FALLEN YGGDRASIL (April 2005)


 

 

Ich hasse es Einleitungen zu schreiben, weil mir meistens nichts Gescheites einfällt, daher hier kurz und bündig: Anlässlich des 2004 erschienen Debütalbums „Building up a Ruin to come“ der süddeutschen Death Metal Helden FALLEN YGGDRASIL habe ich mir deren Shouter Simon mal geschnappt und einige Infos über Aktuelles, Zukünftiges und Vergangenes aus ihm rausgequetscht. Aber lest selbst:

 

Hi Simon, alles klar? Haste Deinen Geburtstag noch gut überstanden? Das Konzert am Samstag vor ‘ner Woche (am 12.03.) war ja leider bedingt durch die kastrierte Promotion leider eher weniger erfolgreich. Lustig war’s dennoch. Wie fandest Du es?

Ich hab mich gut amüsiert. Da der Veranstaltungsraum nicht so groß war, ist ja zum Glück nicht so sehr ins Gewicht gefallen, dass nicht übermäßig viele Leute da waren. Wie viele werden es gewesen sein, so 50 bis 60? Ich denke mal, dass das nicht nur an der Sache mit der Werbung gelegen hat, sondern auch an dem Glatteis – Wetter. Da bleibt so mancher halt vorsichtshalber doch zu Hause. Insgesamt war die Location natürlich nicht so super für Konzerte, ohne vernünftige Bühne und so. Unter normalen Umständen würden wir uns eventuell auch überlegen, ob wir da überhaupt spielen, aber da es ja eine gute Gelegenheit war, in meinen Geburtstag reinzufeiern und mit HEILIG’S BLECHLE und DARKNESS ABLAZE auch sehr sympathische Bands am Start waren, konnte man das schon machen. Also ich buch‘ das Konzert auf jeden Fall auf der „Haben – Seite" ab.

So, was gibt’s neues bei Euch. Ihr habt Euch ja vor nicht all zu langer Zeit von Eurem Gitarristen Denno getrennt. Wie kam es dazu? So weit ich weiß habt ihr noch keinen Ersatz in Aussicht!?!

Nein, bisher gibt es keinen Nachfolger für ihn. Wir hatten in der letzten  Zeit aber auch kaum Gelegenheit, uns intensiver umzuschauen. Es gibt zwischenzeitlich ein paar viel versprechende Kandidaten, aber aufgrund verschiedener sonstiger Aktivitäten konnten wir noch keinen davon anchecken. Das wird irgendwann in den nächsten Wochen geschehen und dann sieht man weiter. Bis jetzt ist also noch alles offen und wer sich vorstellen könnte, den Job zu übernehmen, kann sich einfach per Mail bei mir melden, dann gebe ich ihm alle erforderlichen Informationen. Die Sache mit Denno war eigentlich das „Übliche": Er hatte wohl nicht mehr die Zeit, mit der Band mitzuziehen, weswegen es zu verschiedenen Missstimmungen in der Band kam. Wir haben uns dann aber absolut im Guten voneinander getrennt, ohne dass es da schlimmeren Streit gegeben hätte. Letzten Endes sieht es jetzt eben so aus, dass wir bis auf weiteres zu viert weiter machen. Das ist zwar live nicht ganz perfekt, aber es geht schon, zumindest bis ein Nachfolger gefunden ist.

So nun zur nicht mehr ganz so neuen Platte „Building up a Ruin to come". Wie siehst Du das Album im Vergleich zur „In No Sense Innocence„ MCD oder zum „Odyssey in sorrow" Demo *g*? Welche Fortschritte habt ihr musikalisch und Songwriting-technisch Deiner Meinung nach erzielt?

Für mich persönlich waren die alten Releases noch stark von einer gewissen Suche nach einem eigenen Stil geprägt. Ich mein, schau Dir mal das „Odyssey in Sorrow„ – Demo an, das war ja ein ziemlich wilder Mix aus so ziemlich allen Metalarten, die’s überhaupt gibt. Das machte die Geschichte zwar auf der einen Seite interessant, aber auf der anderen Seite gab es wenn man mal vom Gesang absieht kaum einen roten Faden auf der Kassette, denn die verschiedenen Einflüsse verschmelzen noch nicht zu einer richtigen Einheit. Ich hab mir das Tape übrigens vor einiger Zeit nach längerer Unterbrechung mal wieder angehört und muss sagen, dass ich es noch immer mag. Ich mag  vor allem das Feeling darauf, das fühlt sich an wie: Ein paar Metalfreaks kommen in ein Studio, stecken ihre Instrumente ein und legen los. Und genau so war das ja damals auch. „In no sense...„ war dann in mehrerer Hinsicht ein wichtiger Schritt in Hinblick auf eine Homogenisierung des Stils, denn nun wirkt das Ganze doch schon erheblich harmonischer, finde ich. Und mit „Building...„ ist dieser Stil-Bildungsprozess für mich erstmal zu einem gewissen Ende gekommen. Das, was auf „Building....„ ist, ist in etwa das, wo wir hinwollten. Das Grundgerüst für die Band steht spätestens jetzt fest, jetzt kommt es drauf an, das noch weiter auszubauen.

In wie weit seid ihr zufrieden mit den Reaktionen auf die neue Scheibe, und habt ihr im Nachhinein den Eindruck, dass man bestimmt Dinge eventuelle anders oder besser hätte machen können?

Diesen Eindruck hat man immer, weil einem irgendwann noch so ein paar Sachen auf- oder einfallen, bei denen man sich denkt „Hm, das wär eigentlich auch cool gewesen". Dabei geht es meist um irgendwelche Kleinigkeiten, manchmal auch Sachen, die für den Hörer eventuell nicht einmal ein großen Unterschied machen würden. Beziehungsweise, es ist nicht gesagt, ob der Hörer das dann wirklich besser fände. Deswegen sollte man da gar nicht so viel drüber nachdenken. Es ist eben einfach so: Die Lieder werden gespielt, dann aufgenommen. Danach aber kommen die ja nicht in einen Tresor, sondern werden weiter gespielt, vor allem Live. Und bei der Gelegenheit entwickelt man dann schon manchmal Idee, die man eben vorher nicht hatte... Bringt eh nichts, sich einen Kopf drüber zu machen, denn wenn’s aufgenommen ist, ist’s aufgenommen – und zwar so, wie man es in dem Moment für richtig hielt. Und damit hat sich das.

Wie verlief die Produktion? Seid ihr mit dem Studio, dem Produzenten und dem Endresultat soweit zufrieden?

Ja, auf jeden Fall, ich denke der Sound braucht sich hinter nichts zu verstecken und er passt gut zur Musik. Wir haben wieder bei Vagelis Maranis aufgenommen, wo ja auch „In no sense..." entstanden ist. Wir wussten also schon im Voraus, wie das Ganze in etwa ablaufen würde und es war dann auch alles sehr entspannt. Oder sagen wir mal so: Studiozeit ist immer anstrengend, aber in den Maranisstudios herrschte bisher noch immer eine sehr gute Balance zwischen Disziplin auf der einen Seite und lockerer Arbeitsatmosphäre auf der anderen. Wir wissen allerdings auch schon ziemlich genau, was wir auf der nächsten Platte soundtechnisch noch ausbauen wollen. Es muss uns irgendwie gelingen, das Livefeeling, das die Songs auf der Bühne entwickeln, auf Band zu bannen. Ich bin mir im Moment noch nicht sicher, wie das hinhauen kann, aber da müssen wir uns mal mit Vagelis zusammensetzen. 

Was verbirgt sich hinter dem für ne Death Metal Platte eher ungewöhnlichen Titel „Building up a Ruin to come„? Und erzähl mir doch bitte ein wenig über Deine Lyrics, die mal wieder angenehm klischeefrei sind und recht viel Freiraum für Interpretationen lassen… Von was lässt Du Dich inspirieren?

In dem Song „Building up a ruin to come„ geht’s darum, Dinge zu beginnen, die schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind. Unter’m Strich geht es also um vergebliche Bemühungen, verschwendeten Idealismus und wenn man es ganz gewagt interpretiert um die Sinnlosigkeit menschlichen Strebens schlechthin. Das ist der Rahmen, den der Text vorgibt, woran man als Hörer aber persönlich denkt dabei, ist jedermanns eigene Sache. Ich lass mich von allem möglichen Inspirieren, wobei in die Texte dann natürlich doch eher die Dinge einfließen, die mich annerven. Das kann dann aber alles möglich sein und manchmal auch etwas wirklich aus dem Leben gegriffenes. „For those Masters of the Undone„ handelt zum Beispiel, auch wenn es sich vielleicht nicht so einfach aus dem Text erschließen lässt, von diesen ganzen Dummschwallern und Vollidioten, die sich in der Musikerszene rumtreiben und sich für den King halten - und das dummerweise auch noch jedem mitteilen müssen, der nicht bei drei auf’m Baum ist. Davon haben wir schon so unglaublich viele getroffen, es ist unglaublich! Aber um gerecht zu sein, müsste ich demnächst auch noch eine Fortsetzung dieses Songs schreiben. In diesem Text geht es dann um die ganzen Vollidioten, die solchen Schwätzern auch noch den Popo knutschen und sie damit in ihrem Größenwahn bestätigen...

Ihr habt „Building up a ruin to come„ bei Supreme Chaos Records veröffentlicht, wie auch schon die zweite Auflage Eurer MCD. Wie kam es dazu, dass der Robby Euch unter seine Fittiche genommen hat?

Supreme Chaos haben damals „In no sense...„ in ihrem Mailorder und weil die offenbar ganz gut lief, haben wir uns zu einer engeren Zusammenarbeit entschlossen. Das war alles nicht so spektakulär eigentlich. Wo die neue Veröffentlichung herauskommt wird man sehen müssen, denn den gegenwärtigen Vertrag haben wir nur bis zur „Building„ befristet. Mit der nächsten Veröffentlichung sind wir dann wieder  komplett vertragsfrei. Ich werde mich natürlich noch nicht festlegen, wie es danach weitergeht. Es ist schon möglich, dass wir wieder mit Supreme zusammenarbeiten, aber es ist ja nicht Sinn eines solchen Vertrages, dass man sich schon zu früh in irgendeine Richtung festlegt. Deswegen werden wir im Herbst auf jeden Fall erstmal eine Promoaufnahme für die kommende Scheibe aufnehmen und dann mal schauen wie es weitergeht.

Bei vielen Reviews wurde Dein Gesang auf dem aktuellen Album bemängelt. Ich persönlich finde es etwas schade, dass Du nicht ganz so wahnsinnig klingst wie auf der Bühne, allerdings macht sich das eher heißere, thrashige Gebrüll recht gut. Was meinst Du dazu, ganz unschuldig bist Du ja nicht gerade?

Ich sehe das gar nicht so wild. Der Gesang hat ein paar mal, wie Du ja sagst, tatsächlich einen drauf bekommen. Auf der anderen Seite wurde er auch mindestens genauso oft explizit lobend erwähnt. Für mich als Death Metal Shouter ist zunächst mal erstaunlich, dass der Gesang überhaupt so intensiv besprochen wird, denn das ist in unserem Genre ja nun doch eher selten. Meistens wird der Gesang da in einem Nebensatz abgehandelt und mit nichts sagenden Attributen wie „brutal„, „tief„ etc. pp. abgefertigt. Da ist es schon ziemlich cool, wenn man überhaupt für wert befunden wird, etwas genauer unter die Lupe genommen zu werden. Das zeigt ja auch immerhin, dass es nicht das übliche „Hast-Du-einen-gehört-hast-Du-alle-gehört„- Gebrüll ist, was wir auf der Platte haben. Allerdings verstehe ich bei einigen Schreibern auch die ganze Aufregung nicht, denn ein – zwei Deiner Kollegen tun ja grade so, als sei das, was ich da abliefere, komplett ausgewhimpter Sing-Sang (Namen, ich will Namen hören - SasH). Und so ist es ja nun wirklich nicht. Vielleicht wurde da auch einfach ein bißchen voneinander abgeschrieben, dass kann ja schon mal vorkommen. Ich bin mit der Vocalperformance auf der Platte nach wie vor sehr zufrieden, es ist, von ein paar kleineren, erkältungsbedingten Abstrichen abgesehen, genau das, was ich haben wollte. Es ist naturbelassen, rotzig und klingt nach mir. Ob das jetzt dem Einzelnen gefällt oder nicht, liegt nicht mehr in meiner Hand. Für die nächste Aufnahme gilt es – nicht nur in Hinblick auf den Gesang, sondern generell – zu versuchen, das Feeling, dass die Band live rüberbringt, noch besser auf Tonkonserve einzufangen. Insofern möchte ich also in Sachen Intensität und – um in deinen Worten zu sprechen – „Wahnsinn„ noch eine Schippe drauflegen.

Nun zu anderen Themen - Kurz und Knackig:
- Death Metal Victory? Sag was dazu!

Yeah, das war mal eine Zeit lang unser Leitspruch. Das ist im Umfeld eines Festivals entstanden, als irgendein Typ einer anderen Band dachte, er müsste einen auf überheblich machen, weil Death Metal ja angeblich nur Krach sei. Halt so ein typischer „Ich-habe-eine-Fresse-die-größer-ist-als-mein-Hirn„-Typ. Davon gibt es ja leider Unmengen unter Musikern. Aber davon hatten wir es ja schon ...  Wir haben uns da auf jeden fall nicht größer drauf eingelassen, die Antwort kam dann aber auf der Bühne, wo wir seine Loser-Combo in allen Belangen an die
Wand gespielt haben. Irgendwer hat dann danach irgendwas in der Richtung gesagt, der Death Metal hätte hier den Sieg davon getragen oder das sei ein „Death Metal Victory„ gewesen oder irgend so was. Auf jeden Fall wurde das dann zum geflügelten Wort bei uns. Da UNLEASHED dann aber auch mit dem Spruch umgingen, haben wir das wieder gelassen. Was nicht heißt, dass der Death Metal Victory nicht trotzdem kommen wird, haha. Ach ja und mich nennt man ja in manchen Kreisen den „Death Metal – Victor" und es soll angeblich Leute geben, die deswegen glauben, ich hieße tatsächlich Victor. Yeah.

- Eure musikalischen Einflüsse früher und heute?

Sind eigentlich immer noch dieselben: Alles und nichts. Irgendwie beeinflusst einen ja alles was man hört, insofern „alles„. Aber wir haben
uns jetzt keine bestimmte Band rausgepickt und gesagt „So wollen wir klingen„, insofern also „nichts„. Wir hören ja im Metalbereich so ziemlich alles außer Schepper - Black Metal, insofern wird das alles auch Einfluss auf uns haben. Aber wenn man schon nach einem Einfluss sucht, dann ist vermutlich jener der alten Schwedischen Death Metal Bands am deutlichsten, also die Ecke DISMEMBER, ENTOMBED, DESULTORY. DESULTORY sind im Übrigen eine der absolut unterbewertetsten Bands in der Richtung! (Jau, DESULTORYs „Into Eternity“ und „Bitterness“ sind gottgleiche Alben!!!! – Lobi)

- FALLEN YGGDRASIL live?

Wir definieren uns stark als Liveband. Das hat damit zu tun, dass bei Konzerten ja das eigentliche Metalleben tobt. Problematisch werden unsere Liveaktivitäten dadurch, dass wir aus verschiedenen Gründen nur am Wochenende proben können. Da wir am Wochenende aber meist live spielen, kommt das Proben zwangsläufig zu kurz. Deswegen dauert es bei uns immer ewig, bis wir neues Material veröffentlichen – die Ideen sind da und so weiter, aber es fehlt die Zeit, das Zeug auszufeilen. Eigentlich sollten wir uns mal für ein paar Monate livetechnisch ausklinken und stattdessen konzentriert an dem neuem Material arbeiten... Aber dazu sind wir zu gerne on the road.

- FALLEN YGGDRASIL und Trends?

Zum Trend gehen wir nicht – da muss der Trend schon zu uns kommen, haha. Mir ist das alles egal. Wir machen was wir wollen, denn wir haben die Band nicht gegründet, um auf Teufel komm raus Erfolg damit zu haben, sondern um Musik zu machen, die wir mögen.

- FALLEN YGGDRASIL und der liebe Teufel Alkohol?

Oh, da muss ich an früher denken, als wir in dieser Hinsicht noch schlimmer abgingen als heute. Aber damals war alles noch anders, da ist man für 20 Minuten Spielzeit und 20 DM Spritgeld durch ganz Deutschland gegurkt – und damit sich das irgendwie rentiert, musste man dann eben um so mehr trinken. Zumal wir ja damals immer Opener gespielt haben und so nach dem Auftritt genug Zeit hatten, uns richtig wegzuschießen. Was nicht hieß, dass man nicht schon vor dem Auftritt angefangen hätte. Rückblickend wundere ich mich ja ein bisschen, dass wir damals dann doch noch ziemlich tight spielen könnten, obwohl wir manchmal echt jenseits von Gut und Böse waren. Aber vielleicht
kannst du Dich noch an den Auftritt an Ludwigsburg erinnern, an dem ich betrunken von der Bühne gefallen bin? (Ja, kann ich... in der Remise, gell? *grins* – Lobi) Dass muss so 1998 / 1999 gewesen sein... Zumindest das machen wir heute nicht mehr, betrunken geht von uns keiner mehr auf die Bühne. Das kann man sich vielleicht noch erlauben, wenn man als Opener 20 Minuten spielt, aber irgendwann dürfen die Zuschauer von einer Band erwarten, dass sie disziplinierter ist. Irgendwann haben wir festgelegt, dass sich jeder vor dem Auftritt zusammenreißt. Danach ist es wieder eine andere Geschichte. Aber das Ganze ist nicht mehr so zwanghaft wie früher, als einfach klar war, dass man bei Konzerten ordentlich einen wegleert und dass da keiner hinten an steht. Man wird ja älter ;-)

- „Odyssey in Sorrow„?

War für damals eine echt coole Kassette, wie ja auch die Reaktionen darauf gezeigt haben. Es war ungestüm, spontan und hatte irgendwie Charme. Aber wenn ich es heute höre, stellen sich mir aus verschiedenen Gründen manchmal die Nackenhaare auf, haha. Das dürfte aber damit zu tun haben, dass ich das Teil ganz anders höre und auf ganz andere Sachen achte, als der normale Hörer.

Wie schaut die Zukunftsplanung aus? Stehen für diesen Sommer einige Festival Termine an oder habt ihr schon ein weiteres Album in Planung? Die beiden neuen Songs, die ihr in Brackenheim vorgestellt habt, waren ja mal wieder typische FALLEN YGGRASIL Knaller, auch wenn sie mir etwas knüppeliger vorkamen als die Songs von „Building up ….„. Steht uns da etwa eine musikalische Umorientierung weg von Skandinavien in Richtung „Ultra guttural blasting sickness US Tralala„ bevor???? *g*

Nein, soweit ich das bisher beurteilen kann, wird es keine großartige Umorientierung geben. Wir sind im Großen und Ganzen mit „Building...„ für’s Erste mal da angelangt, wo wir hinwollten stilistisch. Das werden wir nun ausbauen und es wird dabei bestimmt auch einige kleinere Überraschungen geben, aber einen richtigen Stilwechsel sehe ich nicht am Horizont aufscheinen. Und in amerikanische Fahrwasser werden wir auf keinen Fall geraten. Da uns der skandinavische Death Metal persönlich besser gefällt, wäre es ja äußerst unlogisch, jetzt auf US Brutal Death umzuschwenken. Ich mag zwar auch Sachen aus diesem Bereich, aber insgesamt ist mir dieser „schneller, brutaler, tiefer„ – Wettbewerb, der da ausgetragen wird, dann doch zum Teil etwas too much. Denn das Ganze geht ja doch sehr oft auf Kosten des Wiedererkennungswertes. Aber um noch ein paar Worte zu den neuen Liedern zu verlieren, die Du letztlich gehört hast: Mir persönlich kommen die neuen Songs nicht unbedingt schneller vor als die Alten, eher im Gegenteil, es sind ja neben den üblichen schnelleren Teilen in jedem der beiden neuen Lieder für unsere Verhältnisse auch sehr langsame Parts drin. Dein Eindruck, diese Songs seien „knüppliger„, entstand vermutlich gerade durch den Kontrast dieser langsameren Parts mit den schnellen. Könnte ich mir zumindest vorstellen. Was die Festivals anbetrifft werden wir dieses Jahr etwas weniger unternehmen als letztes. Das hat auch damit zu tun, dass sich ein paar von uns diesen Sommer mal wieder einen etwas längeren Urlaub gönnen wollen.

Was ist Dein bzw. Euer Ziel mit FALLEN YGGRASIL?

Ich kann da ja nur für mich sprechen, aber ich habe gar kein fest definiertes Ziel. Ich hab die Band damals zusammen mit meinem Bruder Raffael gegründet, weil ich Musik machen wollte und vermutlich weil ich auch so cool sein wollte wie diese ganzen Bands, von denen  damals Poster in meinem Zimmer hingen. Man will natürlich schon auf über die musikalische Selbstverwirklichung hinaus mit der Band Erfolg haben, das ist klar. Aber so wie ich das einschätze setzt sich keiner von uns deswegen unter Druck. An unserem Engagement soll es ja nicht scheitern, aber letzen Endes nehmen wir es eben einfach wie es kommt. Alles in allem können wir ja auch sehr zufrieden sein, wie es bisher für uns gelaufen ist: Wir machen die Musik, die wir machen wollen, und wir haben regelmäßig die Gelegenheit, diese Musik auf Tonträger und live zu veröffentlichen. Und da die Ganze Sache offenbar auch noch recht gut ankommt, können wir uns eigentlich nicht beschweren. Wir sind seit Jahren aktiver Teil der Szene und haben in dieser Zeit vieles erlebt, was uns sowieso niemand mehr nehmen kann. Insofern bereitete es mir also kein Kopfzerbrechen, wenn der „Durchbruch„ ausbliebe. Ach, und was die Sache mit den Idolen auf den Postern anbetrifft: Dieses Ziel erledigt sich ziemlich schnell von selbst, weil man irgendwann kapiert, dass auch die Typen von den Postern nicht zwangsläufig besseren Menschen sind, nur weil sie mal eine oder mehrere gute Platten veröffentlicht haben...

Death Metal bzw. extremere Metal Spielarten sind langsam wieder im Kommen. Bands wie AMON AMARTH und CANNIBAL CORPSE enterten in Deutschland mit ihren letzten Alben die Charts, in Finnland gelang selbiges den Grindern ROTTEN SOUND. Von IN FLAMES und DARK TRANQUILLITY ganz zu schweigen… Was meinst Du, steht uns da ein neuer Trend wie Anfang der 90er und der darauf folgende Ausverkauf wieder ins Haus, oder wird sich das ganze dieses Mal eher in Grenzen halten? Würdet ihr als Death Metal Verfechter so eine neue Welle gutheißen und versuchen daraus Profit zu ziehen?

Ach weißt Du, was heißt schon Trend. Ich denke, wenn extreme Metalbands in die Charts kommen, heißt das noch nicht, dass sie jetzt massentauglich sind – sondern dann bedeutet das letzten Endes nur, dass innerhalb kürzester Zeit viele Metalheads die Platte gekauft haben. Es handelt sich dabei also um einen szeneinternen Trend und das reicht bei den momentanen Verkaufszahlen in der Plattenindustrie aus, um zeitweilig in die Albumcharts zu kommen. Oder um’s anders zu sagen: Die von Dir genannten Bands sind zwar innerhalb der Metalszene groß, aber außerhalb der Szene sind sie nichts. „Sorgen„ machen muss man sich erst, wenn sie in den Singlecharts stehen, oder im normalen Radioprogramm gedudelt werden. Aber davon sind wir ja noch ein Stückchen entfernt, auch wenn im Moment allgemein ein Trend zu Musik mit härteren Gitarren festzustellen ist. Das finde ich übrigens auch nicht schlecht, denn ich höre mir im Radio doch allemal lieber irgendwelche „Deutsch-Rock-mit-Sängerin-Sachen„ an, als dieser Dancefloor – Kram, der Anfang der 90er lief. Ich erinnere mich noch mit Grauen an Bands wie Haddaway – wie immer man das schreibt -, Ace of Base, Dr. Alban und so. Meine Fresse, war das schlimme Musik... Die haben einen ja förmlich in die Arme des Death Metal getrieben mit solcher Musik. Vermutlich wurde deswegen der Death Metal so groß in dieser Zeit, haha. Im Moment glaube ich aber nicht, dass es wieder einen solchen Boom geben könnte wie Anfang der 90er. Für uns als Band ist ohnehin komplett unerheblich, was im Moment Trend ist, denn wir ziehen eh unser eigenes Ding durch. Wir haben die Band ja nicht gegründet, um Geld und Ruhm zu ernten, sondern weil wir Musik machen wollten – und zwar die Musik, die wir machen wollen. Aber ich glaube das habe ich an anderer Stelle schon gesagt... Ich bin mir auch nicht sicher, ob wir von einem Death Metal Boom tatsächlich profitieren könnten. Die Fans können sich nicht mehr so viele CDs leisten wie das noch Anfang der 90er der Fall gewesen ist. Und wenn die Fans weniger Geld haben, bzw. die CDs so teuer sind, dann werden sie sich im Zweifelsfall eben doch die neue CORPSE kaufen und nicht die neue FALLEN YGGDRASIL. Trend hin oder her. Deswegen glaube ich, dass von einem Trend in erster Linie die ohnehin schon Großen profitieren werden.

Ihr wart ja letzten Herbst mit DISMEMBER unterwegs. Ich weiß, dass Du ein großer Fan der Schweden bist. Wie war es mit den Jungs unterwegs zu sein und haben sich die Auftritte für FY gelohnt? Gibt es die eine oder andere lustige oder haarsträubende Story zu erzählen?

Alles in Allem war diese Sache gar nicht so spektakulär, weil wir nur einen Teil der Tour mitgemacht haben, die ersten Gigs waren wir dabei, dann haben wir uns erst mal verpisst während der reguläre Tourtross im Ausland war, und erst in Hamburg sind wir wieder dazu  gestoßen. Da wir mit unserem eigenen Tourbus gefahren sind, haben wir gar keinen allzu engen Kontakt zu den anderen Bands gehabt, wenn man mal von ein paar Aftershow – Sachen absieht. Ich kann Dir also gar nichts Großartiges über die anderen Jungs erzählen, zumal ich als loyaler Mensch natürlich auch nichts erzählen würde, was den Betreffenden unangenehm sein könnte ;-) Obwohl ich tatsächlich sehr große Stücke auf DISMEMBER halte, würde ich die Konzerte an sich auch nicht überbewerten. Letzen Endes waren sie nicht viel anderes, als andere. Es war also nicht so, dass wir besonders nervös oder so gewesen wären. Dazu sind wir dann doch zu alte Hasen und DISMEMBER sind ja jetzt auch beileibe nicht die erste „größere„ Band, mit der wir gespielt haben. Aber vor ein paar Jahren hätte ich garantiert noch einen ausgewachsenen Nervenzusammenbruch erlitten, wenn man mich mit DISMEMBER, die ja ein paar sehr geniale Platten gemacht haben, auf die Bühne gestellt hätte, haha. Ach ja, was doch noch zu erwähnen wäre zum Thema „gute Erfahrungen„: Wirklich gut war, was im Vorfeld des Hamburgkonzertes passiert ist. Da ist uns kurz davor unser FALLEN YGGDRASIL - Bandbus abgekackt, so dass wir mit einem PKW nach Hamburg fahren mussten, was an für sich zwar unbequem, aber nicht schlimm war. Jetzt war das Problem aber, dass wir in dem Bus auch hätten schlafen sollen. Es musste also kurzfristig irgendein Pennplatz aufgetrieben werden, was dadurch erschwert wurde, dass wir niemanden in Hamburg kennen. Ich habe dann einfach per Internet alle möglichen Bands aus Hamburg ausfindig gemacht und ein Mail hingeschickt, um zu fragen, ob irgendwer uns einen Pennplatz anbieten könnte. Das war natürlich schon irgendwie eine gewagte Sache, denn es muss für die Leute natürlich schon komisch gewesen sein, von einem Wildfremden spontan um einen Pennplatz gefragt zu werden. Die Hamburger waren aber echt cool, die meisten haben zumindest zurück geschrieben, und kurz drauf hatten wir auch tatsächlich einen Schlafplatz (Danke an Kleini!). So etwas ist ja nun nicht selbstverständlich... Also da hat das Metalnetzwerk doch mal wieder funktioniert!

Beschissenerweise sind die beiden Eröffnungsgigs in Nürnberg und Stuttgart (*aaaarrrrggggghhhhssss*) ins Wasser gefallen. Berichte mir bitte mal von den Hintergründen dazu.

Das war eine unschöne Sache für alle Beteiligten. Bruchstein Tours haben ja die DISMEMBER – Gigs organisiert, in verschiedenen Städten gab es aber noch lokale Veranstalter, die quasi in Absprache mit Bruchstein eigenständig Konzerte organisiert haben. Die Konzerte in Stuttgart und Nürnberg zum Beispiel wurden von einem solchen Unter - Veranstalter gemacht. Nun muss es wohl so gewesen sein, dass der Vorverkauf für das Konzert in Nürnberg nicht so berauschend gelaufen ist. Daraufhin hat der Typ kalte Füße bekommen und
kurzfristig beide Konzerte abgeblasen. Und als wäre das nicht schon übel genug, hat er weder Bruchstein, noch unserer Agentur Black Earth, noch uns persönlich darüber Meldung gemacht. Wir sind also nach Nürnberg gefahren und haben kurz vor Ankunft dort die SMS eines Stuttgarter Bekannten bekommen, in der er uns mitgeteilt hat, dass in Stuttgart das Gerücht umginge, das Konzert falle aus. Da wir zunächst kein weitere Info von offizieller Seite erhalten konnten, beschlossen wir auf jeden Fall erst mal nach Nürnberg zu gefahren. Da fanden wir dann leider den Club verschlossen vor und traten uns zusammen mit den eben so überraschten anderen Bands die Beine in den
Bauch... Und den Rest kennst Du ja.

Da ihr ja schon einige Besetzungswechsel hinter Euch habt, würde mich mal interessieren, was Eure Ex-Mitmusiker so treiben? Beim Dierk weiß ich es ja. Gibt es analog zur MALEVOLENT CREATION / MONSTROSITY Sache auch schon ne Band aus gefeuerten und frustrierten Ex-Yggies? Scherz. Hast Du noch Kontakt zu den ganzen Jungs?

Na ja, der Kontakt ist eher sporadisch, zumindest, was mich anbetrifft. Unser Klampfer Raffael unterhält zu einigen der Ex–Yggies aber noch intensiveren Kontakt als ich. Ich sehe die Jungs nur noch hin und wieder eher zufällig. Und da treffe ich eigentlich auch nur die Leute, die noch in der Metalszene aktiv sind. Einige unserer früheren Mitglieder haben sich zwischenzeitlich aber komplett aus der Szene zurückgezogen, so dass es da kaum noch Berührungspunkte gibt, zumal ich ja auch räumlich relativ weit entfernt bin von den Jungs. Ich sorge aber dafür, dass die Jungs immer die aktuellen Veröffentlichungen bekommen, denn ich denke, dass das für sie schon interessant sein könnte. Eigentlich wär’s auch mal cool, so eine Art „Familientreff„ zu machen, wo dann alle YGGDRASIL–Members zusammenkommen und man sich Anekdoten „von früher„ erzählt, haha. Rein zwischenmenschlich wäre das kein Problem, denn auch wenn es beim einen oder anderen gegen Ende hin etwas gekracht hat, sind wir doch alles in allem immer im Guten auseinander gegangen, so  dass man sich nach wie vor ohne Groll begegnen kann. Musikalisch sind die Leute soweit ich das sehe nicht mehr aktiv. Nur Denno, einer unserer ex- Gitarristen macht noch Musik, die anderen machen glaube ich gar nichts mehr in der Richtung.

So, Simon, jetzt lass ich Dich mal wieder in Ruhe und hoffe, ich hab Dich mit meinem Blödsinn nicht zu sehr gelangweilt. Danke für Deine Zeit und viel Spaß. Grüße Deine Jungs noch von mir. Mach’s gut, bis bald! Die obligatorischen Final Words gehören natürlich Dir.

Na, da bedanke ich mich zunächst mal recht artig für Deine Bemühungen & die Fragen. Es tut mir Leid, dass das Anfangs so blöd lief mit Deiner Mail, aber aus irgendeinem Grund kam die nie bei mir an. Na ja, hat ja doch noch alles geklappt. An Deine Leser: bei Interesse checkt mal unsere Homepage www.fallen-yggdrasil.de ; im Moment ist sie nicht ganz aktuell, aber das wird sich hoffentlich bald ändern. Die aktuelle CD „Building up a ruin to come" gibt’s bei jedem Mailorder; neue Shirts gibt’s auf der Homepage. Man sieht sich.
 

Interview: Lobi

 Layout: SasH

 

Offizielle Homepage:

 

Die Band:

Die Diskografie:

Building up a Ruin to Come

2004 - Supreme Chaos Records

 

In No Sense Innocence

2003 - Supreme Chaos Records

2002 - Eigenproduktion

 

ep-cover

 Fallen Yggdrasil/Dementia Split EP

2000 - Eigenproduktion

 

 odyssey in sorrow-cover

"Odyssey in sorrow"

1998 - Eigenproduktion

 

live-split-tape-cover

"LIVE-SPLIT TAPE"

1998 - Cemetary Records

 

 Frost damage-cover

"FROST DAMAGE"

1997 - Eigenproduktion

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