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GOLEM (Mai 2004) |
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Yezz, die Berliner Death Grinder von GOLEM melden sich eindrucksvoll mit ihrem dritten Album "Dreamweaver" zurück und zeigen es all denen, welche die Band für tot befunden haben. Das dem nicht so ist zeigen Andreas Hilbert und seine 3 Mannen auf diesem Langeisen mehr als deutlich. Weswegen die Pause so lange dauerte, wie auch einige andere Details verriet uns der Bandchef in diesem Interview. |
Hey
Andreas, Gratulation zu „Dreamweaver”, eurem neuen Album! Wieso hat es
eigentlich solange seit “The 2nd Moon“ gedauert, bis ihr wieder ein neues Album
veröffentlicht habt? Gab’s Probleme in der Band, oder hattest du zu viel Stress
in deinem Studio?
Naja, Micha unser langjähriger Schlagzeuger hat uns ja verlassen und es hat schon eine Weile gedauert, einen entsprechenden Ersatz zu finden und einzuarbeiten. Der Weggang von Ars Metalli hat auch nicht gerade zur Beschleunigung des Ganzen beigetragen. Zudem haben wir uns wegen Terminverschiebungen im Studio ziemlich viel Zeit gelassen. „Dreamweaver“ hätte in ähnlicher Form auch 2001 oder 2002 erscheinen können. Was soll’s, wir sind nun mal nicht die allerschnellsten und wir liefern lieber eine seltene Hammerarbeit ab, als uns da durch irgendetwas Zeitpläne draufdrücken zu lassen. Das schadet im Endeffekt nur der Musik.
Musikalisch hat sich ja einiges bei euch geändert, da ihr nicht nur wesentlich komplexer sondern auch zunehmend schneller / brutaler geworden seid. Wie kam diese Entwicklung zustande?
Nachdem
man ja nach „The 2nd Moon“ durchaus sanftere Klänge hätte erwarten können, haben
sich unsere Prioritäten doch etwas in eine andere Richtung entwickelt. „The 2nd
Moon“ ist allemal poppig genug, dies auszubauen überlassen wir lieber anderen.
Wir haben uns da voll auf die uns eigenen Stärken besonnen und die liegen nun
mal darin, diese morbiden Stimmungen zu vertonen und vor allem auf harmonischem
Gebiet Neuland zu betreten. Auch haben wir definitiv eine Schwäche für schnelle,
aggressive Musik und wollen damit auch den Schlagertendenzen im Metal eine
deutliche Absage erteilen. Dass man dabei nicht in stumpfes Gebolze abgleiten
muss, haben wir ja wohl zeigen können. Melodien und Harmonien sind weiterhin der
wichtigste Bestandteil unserer Musik, nur wollten wir eben gerade dort neue
Zeichen setzen. Erics Einfluss auf die Geschwindigkeit hat uns dabei natürlich
auch ganz gut getan.
Fakt ist auf alle Fälle, dass „Dreamweaver“ keine leichte Kost ist! Was sollte man als Hörer auf keinen Fall von der Scheibe erwarten? Mit welcher Einstellung sollte man an das Album herangehen?
Um „Dreamweaver“ zu verstehen sollte man schon ein sehr offenes Ohr mitbringen und sich auf diverse musikalische Gemeinheiten gefasst machen. Allerdings sehen wir auf dem Album auch sehr eingängige, wohlstrukturierte Songs, die vielleicht nicht sofort offensichtlich um die Gunst des Hörers
buhlen, dafür aber auch ihre Spannung nicht so schnell verlieren. Bis auf wenige Anleihen sollte man allerdings keinen Schlager erwarten, wir nehmen unsere Musik sehr ernst!
Früher
hattet ihr ja auch den Ruf weg als „die deutschen CARCASS“... das dürfte sich
eigentlich mit „Dreamweaver“ erledigt haben, oder? Meiner Ansicht nach hört man
nur noch an einigen Elementen, dass es sich um GOLEM handelt, aber sonderlich
viel CARCASS höre ich oberflächlich nicht mehr raus (erst nach genauem hinhören
bemerkt man einige, wenige Paralellen).
NB denken da wohl anders. Wir würden uns aber schon wünschen, dass die Sache endlich vom Tisch kommt. Viele Leute haben wohl einfach nicht genug Phantasie. Und wenn man intensiv genug sucht, kann man bei jeder härteren Band Parallelen zu CARCASS entdecken, schließlich haben die ja die extreme Musik auch nicht allein erfunden. Was soll’s, mittlerweile ist es uns auch egal, mit wem wir verglichen werden. Wir wissen um unsere Eigenständigkeit und müssen uns da nicht wegen solcher Kleinigkeiten aufregen.
Ich muss zugestehen, dass mich am Anfang der Sound von „Dreamweaver“ sehr stark abgeschreckt hat. Erst mach mehreren Durchgängen konnte ich mich daran gewöhnen. Wieso wurde die Scheibe so, na ja, leicht matschig produziert? Soll dies den Songs einen intensiveren Touch verleihen? Wenn ich mir im Vergleich die SINNERS BLEED CD „From Womb to Tomb“ anhöre, klingt diese viel klarer...
Wir mögen diesen Sound. Er ist sehr eigenständig, tief, roh und lebendig. Vor allem ist er nicht völlig frei von Dynamik. Er unterstreicht die extreme Stimmung des Albums. Wenn man auf diese glattgebügelten Retortensounds steht, sollte man sich mit anderer Musik beschäftigen. Es wäre durchaus möglich gewesen, in dieser Richtung zu arbeiten. Aber mir hat es sehr viel Spaß gemacht, neben all den Wünschen anderer Bands auch mal etwas zu machen, was wirklich voll meinen Soundgeschmack trifft. Deshalb gibt es z.B. auch nahezu alle Gitarrengeräusche zu hören, die zudem auch eine ganze Quarte tiefer gestimmt sind als etwa bei SINNERS BLEED. Ich höre übrigens gerade ein Stück vom „Legacy“-Sampler und muss dennoch sagen, dass es trotz allem eine sehr saubere Produktion geworden ist!
Was
hat eigentlich der Titel „Dreamweaver“ zu bedeuten? „Traumweber“?! Klingt auf
alle Fälle nicht nach einem simplen Thema... Handelt es sich dabei gar um eine
Konzeptstory??
Im Gegensatz zu „The 2nd Moon“ ist „Dreamweaver“ kein Konzeptalbum. Es herrscht allerdings die thematische Verarbeitung von Träumen vor, die mich zu einem Großteil der Lyrics inspirierten. Eine bestimmte Linie kann man dem auch nicht zuordnen, außer dass sie vielleicht allesamt ziemlich merkwürdig sind. „Dreamweaver“ war einfach genau das richtige Schlagwort dafür.
Welche Bedeutung kann man dem versteckten Bonustrack „Le Sacre Du Printemps“ zuschreiben? Wieso wurde er nicht einfach ganz normal auf die Scheibe gepackt?
„Le Sacre…“ ist kein Stück der Band, sondern ein ganz persönliches Experiment. Deshalb haben wir es auch ein wenig abseits der anderen Stücke auf die CD gepackt. Vorenthalten wollte ich das Stück dann aber auch niemandem, da ich denke, dass es durchaus eine interessante Studie des Werks von Igor Stravinski ist und ich zudem sehr viel Zeit damit verbracht habe.
Generell hattet ihr ja Death Metal-untypische Themen auf euren Alben... woran liegt das? Wollt ihr einfach anders wie die anderen sein oder fallen euch keine typischen Death Metal Themen über Blut, Tod und Satan ein, hehehe?
Wir wollten noch nie über Sachen singen, die uns nicht wirklich interessieren, oder die wir im Allgemeinen eher albern finden. Aber wenn man mal nachliest, sind unsere Lyrics auch nicht gerade Ausgeburten an Friedfertigkeit ;-)
Ihr
hattet ja in der Vergangenheit einige schwere Schicksalsschläge zurück zu
stecken, u.a. den Tod zweier Bandmitglieder wie auch dem Rip-Off eures ersten
Labels Invasion Records. Wie sehr zeiht einen so was runter? Was hat euch bzw.
dich dazu bewogen, dennoch weiter zu machen, da du ja zudem nur noch das einzige
übrig gebliebene Gründungsmitglied bist?
Und obwohl es euch nun schon seit 15 Jahren gibt, habt ihr nie wirklich den
großen Durchbruch geschafft, euch aber immerhin einen respektablen Namen im
Underground erspielt. Meinst du das liegt
an
diesen Rückschlägen, oder eher daran, dass ihr vielleicht zu oft zur falschen
Zeit am falschen Ort ward?
Wir machen gerne Musik und haben da gewisse Freiheiten, die uns das Weitermachen auch ohne fremden Support ermöglichen würden. Deshalb ist GOLEM auch noch nie ein Marketingfeldzug gewesen sondern eher Ausdruck unseres subjektiven Musikverständnisses. Von dieser Art von Musik lebt eh kaum jemand und deshalb nehmen wir uns dort auch die entsprechenden Freiheiten. Schön natürlich, wenn es trotzdem Leute gibt, denen unsere Musik gefällt. Also alles Gründe, uns nicht irgendeinem Veröffentlichungsdruck auszusetzen. Natürlich hat es uns unsere Geschichte auch nicht gerade leicht gemacht, in dem Maße aktiv zu sein, wie wir es uns vielleicht gewünscht hätten. Für unsere persönliche musikalische Entwicklung scheint unsere Situation nicht die allerschlechteste zu sein.
Hoffst du, dass sich das nun mit dem vertriebsstarken Label Nuclear Blast ändern wird? Verdient hättet ihr es auf alle Fälle! Sind die Schwaben eigentlich mit euch in Kontakt getreten oder habt ihr mal in Donzdorf angeklopft?
Unser Vertrag besteht eigentlich mit Grind Syndicate, die das Album an NB lizenziert haben. Den Andy Siry von GS habe ich über Volkmar Weber von DAR kennen gelernt und wir waren uns da recht schnell einig und haben ein sehr gutes Gefühl, was die Zusammenarbeit betrifft. Natürlich wären wir nicht traurig, wenn sich dadurch auch ein paar neue Möglichkeiten für uns auftun, aber wir sind da mittlerweile recht gelassen und tun einfach unser Bestmöglichstes.
Festivaltechnisch
seid ihr diesem Sommer auf alle Fälle beim Party.San Open Air vertreten,
weswegen ich mich auch doppelt darauf freue!! Sind noch andere Festivals oder
gar eine Tournee bestätigt?
Bestätigt ist noch nichts, aber wir sind schon im Kontakt mit entsprechenden Leuten. Eine Tour ist wahrscheinlich. Für dieses Jahr dürften die Festivals aber wahrscheinlich schon dicht sein. Mal sehen, wie sich das neue Album in die Gehörgänge der Leute bohrt und dann wird es sicherlich auch dort noch um einiges bergauf gehen.
Was können wir als nächstes von euch erwarten?
Ende des Jahres wird es ein Re-Release der beiden Vorgängeralben geben. Ansonsten werden wir natürlich auch weiterhin musizieren. Wie das im Einzelnen aussieht, kann ich aber noch nicht sagen. Im Moment genießen wir erst mal „Dreamweaver“ um uns dann mit wiederum neuen Ideen ans Werk zu machen.
Any last Wordz or Greetingz
Es gibt mehr Klänge als ihr denkt!
Interview & Layout: SasH
Offizielle Homepage:
Die Band:
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| Andreas Hilbert | Carsten Mai | Rainer Humeniuk | Eric Krebs |
| Vocals / Guitars | Guitars | Bass | Drums |
Die Diskografie:
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| Visceral Stab-Demo | Visceral Stab 7" | Recall the Day of Incarnation |
| 1991 | 1992 | 1993 |
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| Eternity - Weeping Horizons | The 2nd Moon | Dreamweaver |
| 1996 | 1999 | 2004 |
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