NEURAXIS (Mai 2003)


 

 

Schade, dass ich erst jetzt auf die kanadischen Prog.-Deather von NEURAXIS gestoßen bin, denn ihr 'Truth Beyond'-Album ist wirklich ein eigenständiges und richtig gutes Werk geworden. Viele verschiedene Elemente aus allen möglichen härteren Metal-Spielarten sind im NEURAXIS-Cocktail enthalten, wobei alles immer strukturiert und nicht etwa zu abgedreht klingt. Meine Fragen beantwortete Steven Henry, Gitarrist und Kopf der Band, welcher sehr Interessante Statements abgegeben hat.

 

 

Hallo Steven, Glückwunsch zum gelungenen 'Truth Beyond'-Album. Die letzte EP 'A Passage Into Forlorn' war schon sehr gut, doch das neue Teil ist noch ein wenig besser. Bist Du mit dem Album auch zufrieden? Wie waren die Reaktionen bisher darauf?

 

Im Moment läuft es für uns sehr gut, wir können uns nicht beschweren. In den Medien sind wir gut aufgenommen worden. Obwohl uns viele gar nicht kannten, gaben sie uns gute Bewertungen. Ich habe diese Aufmerksamkeit überhaupt nicht erwartet, denn sowas braucht normalerweise seine Zeit. Der Dank dafür geht an Galy Records und Morbid Records, welche sich jeweils den Arsch für uns aufgerissen haben. Wir sind definitiv nicht mehr alleine und es ist einfach großartigen nun solch einen Support zu bekommen, denn wir hatten eine ganze Zeit lang alles alleine machen müssen. Neoblast (Steven´s eigenes Label) wird auch immer größer. Was könnte ich also mehr verlangen?

 

Ihr habt im Z-Sound Studio zusammen mit Pierre Rémillard aufgenommen. Habt Ihr in ausgesucht, weil er schon Erfahrung mit extremer technischer Musik hat?

 

Da muss ich Dich korrigieren. Wir haben einen Teil unserer Aufnahmen in Pierre´s Wildsound Studio aufgenommen. Unser Engineer war Yannick St.-Amand, mit dem wir auch schon bei der letzten EP zusammengearbeitet hatten. Yannick ist der Beste für uns, denn er nimmt sich Zeit und ist ein Perfektionist. Wir brauchen einen Soundmann, der alles sehr genau nimmt und das ist bei ihm der Fall. Pierre ist immer sehr beschäftigt, deshalb konnten wir ihn nicht anheuern. Sein Studio ist überwältigend! Selbst wenn wir mehr Geld zur Verfügung hätten, wir würden trotzdem mit Yannick arbeiten, wir zählen auf ihn mehr als auf irgendjemand anderen in der Welt!

 

Zwischen den Aufnahmen zu 'Truth Beyond' und dem tatsächlichen Release verstrich ein Jahr. Wieso das? Hattet ihr noch ein geeignetes Label suchen müssen?

 

Seit 1996 suchen wir schon noch einem geeigneten Label, das uns Weltweit etwas bekannter machen kann, doch wir fanden nie was gescheites. Für dieses Album benötigten wir mehr Zeit, weil wir absolut nicht in Eile waren und die Scheibe auch in verschiedenen Orten aufgenommen wurde. Die Gitarren wurden in meinem Studio aufgenommen, der Rest dann bei Yannick. Warum sollte man sich also beeilen, wenn massig Zeit vorhanden ist und jedes Detail nochmal kontrolliert werden kann? Wir bekamen dann einen Deal mit unserem Freund Eric bei Galy Records, jedoch nur für Kanada. Dort erschien das Album im Oktober 2002. Danach meldeten sich auch ein paar europäische Labels, doch nur Morbid Records machten ein gescheites Angebot. Sie veröffentlichten unsere Alben in Europa und in Asien. Deshalb kam die europäische Version erst am 17. Mai 2003 heraus. Wir suchen immernoch einen Vertriebpartner für Süd-Amerika, Australien...

 

Ihr kombiniert brutalen, groovigen und technischen Death Metal in Eurer Musik. Die Vocals sind ebenfalls sehr abwechslungsreich. Ist das ein Ergebnis von vielen Jahren der harten Arbeit an Euren Instrumenten und an Eurem Stil? Habt Ihr es Euch als Ziel gesetzt, bewusst anders als andere Bands zu klingen?

 

Ich denke, jede Band möchte nicht wie eine andere klingen. Jedoch haben manche nicht besonders viele Einflüsse, was man dann auch heraushören kann. Wir erfinden den Metal sicherlich nicht neu. Alles hatte es schonmal gegeben. Ich denke, die Variation mit Dynamik verbinden - das ist bei uns etwas außergewöhnlich. Es geht um rhythmische und vertrackte Parts, die Musik komplizierter und mystischer gestalten. Wir hassen einfaches Riffing und konzentrieren uns lieber (um dies zu vermeiden) auf eine andere Spielweise. Diese ist zwar nicht einfach, aber die Ergebnisse sind hervorragend.

 

1996 kam euer Debüt heraus, mit 'Truth Beyond' veröffentlicht ihr aber erst jetzt Euer zweites Album. Es sieht so aus, als wären NEURAXIS nicht die schnellsten Songwriter haha :-)  Aber ich hörte, dass ihr in den vergangenen Jahren Probleme mit dem Line-Up hattet. Warum habt Ihr es nicht geschafft, ein konstantes Line-Up auf die Beine zu stellen? Was waren die Gründe?

 

Du hast vergessen, dass wir 'A Passage Into Forlorn' 2000 aufgenommen und 2001 herausgebracht hatten (nein habe ich nicht, ich meinte die kompletten Alben - Olly). Zwischen 1997 und 1999 hatten wir tatsächlich ein paar Line-Up Probleme. Die Position des Sängers wechselten wir zweimal und Drummer hatten wir auch einige. Robin Milley (Gitarre) stoss beim Mixen von 'Imaginary' zur Band. Ian Campbell (Vocals) und Alexandre Erian (Drums) kamen 1999 in die Band. Seitdem hat sich auch am Line-Up nichts mehr geändert. Wir haben nun zwei Alben in dieser Besetzung aufgenommen, es scheint die richtige zu sein. 1993 waren die Gründungsmitglieder von NEURAXIS ohnehin nur Yan Thiel (Bass) und ich...

 

Ihr habt mit 'In Silence' und 'Virtuosity' 1999 zwei Promo-CDs rausgebracht. Hattet Ihr mit diesen nach Labels Ausschau gehalten oder warum habt Ihr die Songs nicht als reguläres Album veröffentlicht?

 

Die Releases klangen nicht gut genug und sie klangen nicht so tight wie wir es wollten. Wir haben sie mehr für uns gemacht, denn wir investierten in diese Demos auch nicht viel Geld. Es war einfach nur so zum Spaß. Der Song "In Silence" jedoch klang gut. Also gingen wir in ein anderes Studio und mischten ihn neu ab. Diese Version kam dann auf die erste Neoblast-Compilation. In dieser Zeit mussten wir auf einen Session-Drummer zurückgreifen. Martin Auger (Ex-ELEMENTS, Ex-OBSCENE CHRIST) half uns aus, um das 'In Silence'-Demo zusammen mit unserem zweiten Sänger Chris Alsop aufzunehmen. Chris war nur auf diesem Demo zu hören, das andere Demo 'Virtuosity' wurde mit der aktuellen Besetzung eingespielt. Auf dem Label von Chris ist nun das Side-Projekt von Robin. Die Band heißt TORN WITHIN und sie machen Death/Thrash Metal. Auch Yan ist mit von der Partie. Wenn sie Live spiele sollten, werde ich ihnen wohl an der Gitarre aushelfen. Wir haben alle noch andere Projekte. Ich z.B. spiele noch in fünf anderen Bands. Die haben aber alle nichts mit Death Metal zu tun...

 

Was ist denn eigentlich mit Neoblast Records und New Core Music? Sind das Labels/Distros, welche Du am laufen hast?

 

Nun, es hat sich einiges geändert. Als ich 1994 Neoblast startete, war es nur als Booking-Agentur gedacht. Mein Kumpel Jerome Pelletier half mir eine weile aus, bevor er für fünf Jahre nach Frankreich gezogen ist. Also machte ich fünf Jahre lang alles alleine, das war nicht gerade einfach! Nun ist Jerry zurück und ich gab ihm jede Menge Veranwortung. Ich manage nun nur noch ein paar Sachen, nämlich alles was die Musik angeht. Jerry kümmert sich um die Wirtschaftliche Seite. New Core Music ist ein Punk/Hardcore ausgerichtetes Unterlabel für meine anderen Projekte. Ich glaube nicht an diesen ganzen Industriekram. Denn wo ich lebe interessiert sowas niemanden weil wir Kanadier sind. Ich bin nicht bereit anderen in den Arsch zu kriechen. Also ist es am besten die Fäden selbst in die Hand zu nehmen und auf den ganzen Business-Kram zu scheißen! Die haben doch alle keine Ahnung was gut und was schlecht ist.  Es geht einfach nur um einen guten Ruf und um entdeckt zu werden. Es reden zwar mehr Leute über Dich und Du hast besser Möglichkeiten. Aber wenn Du anfängst musst Du Dich auch erstmal beweisen. Manche Bands steigen aber einfach in den Bandbus ein und voila - sie haben einen Deal. Ich habe meine bestimmte Vorstellung von Underground-Musik und niemand könnte diese Verändern! Keep it true and brutal! Keine Zensur oder sowas in der Art!

 

Ich habe schon öfters gelesen, dass Metal in Kanada tot wäre. Würdest Du dem zustimmen?

 

Fuck Nein! Wir haben halt nicht die großen Labels, die es in den USA oder in Europa gibt. Wenn wir Nuclear Blast, Century Media oder sowas in der Art in unserem Land hätten, dann wäre hier einiges anders. In Montreal gibt es eine gesunde Szene. Ich würde Dir zustimmen, dass nicht im ganzen Land der Metal besonders "alive" ist. Im Moment ist ca. 80 % des Metal-Marktes in der Provinz Quebec. Was ziemlich nervt ist diese Grenz-Politik. Weißt Du, die USA hat eine Menge damit zu tun. Wenn sie etwas erhöhen, Kanada muss es im gleiche Maße erhöhen. Wir sind von der USA abhängig und nichts weiter als Pazifistische Typen, welche froh sind, Kanadier zu sein. Nicht mehr oder weniger. Wie dem auch sei, die Grenze macht uns große Probleme. Wenn wir in den Staaten spielen möchten, dann wir müssen eine Gebühr bezahlen, um eine Arbeitserlaubnis zu bekommen. Und umgekehrt genauso. Hey, 300$ nur um ein Konzert zu spielen, das ist sehr sehr teuer. Wir bekommen noch nicht einmal 200$ für eine Show. Ausgaben wie Sprit sind da schon mit drin. Das geht mir alles tierisch auf die Nerven, denn mittlerweile brauchen wir einen Reisepass, um über die Grenze zu kommen. Unsere Szene ist super, es gibt überall etliche gute Bands. Der Beweis dafür ist, dass bei Konzerten von großen Bands auch immer jede Menge Leute kommen. Frag doch mal DIMMU BORGIR oder DILLINGER ESCAPE PLAN...

 

Ihr bestreitet nun eine Kanada-Tour mit ANONYMOUS. Jedoch kann Euer Drummer nicht mitkommen, da er Probleme mit seinem Arm hat. Stimmt das? Wer wird ihn auf der Tour ersetzen?

 

Seine Name ist Etienne Gallo. Er ist ein cooler und netter Typ, welcher bei DISEMBARKATION (R.I.P.) gespielt hatte. Dies war eine Band von Neoblast. Allerdings ist er auch noch in AUGURY aktiv, einer neuen Band wo Ex-Mitglieder von KRALIZEC und SPASME mit von der Partie sind. Alex macht nur eine kleine Pause, er verlässt uns nicht. Im Moment  hilft er uns und übernimmt die rolle des Gastsängers. Wir hängen immer wie Brüder miteinander ab und bringen uns gegenseitig jede Menge Respekt entgegen. Dies bedeutet uns sehr viel. Es gibt aber auch schlechte Nachrichten. Die von Dir angesprochene Kanada-Tour ist gecancelt worden. Der Promoter war zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt und hatte keine Zeit die Tour zu organisieren. Was ich am meisten hasse, ist dies eine Woche vor dem Tourstart zu erfahren! Die Tour war angeblich Wochenlang geplant gewesen, aber dieser Typ hatte uns überhaupt nicht gewarnt und er war nur sehr schwer zu erreichen. Wen wir gewussten hätten, das dies alles so läuft, dann hätten wir nicht alles mögliche in Kauf genommen um drei Wochen auf Tour zu gehen. Wir mussten viele Ding erzwingen und wurden dann mehr oder weniger verarscht. Es geht einem auf die Nerven. Aber hey, Du weißt, dass das Leben nicht leicht ist und wir werden auf gar keinen Fall rumheulen weil wir so viel für die Tour gemacht hatten. Wir werden einfach später touren und wir werden uns nicht unterkriegen lassen, denn wir sind nicht totzukriegen.

 

Kommt ihr evtl. auch mal nach Europe? Was sind Eure Pläne für die nächsten Monate?

 

Wir sehen ein paar Möglichkeiten um in Europa und in den Staaten zu touren. Wir werden sehen ob es klappt. Unser Sänger Ian und ich waren eigentlich nur darauf um endlich zu touren. Wir sind totale Tour- und Party-Freaks. Ian ist übrigens der Co-Redakteur und Gründer eines Zines mit dem Namen Extreme Radiophobia (www.extreme-radiophobia.com). Ich perönlich sollte auf Tour mit der Hardcore-Band HANDS OF DEATH für zehn Tage in Kanada gehen, aber das klappte leider nicht. Sie fragten mich auch, ob ich als Session-Gitarrist einsteigen möchte. Doch nach nur einer Probe wollten sie mich fest in Ihr Line-Up einbinden. Das ist auch OK für mich, solange ich noch Zeit für NEURAXIS, URBAN ALIENS, IDIOPATHETICS, WACKY PACK und PANDORA habe (meine Güte, der Kerl ist wohl echt nicht ausgelastet... - Olly). Mir macht es nichts aus, jeden Tag zu spielen - oder sogar zweimal am Tag. Musik fließt in meinen Venen und es ist das einzigste bei dem ich wirklich gut bin. Mich macht es einfach fertig, einem geregelten Job von neun bis fünf Uhr nachzugehen. Da fühle ich mich wie ein Sklave. Bei der Musik geht es mir da ganz anders. Da habe ich immer die nötige Energie und ich fühle mich beim spielen einfach frei. Ich habe so viele Ideen und wünschte mir, ich hätte eine Million Dollar um sie in Aufnahmen zu investieren. Wenn dies eines Tages passieren sollte, bin ich der glücklichste Mensch auf Erden. Aber wer wäre das nicht, hahaha.

 

OK, Steven. Danke für das Interview. Die letzten Worte gehören Dir!

 

Danke Olly. Wie Du siehst, gebe ich mir sehr viel Mühe. Es ist immer ein vergnügen, Interviews zu beantworten. Denn ich habe immer was zu erzählen. Hail to all German folks who go on Ancient Spirit website! Shaizer and foodzha! Hehehe... Hoffe, wir sehen uns auf Tour. Bitte besucht unsere Website und schreibt in unser Gästebuch. Wir lieben es Kommentare von Euch zu bekommen.


Interview: Olly

 

Line-Up

 


Steven Henry
Guitars

Yan Thiel

Bass

Robin Milley
Guitars

Alex Erian
Drums

Ian Campell
Vocals


       

Discography

 


'Imaginery'

Album 1997

'In Silence'

Promo 1999

'Virtuosity'

Promo 1999
           

'A Passage Into Forlorn'

MCD 2001

'Truth Beyond'
Album 2002/2003
           


 

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