IVORY NIGHT (Juni 2011)


 

 

 

Im nationalen Underground hat sich die Band IVORY NIGHT aus Kaiserslautern bereits einen (guten) Namen gemacht. Natürlich ist auch klar, dass die Tatsache, dass ein Großteil der Truppe auch bei der ROSS THE BOSS-Band spielt(e), viele Banger auf die Band aufmerksam gemacht hat. Dabei klingen die RITTER doch weitaus wesentlich weniger traditionell wie ROSS und damit auch experimenteller. Die harte Arbeit scheint endlich Früchte zu tragen, denn man konnte einen Deal mit Aaarrg -Records ergattern. Soeben ist das neueste, dritte Album „The Healing“ erschienen. Sänger Patrick Fuchs hatte folgendes zu berichten.
 

Grüß dich Patrick, ich hoffe Du hast dich von deinem Unfall mittlerweile erholt. Was war eigentlich passiert?

Hi Ralf! Danke der Nachfrage, mir geht's mittlerweile wieder gut, es hat allerdings einige Wochen gebraucht. Ich war morgens auf der Autobahn unterwegs. Es hat geschneit, nicht viel eigentlich, und im Schnee fahren macht mir keine Schwierigkeiten.
Auf der Höhe Glan-Münchweiler muss dann allerdings auf oder hinter einer Brücke Blitz-Eis gewesen sein, weshalb ich bei etwa 120km/h die Kontrolle über mein Auto verloren hab. Ich hab mich gedreht und überschlagen und bin schließlich auf dem Dach liegen geblieben.
Das Auto war natürlich stark verformt, die Scheiben raus und das Dach bis ein paar Zentimeter über meinen Kopf eingedrückt. In jedem Film hätte ich gesagt, dass die Szene total unrealistisch dargestellt ist: Das Auto ist Schrott, alles bis auf ein paar Millimeter knapp und dem Fahrer ist fast nichts passiert. Gut, scheinbar gibt es sowas in Wirklichkeit doch!
Ich hatte eine gebrochene Rippe und einen leichten Milzriss, der wieder verheilt ist. Glück gehabt, aber wirklich…

 

Puuh, da sagste was.
Das Line-Up von IVORY NIGHT hat sich geändert, ihr habt einen neuen Gitarristen und auch Bassisten?


Ja, das stimmt. Benedikt Zimniak, der auch bei MEKONG DELTA aktiv ist, spielt seit Ende März 2010 bei uns. Es war seit Jahren immer meine Überlegung, mich live von der Gitarre zu trennen und mich auf den Gesang zu konzentrieren, einfach, weil es leichter fällt und schlicht auch besser rüberkommt. Ich liebe die Gitarre nach wie vor – und glücklicherweise ist immer mal einer der Gitarristen in Urlaub oder verhindert, so dass ich bei den Proben auch immer noch regelmäßig spiele.
Wir hatten immer gesagt, dass wir einen fünften Mann dazu nehmen, wenn uns der Richtige über den Weg läuft. Und mit Bene ist es einfach. Er passt menschlich super und er bringt uns für die Zukunft auch musikalisch noch neue Einflüsse, auf die wir uns schon sehr freuen!

Der Wechsel am Bass ist natürlich ein anderes Thema, das war ja nicht geplant. Aber man kann wohl sagen, dass es einfach eine Entwicklung war, die so kam, wie sie kam. Das übliche Thema mit den musikalischen Differenzen. Die führen dann halt zu Spannungen, die früher oder später auch auf die persönliche Ebene übergehen. Daher war der Split leider – und nach 9 Jahren und vielen gemeinsamen Träumen und Ideen ist es auch ganz ehrlich ein großes "Leider" – notwendig geworden. Glücklicherweise haben wir das alles wieder so in den Griff bekommen, dass wir uns auf die weiteren ROSS THE BOSS Aktivitäten unvoreingenommen freuen können.
Und bei IVORY NIGHT hat sich mit Kalle Keller (WARCHILD, ex-PALACE, etc.) ein sehr guter Freund der Band als absolut passender Bassist herausgestellt, der sich brutal den Arsch aufreißt und arbeitet wie ein Tier. Kalle passt super in die Band, wir kommen klasse zurecht und wir klingen gut – wir sind echt zufrieden!

 

Euer neues Album „The Healing“ ist jetzt bereits eine Weile raus – zufrieden mit den Resonanzen?

"The Healing" ist am 19.11.2010 erschienen. Mit den Resonanzen sind wir im Großen und Ganzen auf jeden Fall zufrieden. Es ist allerdings deutlich, dass seit wir nicht mehr unter "Eigenproduktionen / Demos" gelistet sind, die Messlatte schon höher angelegt wird, als früher.
Aber ich kann sowohl mit den euphorischen, als auch den kritischen Reviews gut leben und in beiden Wahrheiten finden. Es gab einen Totalverriss, der war so leidenschaftlich, dass er schon wieder absolut unterhaltsam war. Es kommt halt mal vor, dass es jemand echt total scheiße findet, was man als Band so macht – es ist ja eben immer eine Geschmacksfrage. Und es war ganz offensichtlich, dass er auf eindeutigen True Metal steht. Dann mag er uns natürlich eher nicht.

Die Verkäufe sind jedenfalls sehr gut angelaufen, wir haben ein paar Anzeigen geschaltet bekommen und teilweise Berichte in Magazinen erhalten, das ist ein deutlicher Schritt vorwärts, ich denke, da lässt sich gut aufbauen!
 

Das Ding kommt über Aaarrg-Records raus, wie kamt ihr denn an Ralph Hubert & Co. Bestimmt über den neuen Axtschwinger?

Ja, das ist tatsächlich so einfach gelaufen. MEKONG DELTA proben gelegentlich in Zweibrücken, weil ein Großteil der Band ja aus der Ecke hier stammt. IVORY NIGHT haben dann mal zum Teil Equipment gestellt und dabei die Jungs halt kennen gelernt. Da Ralf und wir uns einfach grün sind war das ein lockeres nettes Gespräch über ein paar Tassen Kaffee. Anschließend hatten wir den Deal und die 1991er Live-DVD von MEKONG nach dazu.
Ganz klar haben wir als Band, die noch recht weit am Anfang steht, ein Label gesucht, wo wir nicht eine kleine Band unter 87 Namen sind. Da war Aaarrg ganz klar unser Wunschpartner.
 

Wenn man auf den ersten Blick die Songtitel ansieht, muten sie etwas strange an. Es steckt aber ein Konzept dahinter?

Ein Konzeptalbum ist es nicht, eher eine Art Bilderbuch – das Booklet ist ja recht aufwändig mit je einem Themen-Foto zu den 13 Songs – mit Songs zu Kurzgeschichten über Katastrophen des Alltags.
Es sind ein paar sperrigere Titel dabei, wie zum Beispiel "QMF 08/15", "The Cell 2.0" oder "Mary 1 AM", das stimmt. Die Bedeutung ist aber eigentlich ganz einfach. "The Cell 2.0" heißt beispielsweise so, weil wir vor Jahren mal ein "The Cell" gemacht hatten, das wir aber nie aufgenommen haben. Die Version auf der CD ist jedenfalls komplett anders, fast ein Remake davon. Deshalb eben der Zusatz "2.0".
"QMF 08/15" ist eine Abrechnung mit der Zertifizierung aller Vorgänge in Betrieben europaweit. Da wird jeder einzelne Vorgang in einem Handbuch festgehalten, hunderte von Seiten dick, was letztlich vor allem Gleichschaltung und Transparentmachung bedeutet und den Spielraum für den gesunden Menschenverstand reduziert. Jede dieser Seiten im Handbuch heißt eben dann QMF mit einer Nummer. 08/15 passt ja fantastisch. Ganz klar einer meiner Lieblingstexte!
 

Euer Stil ist ziemlich eigenständig, ihr spielt zwar traditionellen Heavy Metal, allerdings mit einigen modernen Gimmicks und Experimenten. Ist es euch wichtig, nicht als altmodisch oder vorhersehbar tituliert zu werden und wie würdest Du selbst euren Stil beschreiben?

Gute Frage! Es weniger ein Vorsatz modern zu sein, eher das starke Verlangen, aus dem engen Rahmen des Metal zumindest ein Stück weit auszubrechen. Metal ist doch Revolution.
Als am Anfang der NWoBHM die Bands loslegten, hat sich niemand überlegt, was er da macht. Da war noch eine gewisse Freiheit. Die ersten Maiden Sachen zum Beispiel, da findest Du haufenweise Punkelemente, oder alte Priest Platten, da findet man Prog- oder Jam-Elemente und Sachen aus dem Blues.
Vergleich das mal mit den ganzen Sparten, die es heutzutage gibt… Bands wie HAMMERFALL dürfen sich nicht mehr als einen halben Meter vom Stil entfernen, aber das rigorose Festlegen auf eine Marschrichtung führt für mich nirgendwohin.
 

Stichwort Produktion: Es waren schon einige negative Stimmen zu lesen, um ehrlich zu sein „druckvoll“ oder „brachial“ ist bei mir etwas anderes…

Es scheint, als ob mache unseren etwas untypischen Drumsound nicht mögen, oder die Tatsache, dass die Gitarren recht sauber produziert sind. Ganz nachvollziehen kann ich das offen gestanden nicht. Klar klingt eine Band mit einem Budget von 25.000,-€ fetter, aber wir sind weder klinisch tot-komprimiert wie mache Power Metaler, noch klingen wir nach Demo, wie Exciter. Entscheidend ist vor allem, dass dieses Album stärker klingt, als unsere bisherigen Produktionen. Und ein schwacher Sound ist das ganz sicher nicht. Wie die nächste CD klingt, werden wir natürlich sehen. Anders sowieso, das sollte ja immer so sein, sonst ist es ja langweilig!
 

Ihr wart mit IVORY NIGHT bereits gut unterwegs, berichte mal, was man da so erlebt…

Ja, wenn wir können, dann sind wir gern unterwegs! Italien 2006, die Schweiz 2009, aber ganz klar war unsere Peru- / Ecuador-Tour 2007 am spektakulärsten! Wenn man bedenkt, dass in diesen Ländern Bands in öffentlichen Verkehrsmitteln, also Bussen reisen, dann wird klar, dass das alles doch wesentlich anstrengender ist, als bei uns zuhause.
Wir haben da zum Beispiel eine Show in Huancavelica auf 3800m Höhe gespielt, dafür sind wir von Lima – also Meeresniveau – über einen Pass von fast 5000m gefahren. Das ganze nachts und innerhalb von 8 oder 10 Stunden. Das war kaum zu ertragen, die Kopfschmerzen waren abartig und Tilmann (Ruby, Gitarre) hat während der Fahrt regelrechte Fieberkrämpfe bekommen. Gott sei Dank hat aber unser Drummer Volker stets eine knapp apothekengroße Medikamententasche dabei. Da konnten wir ihn wenigsten etwas stabilisieren. Ich habe keine Ahnung, wie wir es geschafft haben, dort dann noch eine gute Show zu spielen, aber es ging!
Wir wollen auf alle Fälle mal wieder hin, die Fans, die Leute, das ist alles absolut unglaublich. Wir hatten dort natürlich noch nie ein Album veröffentlicht und trotzdem haben die Fans Songs von uns mitgesungen, weil sie uns von youtube oder myspace kannten. Und auf eine 70-minütige Show folgen dann knapp 2 Stunden Autogramm- und Fotosession. Da muss man sich schon umstellen, so was kennt man von daheim nicht. Wir haben es geliebt!
 

Ihr habt die Live-Feuertaufe für das The Healing“-Material bereits bestanden, wie kommt das aktuelle Material an?

Wirklich sehr gut! Wir eröffnen mit dem Titelsong, ich komm in einer Zwangsjacke auf die Bühne und befrei mich bei den Zeilen "do you remember how the clouds began to break and when the rays of light would warm the breath you'd take…" daraus, das funktioniert wirklich sehr gut. Wir haben beim Komponieren und Produzieren schon darauf geachtet, dass die Songs live-tauglich sind, eingängiger als bisher. Beim Vorgänger-Album "Machine" war ein Kritikpunkt, dass die Stücke doch eher etwas zu komplex, oder eben nicht so stark auf den Punkt gebracht waren. Das haben wir diesmal eben mal anders gemacht. Und daher spielen wir recht viele von der neuen CD und sie zünden auch richtig gut live.
 

Wie kamst Du zum Metal bzw. wie bist du selbst Metalfan geworden?

Also ich hab schon immer gern Musik und vor allem Rockmusik gehört. Als Kind schon. Meine Freunde hatten "Kinderkassetten" à la Rolf Zukowski, ich hab QUEEN gehört, dann kam die "Triumph & Agony" von WARLOCK über meinen Vater ins Haus, die fand ich damals wie heute genial. Später bin ich auf BILLY IDOL gekommen und als abermals mein Vater HELLOWEEN's "Live In The UK" angeschleppt hat, war mir klar, dass das meine Richtung sein würde.
Dann ging das alles Hand in Hand. Ich habe angefangen zu Singen und Gitarre zu üben, später in Bands gespielt, das war einfach eine ganz normale Entwicklung. Dieselbe Entwicklung, die mir später dann zu den Metal-Bands auch Rockgruppen wie WISHBONE ASH gebracht hat.
 

Was befindet sich im Moment in deinem i-pod / mp3 player / autoradio?

Ich habe zurzeit eine ziemliche SCORPIONS-Phase, deshalb läuft im Autoradio – die anderen Systeme verwende ich nicht – vieles, was ich zur Zeit nachkaufe. "Fly To The Rainbow" und "Humanity – Hour 1" sind zurzeit meine Favoriten von den SCORPIONS. Übrigens auch eine Band, die sich regelmäßig verändert hat. Meistens war das auch gut so, wenn man die Sachen zwischen "Face The Heat" und "Unbreakable" mal ausklammert…
Ansonsten läuft da immer was von WISHBONE ASH, wer die Band nicht kennt, sollte mal dringend "Live In London" kaufen, da lernt man, woher IRON MAIDEN, HELLOWEEN und JUDAS PRIEST – und wir – die Twin-Lead-Gitarren haben, die man oft THIN LIZZY zuschreibt. WISHBONE ASH waren die ersten. Und sind bis heute wohl auch die besten..
 

Was willst du uns zum Schluss mit auf den Weg geben?

Danke für das Interview und für die Unterstützung! Und ganz klassisch: Kauft unser Album "The Healing", damit Aaarrg mit uns zufrieden ist und wir schnell die nächste CD machen können! Unsere Homepage www.ivorynight.de wird im März endlich ge-relauncht, also immer mal wieder vorbeischauen, dort findet man die Termine und aktuelle Sachen von uns!
 

 

Interview: Ralf

Bilder von den verschiedenen Webseiten der Band

 

 

 

Line-Up:

 

 

Von links nach rechts:

 

Kalle Keller - Bass

Patrick Fuchs - Gesang

Benedikt Zimniak - Gitarre

Volker Schick - Schlagzeug

Tilmann Ruby - Gitarre
 

 

 

Webseiten:

 

 

 

 

 

 

 

 

Discography:

 


'The Healing'

2010 - Album

 

Machine

2007 - Album

 

'7 - Dawn Of The Night'

2004 - Album

 

 


 

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