![]() |
GOD FORBID (September 2005) |
|---|

Wenn
es darum geht, die Bands zu nennen, die maßgeblich für das Entstehen der “New
Wave Of American Metal“ (NWOAM) verantwortlich zeichnen, fällt neben Namen wie
SHADOWS FALL, KILLSWITCH ENGAGE, LAMB OF GOD, UNEARTH oder CHIMAIRA definitiv
auch der Name GOD FORBID. Die Jungs aus New Jersey treiben schon seit fast einer
Dekade ihr Unwesen in der Szene und haben just mit ihrem vierten Album ’IV:
Constitution Of Treason’ ihr bisheriges Meisterstück abgeliefert. Nach der
letztjährigen Tour im Vorprogramm von MACHINE HEAD sollte der Band nun endlich
auch in der alten Welt der Durchbruch gelingen, nachdem sie in ihrer Heimat
bereits seit einiger Zeit zu den Topsellern der härtesten Zunft zählen.
Glückwunsch zu eurem großartigen neuen Hammeralbum, das euch meiner Meinung nach deutlich gereift und erwachsener präsentiert. Frontmann Byron Davis sieht dies ganz genau so...
„Yeah, wir haben dieses Mal so richtig Ernst gemacht. Wir haben einen Prozess durchlaufen, der uns letztlich geholfen hat, uns vollkommen darauf zu konzentrieren, was wir am besten können und unsere Persönlichkeiten mehr einfließen zu lassen. Es war tatsächlich unser Ziel, uns als eine Band zu präsentieren, die sich konstant weiterentwickelt und die stetig musikalisch wächst!“
Euer zweites Album, das Century Media-Debüt ’Determination’, war noch ein sehr zäher, komplexer Bastard, wohingegen das folgende ’Gone Forever’ deutlich catchier daherkam. Beim neuen Album habt ihr es meiner Meinung nach geschafft, die Komplexität von ’Determination’ mit der Eingängigkeit von ’Gone Forever’ zu kombinieren...
„Korrekt, so sehen wir das auch. Und das entstand wie bereits gesagt aus dem bandinternen Prozess heraus, daß wir uns voll und ganz nur nach uns und unseren Stärken gerichtet haben.“
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Aber nicht nur musikalisch habt ihr euch auf ein höheres Level befördert, sondern gerade auch gesanglich. Wie kam es zu den deutlich gereifteren Gesangsarrangements, nur durch intensiveres Proben?
„Nun, wir haben zwar durchaus noch intensiver geprobt als zuvor, allerdings ist die Band einfach viel mehr zusammengewachsen in den letzten Monaten, weshalb wir einfach ein viel höheres Komfort- und Wohlfühllevel innerhalb der Band erlangten, was sich gerade auch auf den Gesang bei den dismal sehr relaxten Aufnahmen ausgewirkt hat.”
Was anderes: Wieso hat es eigentlich drei Jahre gebraucht, ehe ihr den ’Determination’-Nachfolger ’Gone Forever’ 2004 endlich veröffentlicht habt?
„Nun, in dieser Zeit gab es für heavy Musik noch kein so großes Forum wie mittlerweile und daher erschien es uns deutlich wichtiger, jede uns angebotene Tour auch wahrzunehmen, was daher bedingte, daß wir nahezu drei Jahre lang nur am Touren, Touren und Touren waren. Und letztlich war es gut so, denn wir konnten dadurch beweisen, daß GOD FORBID mit jeder möglichen Band spielen kann!“
Zurück
zu ’IV’: Ihr habt euch mit ’Constitution Of Treason’ (grob übersetzt:
’Grundgesetz basierend auf Verrat’) für einen sehr direkten Titel und mit dem
Coverartwork, das zeigt, wie die Freiheitsstatue vor einer brennenden Stadt
ihren Fackelarm verliert, für ein sehr provokatives und offensives Travis
Smith-Artwork entschieden. Für diese deutliche Kritik am US-System werdet ihr in
einigen Gebieten der USA sicherlich nicht nur positive Reaktionen ernten...
„Nun, vielleicht, aber letztlich juckt uns das nicht die Bohne, denn das ist nicht entscheidend für unsere Herangehensweise. Die Leute sollen darüber denken was sie wollen, wichtig ist nur, daß sie evtl. auch zum nachdenken animiert werden dadurch und sowohl der Titel als auch das Cover so eine Art Weckfunktion haben. Ich denke einfach, daß es unglaublich wichtig ist, gerade in der heutigen Zeit seine Meinung offen kund zu tun und dazu zu stehen, was einem wichtig erscheint. Ich habe einfach nicht die Zeit, um mir darüber Gedanken zu machen, was die Leute davon halten könnten. Ich lebe mein Leben und bin glücklich, wenn ich die Gewissheit habe, mit solchen kleinen Aktionen das Bewußtsein einiger Menschen zu schärfen und sie ein wenig zum Denken zu animieren.“
Daraus schließe ich, daß euch die Entscheidung nicht schwer gefallen ist, dieses Artwork zu verwenden. Hattet ihr echt keine Angst davor, daß jene die durch die Ereignisse vom 11.9.2001 geschädigt wurden, kein Verständnis für solche Provokationen haben könnten?
„Nein, denn schließlich ist es lediglich ein Artwork und jeder soll daraus entnehmen, was er für richtig hält. Respektlos den Opfer dieser Katastrophe gegenüber sind wir zu keiner Zeit und ich denke es ist viel wichtiger, die Vergangenheit öfter in die Erinnerungen zurückzurufen, als sie zu verdrängen, denn ansonsten ist man doch förmlich dazu verdammt, daß sie sich irgendwann wiederholt.“
Die Songs des neuen Albums sind in drei Kapitel unterteilt. Würdest du sagen, daß es sich um ein Konzeptalbum handelt?
„Ja, auf jeden Fall, auch wenn es so gar nicht geplant war. Es hat sich einfach so herauskristallisiert, daß alle Songs in ein übergeordnetes Konzept passen. Worauf wir sehr stolz sind!“
Euer letztes Album wurde noch vom berühmten Knöpfedreher Colin Richardson gemixt. Warum das neue Album nicht?
„Nun, eigentlich wollten wir auch dieses Mal zu ihm gehen, allerdings hat es aus terminlichen Gründen nicht geklappt. Aber Eric Rachel, der die beiden letzten Scheiben auch produzierte, hat einen erstklassigen Job abgeliefert und wir sind stolz auf den Sound, den er uns zurechtgemischt hat. Bei ihm hatten wir zudem auch deutlich mehr Möglichkeiten uns in den Mix einzubringen.“
Bei einem Interview mit dir, komme ich nicht umhin dich auf ein Thema anzusprechen, das man aufgrund Geschehnissen vielerorts einfach immer noch nicht unter den Teppich kehren kann: Du bist neben SEPULTURA-Shouter Derrick und einigen Musikern von Bands wie SUFFOCATION, HAND TO HAND oder ZAO einer der wenigen schwarzen Musiker in einer hauptsächlich von weißen dominierten Musikszene. Wirst du noch oft mit Problemen deshalb konfrontiert?
„Ach weißt du, auch wenn es banal klingt, sind wir doch nur ein Haufen Jungs, die genau das machen, worauf sie Bock haben, völlig unabhängig von der Hautfarbe. Es ist mit Sicherheit nicht so, daß jemand unsere Platten kauft, weil ich schwarz bin, aber ganz sicher auch nicht so, daß sie jemand aus diesem Grund nicht kauft. Was zählt ist doch nur die Musik.“
![]() |
![]() |
![]() |
Völlig richtig, aber ich kaufe dir trotzdem nicht ab, daß du nie negativ damit konfrontiert wirst, dafür gibt es einfach noch viel zu viele Schwachmaten auf diesem Planeten...
Wie eingangs schon erwähnt, zählt ihr zu den Mitbegründern der NWOAM. Was macht diese neue Bewegung so stark?
„Wir sind das neue Gesicht einer schon lange existierenden Musikrichtung. Wir sind die unerbittliche, nicht zu stoppende Maschine, deren Passion es ist die Stimme unserer Generation zu sein und heavy Musik zu zelebrieren!“
Bands wie ihr, SHADOWS FALL, KILLSWITCH ENGAGE, CHIMAIRA oder LAMB OF GOD sind in den Staaten schon eine ganze Weile sehr erfolgreich, wohingegen einige der Bands bei uns in Europa erst jetzt so langsam bekannter werden. Wie sieht euer Masterplan aus, bei uns genauso durchzustarten wie in den USA?
„Wir müssen bei euch so oft wie nur irgend möglich touren. Es gibt keine andere Möglichkeit, als es auf die alte, bewährte Art zu schaffen, live immer voll in die Fresse!“
Letztes Jahr wart ihr ja mit MACHINE HEAD und CALIBAN bei uns unterwegs. Wie war diese Tour für euch und wie seid ihr mit den beiden anderen Bands klargekommen?
„Diese Tour war einfach unglaublich für uns. Ich habe keine Ahnung, ob wir es jemals in diesen ganzen Ländern und vor so vielen Leuten, die alle die selbe Passion was Metal angeht besitzen, gespielt hätten, wenn wir nicht diese Chance von MACHINE HEAD bekommen hätten. CALIBAN sind sehr coole Jungs und auch für sie war diese Tour denke ich ein toller Lernprozeß. Ich bin noch immer unglaublich stolz und glücklich, daß MACHINE HEAD uns mit nach Europa genommen haben. Wir hatten einfach eine gigantische Zeit mit vielen großartigen Erinnerungen.“
Was hältst du von den europäischen Fans und wo liegen die Unterschiede zu einem US-Publikum?
„Die Europäer lieben den Metal mit Haut und Haaren und wissen ganz genau, wie sie eine gute Zeit bei Konzerten haben können. Das wissen die Amerikaner natürlich auch, wobei ich aber generell denke, daß in Amerika viel mehr Leute nur auf Konzerte gehen, weil es gerade „in“ ist und sie dadurch cool sind. In Europa kommen die Fans viel mehr zu Konzerten, weil sie vom Talent der Bands und der Qualität ihrer Musik überzeugt sind. Wenn man sich in Europa Fans erarbeitet hat, dann kann man sich darauf verlassen, daß diese Fans auch treu zu deiner Band halten!“
![]() |
![]() |
![]() |
Eure beiden Debütscheiben (die ‘Out Of Misery’-EP von 1999 und das ‘Reject The Sickness’-Album von 2000) sind bislang lediglich in den USA erschienen. Habt ihr schon Pläne, daß beide Platten bei uns in Europa in nächster Zeit offiziell erscheinen?
„Das hoffen wir doch sehr, daß das bald klappt. Ansonsten werden wir zumindest schauen, daß wir bei der nächsten Tour einige Exemplare mitbringen, damit auch ihr mal in den Genuß unseres frühen Schaffens kommt!“
Wie sehen denn eure nächsten Tourpläne aus?
„Wir gehen zunächst einmal in Kürze als Support von MESHUGGAH auf US-Tour und dann kommen wir schon direct zu euch, wenn wir im November mit THE HAUNTED die Bühnen unsicher machen!”
Ihr spielt ja eindeutig modernen Thrash Metal, der allerdings ab und an mit einigen HC-Beatdowns und - Grooves aufwartet, was vermuten läßt, daß ihr neben MACHINE HEAD, TESTAMENT und PANTERA mit Sicherheit auch einige HC-Bands als Einfluß habt, oder?
„Ja, völlig richtig! BIOHAZARD, MADBALL, AGNOSTIC FRONT und FOR THE LOVE OF sind für uns sehr wichtig gewesen!“
Wie denkst du über den aktuellen Metalcore-Overkill und welche Bands gefallen dir besonders?
„Nun, ich denke und hoffe, daß bald die notwendige Gesundschrumpfung passieren wird, bei der die guten Bands überleben und die billigen Mitläufer auf der Strecke bleiben werden! Ich stehe total auf ATREYU, UNEARTH und DARKEST HOUR.“
Was hältst du von den folgenden Bands:
AS I LAY DYING: „Ok“
FEAR FACTORY: „Ok“
CHIMAIRA: „Amazing!“
UNEARTH: „Amazing!“
EXODUS: „Ok“
Richard Cheese: „Noch nie von ihm gehört!“
ISIS: „Cool!“
IRON MAIDEN: „Fucking god! Damn unbelievable amazing. Die beste Band die ich jemals live gesehen habe. Smack your mother in the face! Metal with no boundaries!“
![]() |
![]() |
![]() |
Gibt´s noch irgendwas, was ich dich vergessen habe zu fragen?
„Nein, aber ich möchte die Chance nutzen um deutlich zu machen, daß wir es lieben, wenn Mädels und Frauen zu unseren Shows kommen, haha! Also, kommt vorbei und sagt uns hallo!“
Ihr Schwerenöter...
Final words?
„Wir freuen uns schon jetzt darauf, wieder in Deutschland zu spielen und kräftig Arsch zu treten. Bis dahin checkt unsere Websites www.godforbid1.com und www.myspace.com/god4bid!“
Hage
Homepage:
Line-Up:


![]() |
![]() |
![]() |
|
'Out Of Misery’ (MCD, 1999, We Put Out) |
'Reject The Sickness' (CD, 2000, 9-Volt) |
'Determination' (CD, 2001, Century Media) |
![]() |
![]() |
![]() |
|
'Gone Forever' (CD, 2004, Century Media) |
'Better Days' (EP, 2004, Century Media) |
'IV: Constitution Of Treason' (CD, 2005, Century Media) |
![]() |
Alle Inhalte (c) Ancient-Spirit-Magazine Webmaster: info@ancientspirit.de
|
|