NAPALM DEATH (Mai 2005)


NAPALM DEATH sind der Garant für erstklassige Brutalomucke und das  seit nunmehr 20 Jahren und 12 Alben. Einst als Grindpioniere gestartet, haben sich die Briten mit ihrem neuesten Album „The Code Is Red“ ihr eigenes Denkmal geschaffen. So verdammt tight, brutal und melodisch aber dennoch saufies haben sie wohl noch nie geklungen. Selbst Barney Greenway pflichtet mir da bei und er hat noch weitaus mehr zu sagen:

 

 

Hi Barney, hier der Ralf aus dem Land der Krauts – wie ist das Wetter im United Kingdom?

 

„Im Moment ziemlich beschissen. Es ist zwar irgendwie sommerlich aber nach einem viel versprechenden Start eher dunkel und finster.  Die guten alten globalen Warnungen, hehe...“

 

Das neue  Opus “The Code Is Red...” ist ein wahrer Killer geworden! Die Produktion springt einen geradezu an, wie ein Wildgewordener Rottweiler...

 

“Genau, du hast es schön zusammengefasst. Wie du ja weißt, versuchen wir immer die bestmögliche Produktion zu erzielen, die mit NAPALM DEATH  möglich ist. Doch diesmal haben wir das auch geschafft! Russ Russell kennt uns mittlerweile richtig gut und weiß, was wir wollen, nachdem er einige der letzten Alben mitproduziert hat. Manchmal glaube ich, dass die Producer nicht genau versteht, wie die Band klingen sollte, bis sie an mehreren Alben der gleichen Band mitgearbeitet haben. Eine wichtige Sache für mich ist es einen künstlich/steril klingenden Drumsound zu vermeiden, was uns definitiv auf diesem Album gelungen ist!“

 

Ich mag den CELTIC FROST-Touch sehr...Wie wichtig waren FROST deiner Meinung nach für die extreme Metalszene?

 

„Oh, sie hatten riesigen Einfluss! Ich schäme mich nie zuzugeben, dass wir früher einige CELTIC FROST-Riffs geklaut haben. Es gibt nur wenige Bands, die als genial in dieser Szene bezeichnet werden dürfen, aber auf CF trifft das zu – höre dir nur mal das ‘To Mega Therion’-Album an, es ist völlig revolutionär und einzigartig. Das ist symphonische Musik, ohne plump zu klingen. Viele haben bereits versucht die Schweizer nachzuahmen, aber niemand kam nur annähernd an sie ran...“

 

Die Hardcoreparts scheinen mehr Hardcore als je zu vor zu sein, die Metalparts so melodisch wie nie, dennoch ist es wohl das brutalste NAPALM-Album überhaupt....

 

“Ich weiß! Ist das nicht seltsam? ‘The Code Is Red…’ ist eines jener Alben, das sich uns erst völlig offenbart hat, als es fertig war. Wir merkten bereits beim aufnehmen, dass es gut war, aber als das Ding dann fertig war, sprang es uns förmlich ins Gesicht. Es überraschte uns, dass selbst die experimentierfreudigsten und melodischen Parts, nicht die Brutalität untergruben…Vielleicht haben wir jetzt den Punkt erreicht, wo wir den perfekten Mix aller verschiedenen Stile, die uns beeinflussten, gefunden haben.“

 

Wie siehst Du eigentlich die Royals? Schmerzt es nicht ein Britisches Herz, dass die ganze Welt über sie lacht?

 

„Sie sind ein Witz! Und der größte Witz ist, dass wir hier in England die Royals auch noch finanzieren – das Geld sollte man besser für die Armen oder das Gesundheitswesen spenden. Ich wäre dafür, die Monarchie völlig abzuschaffen. Ob es ein britisches Herz schmerzt? Nun, ich bin nicht patriotisch eingestellt, doch kannst du mich gerne als Brite bezeichnen, da es meine Herkunft ist. Doch ich glaube eher an Menschen, als an Flaggen und Grenzen. Wenn wir jemals Gleichheit erreichen wollen, müssten wir gedanklich über diese Grenzen hinweg gehen. Ich hasse diese ganze Scheiße, die da von den Medien aufdiktiert werden, u.a. dass sich die Engländer, Deutschen und Franzosen hassen müssen. Was ein riesen Haufen Scheiße!“

 

Bist Du immer noch ein großer AOR/Melodic Hardrock-Fan? Ich meine, Du singst in eine der extremsten Bands der Welt…Hattest Du nie Interesse ein eigenes Projekt in dieser Richtung zu starten?

 

„Nö, eigentlich nicht, das gäbe mir einfach nie diesen Adrenalin-Kick wie mit NAPALM DEATH. Aber zugegeben, als Fan weiß ich die begnadeten Werke von JOURNEY, SURVIVOR, CHICAGO, FOREIGNER etc. sehr zu schätzen, auch wenn du es für „cheesy“ halten magst, haben sie ein unglaubliches Gespür für Songwriting, Melodien…Ich meine höre nur mal Steve Perry, was eine verdammt geile Stimme…“

 

Du bist ebenso ein riesiger Fan von altem Hardcore, wo siehst Du die Unterschiede zu heutigen Bands dieses Genres?

 

„Da gibt es zu viele verschiedene Aspekte und Unterteilungen im Hardcore heute. Es war bereits früher so, doch heutzutage geht es zu sehr in den Mainstreambereich über und das in unglaublichen Dimensionen. Wie überall in extremeren Musikbereichen habe ich nichts vergleichbares mehr gehört, wie Klassiker à la MINOR THREATs ‘Out Of Step’, LÄRM oder NEGATIVE APPROACH und DISCHARGE. Das ist womöglich Ansichtsache und ich möchte ja auch keine Bands anscheißen, doch diese riesige Metalcore-Szene muss erst mal beweisen, ob sie auf Dauer bestehen kann, um diesen „Second-Hand“-SLAYER-Vorwurf loszuwerden…“

 

Es gibt einige interessante Gäste auf dem neuen Album zu hören...waren die alle persönlich im Studio oder wie lief das ab?

 

„Jeff Walker (ex-CARCASS) war am einfachsten, da er ein langjähriger Freund ist. Er kam einfach vorbei und hing mit uns im Studio ab. Jamey Jasta war eh gerade in der Stadt um mit HATEBREED die SLAYER/SLIPKNOT-Tour zu supporten, also war es nicht schwer ihn zu fragen. Jello Biafra (Ex-DEAD KENNEDYS) war der einzige, für den wir etwas mehr  planen mussten, denn es gab keine Möglichkeit ihn ins Studio nach England zu bekommen. Wir buchten ein Studio in San Francisco, als wir in den Staaten tourten, Jello kam vorbei und machte etwa 50 Takes mit seinem unvergleichlichen Gesang. Ich finde, jeder der Gäste lieferte eine großartige Arbeit ab…“

 

NAPALM DEATH ist als sehr umtriebiger Liveact bekannt – hast Du mal deine Auftritte gezählt und erinnerst Du dich an den schlechtesten Gig deiner Karriere?

 

„Ich habe meine Gigs nicht gezählt, doch das spielte sich so in der Region um die 1500 ab... Der schlimmste Auftritt für mich war mein erster in Manchester 1989. Ich wusste nicht, wie ich an den Gig rangehen sollte, also besoff ich mich, bevor ich auf die Bühne ging. Jeder war fürchterlich schlecht an den Instrumenten, was Mickey (den alten Schlagzeuger) so angepisst hat, daß er die Drumsticks nach uns warf. Einer traf mich versehentlich mitten an der Stirn und hat mich fast umgehauen. Ja, das war definitiv kein großartiger Auftritt.“

 

“The Code is Red“ - das könnte dahingehend interpretiert werden, daß die Welt vor einem Notfall oder einer Bedrohung steht.

"Schon, mal abgesehen davon, daß ich der Wirklichkeit dieser "Bedrohung" eher kritisch gegenüberstehe. Was ich mit diesem Titel sagen will ist, daß die Alarmstufe aus autoritärer Sicht immer "rot" sein sollte, da es uns Bürger unter den falschen Deckmantel höchster Alarmierung packt. Regierungen wissen die Leute zu überzeugen, ihre Menschenrechte durch ein steigendes Maß an Furchteinflößungstaktiken und Paranoia aufzugeben. Einige Leute in der Gesellschaft allgemein haben angefangen drakonische Mittel wie die Internierung von "Terrorverdächtigen" zu akzeptieren, was doch höchst alarmierend ist, da diese Dinge möglicherweise dazu tendieren, weithin glaubwürdig und gesamtheitlich akzeptabel zu werden. Wie lange würde es dann dauern, bevor wir Leute für bestimmte Gedanken ins Gefängnis wandern sehen? Dafür, gegen die Zerstörung der Umwelt zu protestieren und deshalb als "Terrorist" abgestempelt zu werden. Oder etwas in der Art.“
 

Was denkst Du über Tony Blair?

 

„Oh, ich bin gegen ihn. Ich mag weder den Weg, den er mit der Labour Party (von der ich einst ein Mitglied war) eingeschlagen hat, noch die Art, wie er in England die Gesetze entliberalisiert, was das Leben für diejenigen, die lange Zeit in Armut leben und aus schierer Verzweiflung Verbrechen begehen, noch härter macht. Ich bin der festen Überzeugung, daß man mit echten Versuchen, die Armut anzugehen, eine Menge mehr Linderung bringen kann als mit großen Gesten. Ich kann ihm auch nicht verzeihen, daß er Bush im Krieg unterstützt hat, wo wahllos tausende von Irakern getötet wurden. Wenn andere Staatschefs dafür verantwortlich wären, stünden sie längst wegen Kriegsverbrechen vor einem Gericht, worauf viele Leute schon hingewiesen haben.“

 

Gibt’s eine neuere Band, die Dich beeindrucken konnte?

 

„Nicht eine neue Band an sich, aber DAS OATH, welche Old School Hardcore mit einem KILLING JOKE-artigem Sound mischen, sind klasse und haben eine tolle Produktion. Zumindest für ein kleines Indie-Label…“

 

Ihr werdet mit  DIECAST nach Germany kommen. Was gefällt Dir an unserem Land und was nicht?

 

„Ich hatte immer viel Spaß und nie irgendwelche Probleme in Deutschland. Dort scheint es viel Toleranz und Verständnis zu geben…(Na ja - Ralf) Obwohl ich glaube, dass es sich bei Schroeder und der SPD ähnlich verhält wie bei Blair und Labour…“

 

Deine 10 Favealben?

 

Motörhead - ‘Ace Of Spades’

Discharge - ‘Why’

Celtic Frost - ‘To Mega Therion’

Siege - ‘Drop Dead’

Repulsion - ‘Horrified’

Death - ‘Scream Bloody Gore’

Journey - ‘Raised On Radio’

S.O.B - ‘Don’t Be Swindle’

Dream Theater - ‘Scenes From A Memory’

Minor Threat - ‘Out Of Step’

 

Welche Frage fehlt noch?

 

„Warum kannst Du nicht einmal für 5 Minuten stillsitzen?“

Interview: Ralf

Bearbeitung, Layout, Live-Pix: Hage

 

Homepage:

 

 

Line-Up:

 

MITCH HARRIS
Guitar

MARK 'BARNEY' GREENWAY
Vocals
SHANE EMBURY
Bass
DANNY HERRERA
Drums

 

Discography:

 

Scum [1987]

from enslavement to obliteration [1988]

the curse - EP [1988]

mentally murdered - MiniLP [1989]

live - rise above - MiniLP [1989]

harmony corruption [1990]

suffer the children - EP [1990]

death by manipulation [1992]

utopia banished [1992]

the world keeps turning - EP [1992]

nazi punks fuck off - 7Inch [1993]

fear, emptiness, despair [1994]

greed killing - MiniLP [1995]

diatribes [1996]

in tongues we speak - Split-EP [1997]

inside the torn apart [1997]

breed to breathe - MiniLP [1997]

words from the exit wound [1998]

leaders not followers - MiniLP [1999]

enemy of the music business [2000]

order of the leech [2002]

leaders not followers (part 2) [2004]

the code is red.. . long live the code [2005]

 


 

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