oder das mit der Technik was nicht klappt und dann wird der Auftritt scheiße. Du regst dich über dich selber auf und der Spaß geht flöten. Du weißt halt nie, wann Mr. Murphy vor der Tür steht. Aber das kommt selten vor und wird spätestens mit dem nächsten Auftritt dann wieder weggewischt.“

 

OK, damit wären wir eigentlich durch. Ich habe nur noch ein paar Fragen, die speziell auf Tarja abzielen, ich weiss nicht, ob du sie mir beantworten kannst.

 

„OK, frag einfach“, grinst er … „ich hab eh nix besseres zu tun, als hier rumzuhängen.“

 

Schön! Eine Frage, die von weiblichen Fans an mich herangetragen wurde: Wie stellt Tarja ihre Garderobe zusammen? Kauft sie immer mal wieder irgendwo was ein, oder geht sie immer in die gleichen Läden?

 

„Och, sie hat eine persönliche Schneiderin in Finnland.“

Tatsächlich?

„Ja, klar. Über die ganzen Jahre hin schon. Es war immer das gleiche Mädchen, dass ihr die Sachen geschneidert hat.“

 

Naja, da denkt Otto-Normalbürger natürlich nicht gleich zuerst dran. Wie geht sie denn an ihre Arbeit heran? Wie lange braucht Tarja, um sich für eine Show vorzubreiten? Ist sie sehr konzentriert?

 

„Sie braucht ungefähr eine Stunde. Sie muss einige Übungen machen, bis ihre Stimme ganz geöffnet ist und sie optimal für eine Show vorbereitet ist. Sie hat ihren eigenen Raum dafür. Dort ist sie dann die meiste Zeit allein und jedwede Störungen, wie z. B. in ihrer Nähe zu rauchen, sind dann zu unterlassen.“

Das hier, ist das Spielzimmer der Jungs“, sagt er und beschreibt einen Kreis mit dem Zeigefinger und lacht dabei.

„Hier ist es ein Bisschen dreckiger … und es liegt mehr Alkohol rum.“

 

Was hat sie denn so über ihre Zeit in Deutschland erzählt? (Anm.: Tarja hat einige Zeit in Karlsruhe Gesang studiert).

 

„Sie hat gesagt, es wäre recht hart gewesen“

Wegen der Sprache?

„Nein, nein, nicht wirklich. Ihr Deutsch ist sehr gut. Das Studieren war hart. Weniger vom theoretischen Teil her, als vom Gesangstraining. Sie musste teilweise richtig anstrengende Sportübungen machen und dabei noch singen. Bauchmuskelübungen zum Beispiel. Aber ich glaube, dass es die Anstrengungen auf jeden Fall wert ist, wenn man Ehrgeiz hat, von dem ich weiss, dass sie ihn hat! Sie hat hohe Ansprüche an sich selbst und will ihre Gesangsleistungen möglichst perfektionieren.“

 

Tja … und dabei ist sie schon um Welten besser, als das Gros der Sangeskünstler im Rockbereich.

Gut, das soll's gewesen sein! Vielen Dank Marco, für ein angenehmes und informatives Gespräch.

 

„You´re  Welcome!“

 

Ich wünsche Dir einen guten Auftritt und eine erfolgreiche, weitere Tour!

 

„Vielen Dank! Genieß das Konzert und schreib einen wohlwollenden Bericht“, lacht er und schüttelt mir die Hand zum Abschied.

 

 

Interview: Stefan

Layout: SasH

 

Offizielle Homepage:

 

Die Band:

Vocals Gitarre Bass Keyboards Schlagzeug

Die Diskografie:

Angels fall first

1997

Oceanborn

1998

Wishmaster

2000

Over the Hills...

2001

 

Century Child

2002

Once

2004

Tales from the Elvenpath

2004

 

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