DEKADENT (November 2007)


 

Von Zeit zu Zeit kommt es vor, daß eine bis dato völlig unbekannte Band sich anschickt durch ein besonders herausragendes künstlerisches Werk aus dem Stand zu begeistern. Jüngstes Beispiel: die Slowenen DEKADENT, die mit einem Audio/Video-Machtwerk, bestehend aus einem mitreißenden, atmosphärisch höchst dichten, spannenden und zwischen Schönheit und schwarzmetallischer Kälte und Härte pendelnden Album und einem damit Hand in Hand gehenden, fast 40-minütigen Film auf einer separaten DVD, vielleicht gar ganz neue Maßstäbe setzen. Bandgründer, Mastermind, Gitarrist, Sänger und Co-Regisseur Artur Felicijan erwies sich nicht nur als ein eloquenter und intelligenter Interviewpartner, sondern gab nur zu gern ausführlich Auskunft über seine Band.

 

Artur, zunächst komme ich nicht umhin, dir meine Begeisterung ob eures neuen Outputs ’Deliverance Of The Fall’ mitzuteilen, einem der wenigen wirklich herausragenden Werke der letzten Zeit.

 

„Danke für dieses schöne Kompliment. Es freut mich sehr, daß dir das Album so gut gefällt!“

 

Da DEKADENT den meisten noch gänzlich unbekannt sein dürften, solltest du vielleicht zunächst mal ein wenig Licht ins Dunkel bringen...

 

„Das ist korrekt, wir sind noch immer ein sehr unbekannter Name in der Metalszene, was aber auch daran liegt, daß wir erst seit ein paar Jahren existieren. Alles begann Ende 2004 als ich beschloß ein Black Metal-Soloprojekt namens VIGRED zu gründen. Als das erste Demo-Album aufgenommen war, schickte ich es an einige kleine Labels und Magazine und erhielt nicht nur gute Resonanzen, sondern auch ein gutes Angebot des Schweizer Black Metal-Labels SMP. Nachdem mein Drummer Andraz und ich uns entschlossen weitere Bandmitglieder zu rekrutieren, wurde die Band in DEKADENT umbenannt und Ende 2006 erschien letztlich dann unser Debüt ’Manifestation Of Seasonal Bleeding’. Die Reaktionen darauf waren sehr gut und unsere Fanbase wuchs zusehends und verlangte immer häufiger danach, uns auch live zu sehen. Seit Februar 2007 haben wir nun auch tatsächlich schon live gespielt, was durchaus sehr gut lief. Dafür gilt mein Dank immer noch unseren Fans!“

 

Nun, knapp ein Jahr später liegt also euer zweites Album ’The Deliverance Of The Fall’ vor, das wie erwähnt mit seiner soundtrack-artigen Klanglandschaft kombiniert mit majestätischem, erhabenem und höchst durchdachtem Black Metal zu begeistern weiß. Wie viel Arbeit steckte letztlich dahinter?

 

„Knapp mehr als ein Jahr brauchte es, um das Album zu schreiben und fertigzustellen. Dies klingt vielleicht nach nicht so viel, allerdings muß ich einwerfen, daß ich wirklich jeden Tag damit beschäftigt war. Das Album verschlang einen Großteil meiner Zeit und am Ende stand ich dann auch kurz vor einem Kollaps. Ich kann mir das Album und den Film noch immer nicht wieder anhören bzw. anschauen, haha. Aber ich spüre, es wird nicht mehr lang dauern, bis ich dazu wieder in der Lage sein werde...und dann mit richtig viel Vergnügen!“

 

War es eigentlich von Beginn an klar, daß das Album nicht nur aus Musik, sondern auch aus einer visuellen Umsetzung bestehen wird?

 

„Ja, schon. Allerdings hatte ich alles eigentlich viel simpler angedacht. Eigentlich sollte der Film und auch der Soundtrack nur halb so lange dauern, als ich jedoch die ersten Riffs aufgenommen hatte, war mir schon klar, daß alles doch etwas größer ausfallen würde.“

 

So entstand also ein 40-minütiges Epos, dessen Story sicherlich vielfältig interpretiert werden kann, weil der dargestellte Umgang mit dem Verlust eines nahestehenden Menschen nur die offensichtlich einfachste Interpretation sein dürfte. Bestimmt ist das Konzept aber auch politisch, global, mythologisch oder gar religiös auslegbar.

 

„Korrekt, das Grundkonzept dient dazu, darzustellen, wie wir als Individuen mit dem Tod eines geliebten Menschen umgehen. Und dieses Konzept versucht natürlich auch die menschliche Relation zu Religion und zum Glauben darzustellen, in solch einer Situation des emotionalen Kampfes. Natürlich kann man auch sagen, daß die Geschichte bis zu einem gewissen Grad ein wenig banal ist. Banal, bezogen auf den Kampf zwischen dem Mensch und seinem Gott. Es ist völlig normal, daß man seinen Hass auch auf Gott kanalisiert, wenn eine geliebte Person in deinen Armen stirbt. Ich habe versucht diesen Hass und den tiefen Kummer mit meiner Figur in der Geschichte aufzuarbeiten und darzulegen.“

 

Basiert die Geschichte dann tatsächlich auf persönlichen Verlusten in deinem Leben?

 

„Leider hatte natürlich auch ich schon einige sehr schmerzhafte und traurige Verluste zu beklagen in meinem Leben. Jedoch wollte ich ganz sicher bei der Geschichte nicht unbedingt meine persönlichen Erlebnisse visuell aufarbeiten. Dies beschränkte sich daher lediglich auf meine Lyrics. Es ist mir wichtig, daß die Hörer, das Album unbedingt als Ganzes sehen und anhören, denn nur so kann man die Intension der Geschichte erfassen. Es würde mich stolz machen, wenn die Hörer herausfinden, daß ihnen die Geschichte und das Album eine gewisse Hilfe und Befreiung bei ähnlichen Erlebnissen bieten kann und auch vermitteln soll.“

 

Allein schon der Titel „die Erlösung durch den Untergang“ läßt vermuten, daß du jede Menge Wissen über religiöse Theorien hast. Es ist ja keine so neue, aber immer wieder wichtige Erkenntnis, daß man durch schwerwiegende Verluste letztlich ein höheres Level erlangen und daraus meist noch mehr Kraft und Stärke beziehen kann...

 

„Völlig korrekt! ’The Deliverance Of The Fall’ ist eine Geschichte mit einem reinigenden, kathartischen Ausgang. Ich würde zwar nicht so weit gehen, zu sagen, daß man durch das Überwinden der tiefen Trauer um Verstorbene unbedingt an Stärke gewinnt, jedoch gehören Schmerz, Trauer und Kummer ganz genauso zum Leben, wie auch der Tod an sich, weshalb ich aber auch nie jemanden als schwach ansehen würde, nur weil jemand in tiefer Trauer ist. Aber es stimmt auf jeden Fall, daß solche schmerzhaften Erfahrungen einen auch jede Menge Erkenntnisse über das Leben lehren und man so natürlich doch irgendwie an Stärke gewinnen kann. Auf jeden Fall bekommt man einmal mehr eindringlich verdeutlicht, wie wertvoll das Leben doch ist!“

 

Das Label-Info kündigt euch als „Goth-Black Metal“ an. Kannst du damit leben?

 

„Generell denke ich, daß wir eine Black Metal-Band sind, aber dies erfaßt unsere Musik tatsächlich nur zum Teil. Die Bezeichnung Goth-Black allerdings hat sicher für einiges Stirnrunzeln gesorgt, bei mir auf jeden Fall. Klar, es ist sehr schwer, DEKADENT zu kategorisieren, da unsere Musik so viele verschiedene Ebenen und Stile beherbergt. Dennoch finde ich wir sind am ehesten Black Metal, als irgend etwas anderes, eben nur mit einem deutlichen Ambient- und Symphonic-Touch, speziell beim neuen Album!“

 

Wie würdest du reagieren, wenn euch jemand aufgrund der Thematik des neuen Albums als düstere Band mit deutlichem christilichem/religiösem Einschlag bezeichnen würde (ich vermeide absichtlich den Begriff „White Metal“)?

 

„Ich verstehe was du meinst. Ich möchte nun sicherlich keinem zu nahe treten, aber ich würde sicherlich ein Problem damit haben, wenn uns jemand als „Christlichen Metal“ kategorisieren würde. Ohne Zweifel haben wir christliche Einflüsse, was allein schon dadurch bedingt ist, daß wir in Zentraleuropa leben, wo das Christentum sehr starken Einfluß auf die Kulturen hat. Jedoch ist DEKADENT eine humanistische Band, die es niemals jegliche Form von religiöser Unterdrückung tolerieren wird. Wenn man Politik und Religion beiseite läßt, dann habe ich kein Problem damit, wenn man uns als „White Metal“-Band bezeichnet, weil sich unsere Musik für mich tatsächlich eher „weiß“ als „schwarz“ anfühlt.“

 

Da ich euer Debüt leider gar nicht kenne, wäre es schön, wenn du kurz die Unterschiede, Gemeinsamkeiten, Entwicklungen und Verbesserungen zwischen beiden Alben aufzeigen könntest.

 

„Das neue Album ist allein vom Sound und der Produktion her ein gewaltiger Schritt nach vorne. Dies dürfte dafür sorgen, daß die meisten das neue Album auch ein wenig besser finden dürften, als noch das Debüt, allerdings finde ich, daß ’Manifestation...’ gerade wegen des Sounds einen ganz speziellen Charakter hatte. Abgesehen davon ist der Hauptunterschied im lyrischen Konzept und den Songstrukturen auszumachen. Aber dennoch, wenn du unser Debüt zu hören bekommst, wirst du unweigerlich auch schon dort in jedem Song die Vibes entdecken, die uns auch heute noch auszeichnen.“

 

Ich möchte dir nun gerne einige Künstler und Bands nennen, von denen ich mir gut vorstellen könnte, daß sie zu euren Einflüssen zählen.

 

EMPEROR: „Definitiv eine meiner absoluten Lieblingsbands, vor allem ihre ersten beiden Alben sind genial. Ich habe EMPEROR nun schon ein paar Jahre nicht mehr angehört, aber ihre Musik hat auf jeden Fall starken Einfluß auf mich ausgeübt, und tut dies wohl noch immer, denke ich!“

 

Hans Zimmer und seine Soundtracks zu u.a. „Herr der Ringe“ oder „Gladiator“: „Ich mag einige seiner Werke, vor allem stehe ich total darauf, daß er stark auf Waldhörner und Posaunen setzt. Jedoch finde ich gerade einen Großteil seiner Musik für „Herr der Ringe“ eher enttäuschend, da mir alles viel zu cheesy klingt.“

 

Klassische Komponisten wie Bach, Wagner oder Smetana: „Ich wuchs in einer sehr musikalischen Familie auf, dadurch hatte ich schon früh Kontakt zu all den klassischen Komponisten. Als ich die Musikschule besuchte, wo ich das Waldhorn spielte, erlangte ich viel Respekt für Wagner, Richard Strauss oder Bruckner. Allerdings höre ich mittlerweile viel lieber „leichtere“ Kost von Komponisten wie Smetana, Dvorak und Saint Saens. Der Einfluß all dieser Komponisten war und ist daher sehr groß!“

 

SATYRICON / IMMORTAL (musikalisch ein wenig, aber auch visuell): „Ich streite auf keinen Fall ab, daß SATYRICON mich beeinflußt haben, vor allem wenn es um Outfit und Image geht. Zudem finde ich, daß sie eine der wenigen Bands sind, die es schaffen, Qualität und Originalität perfekt zu verbinden. Wenn wir allerdings auf IMMORTAL-Videoclips zu sprechen kommen, dann verweigere ich jegliche weitere Aussage, hahaha, Ich möchte hier nämlich ungern über die Jungs lästern, haha!“

 

DIRE STRAITS / PINK FLOYD: „Den Vergleich mit PINK FLOYD bekomme ich oft zu hören. Ich gebe gern zu, daß hier ein kleiner Einfluß bestehen könnte, obwohl ich allerdings nie ein großer Fan von ihnen war. Da bevorzuge ich doch eindeutig THE BEATLES!“

 

War es eigentlich deine Absicht, einen Sound zu kreieren, bei dem aufbauend auf einer düsteren Basis, epische, majestätische und sehr positive Schwingungen transportiert werden, und man eher Hoffnung als Verzweiflung erkennt?

 

„Ja, ganz genau, exakt dies war immer schon meine Absicht. Die Sache, die mich an Black Metal und auch Metal im Allgemeinen schon immer am meisten beeindruckt hat, war dieser massive und kraftvolle Sound. Black Metal war für mich immer wie eine Wall-of-Sound, weshalb ich auch unbedingt diese spezielle Spieltechnik in mein Songwriting einfließen lassen mußte. Nichtsdestotrotz vermißte ich bei den meisten Black Metal-Bands etwas, das weit über das düstere Image und die immer gleichen, abgelutschten textlichen Phrasen hinausgeht. Ich wollte etwas ätherischeres, erhabeneres hören, das dem Hörer einen Funken mehr Wohlgefühl und eine Art neue Renaissance vermitteln kann. Und da ich trotz intensiver Suche auf keine Band gestoßen bin, die dies zu schaffen vermochte, gründete ich eben meine eigene - DEKADENT!“

 

Du scheinst ein durch und durch positiver und optimistischer Mensch zu sein...

 

„Es ist verdammt schwer, jeden Tag mit absolutem Optimismus anzugehen, aber dennoch würde ich letztlich (und eigentlich auch jeder andere Mensch) keine Sekunde überleben können in dieser Welt!“

 

Ich könnte mir darüber hinaus und neben deinen musikalischen Einflüssen vor allem die Natur sehr wichtig für dich sein dürfte, was allein schon die sehr passend gewählten Naturaufnahmen im ’Deliverance’-Film vermuten lassen...

 

„Ja, absolut, ich würde die Nature als meine größte Inspiration bezeichnen, weit darüber hinausgehend, was andere Bands, Künstler oder Dinge je für einen Einfluß auf mich haben können. Die Natur ist ehrfurchtgebietend schön. Ich denke vor allem die Berge sind meine ultimative Kraft- und Mental-Quelle. Auch aus sportlicher Sicht, liebe ich die Berge. Jedoch mag ich auch andere Gegenden und Landschaften. In den letzten Jahrenhabe ich meine hingebungsvolle Liebe zur Weinherstellung entdeckt, wodurch ich etliche wundervolle Weinanbau-Regionen in Slowenien kennengelernt habe. Und dann gibt es noch das Meer, das mich unglaublich beeindruckt, mit seiner majestätischen Stärke...hierzu kann man auch unser Video zu ’Dissident Dream’ anschauen, das stark vom Meer beeinflußt war. Aber letztlich geht einfach nichts über Hochgebirge und Berggipfel, die flankiert werden von Flüssen und Seen. Herrlich!“

 

Zurück zum Album: Wie lange hast du gebraucht um das Drehbuch zu schreiben und die passenden Drehorte zu finden?

 

„Das Drehbuch ist eigentlich mehr oder weniger identisch mit den Lyrics, weshalb dies nicht viel Zeit beanspruchte. Da ich zudem das meiste zumindest zum Teil selbst gemacht habe (Regie, Darsteller), mußte ich auch nur wenig anderen Beteiligten erklären. Die Drehorte hatte ich schon lange im Kopf, weil ich sie alle schon unzählige Male besucht habe.“

 

Wie war das mit den Takes, brauchtet ihr viel?

 

„Ja, wir machten etliche Takes, weil wir genügend Auswahl haben wollten, um die Deadline nicht in Gefahr zu bringen durch eventuell notwendige Nachdrehs. Pro Szene waren es daher ca.5-10 Takes.“

 

War eigentlich viel Disziplin notwendig um die Geschichte mit all ihren vordergründigen Klischees nicht lächerlich und zu plakativ rüberzubringen, und do vielleicht die komplette Atmosphäre kaputt zu machen?

 

„Genau dies war auch ein Grund, weshalb ich unbedingt auf mehrere Takes bestanden habe. Wir waren uns sehr bewußt darüber, daß manche Szenen schnell albern aussehen könnten und wir so den Gesamteindruck kaputt machen würden. Vor allem weil es gerade im Black Metal eine gerade mal hauchdünne Linie gibt zwischen den beiden Extremen, daß es entweder großartig oder völlig lächerlich ausschaut. Daher mußten wir hier tatsächlich sehr sorgfältig und vorsichtig vorgehen.“

 

Mit eurem Hauptregisseur Andraz Sedmak habt ihr schon zuvor die beiden Clips eures Debüts gedreht. Ist er da mittlerweile nicht so etwas wie ein Bandmitglied geworden?

 

„Oh doch, er ist auf jeden Fall eigentlich unser sechstes Bandmitglied. Mit ihm arbeite ich schon von Beginn der Band an. Wir sind sehr gute Freunde seit wir gemeinsam auf die Kunsthochschule gingen und seither arbeiten wir bei nahezu allen Projekten zusammen, die er oder ich angehen, was daran liegt, daß wir beide ausgebildete Grafidesigner und Video-Regisseure sind. Es ist herrlich mit ihm zu arbeiten und er hilft mir sehr oft, wenn ich unentschlossen bin, was Design oder ähnliches angeht. Außerdem hilft er uns bei unseren Gigs, wo er für die Video-Projektionen und die Lightshow zuständig ist. Er ist ein echt großartiger Typ!“

 

Wie viel Einfluß hat eure Slowenische Herkunft auf euer Werken?

 

„Ich denke einen sehr großen, da ich von Natur aus ein sehr traditioneller Mensch bin. Ich ehre und schätze das Erbe und Vermächtnis meiner Vorfahren sehr. Man könnte sagen, daß ich in meiner Musik und Kunst meinen ethnischen Background repräsentiere. Ich achte stets darauf, daß meine Musik einen Slowenischen und authentischen Touch hat. Vielleicht ist ja genau dies der so positive Aspekt an DEKADENT!“

 

Und wie ist die Situation für Metalbands in Slowenien?

 

„Diese wird von Jahr zu Jahr immer besser. Die Szene floriert und entwickelt sich zu einer starken Bewegung, was auch forciert wird durch einige Bands, die den Durchbruch geschafft haben.“

 

Aber natürlich ist es noch immer viel schwieriger für eine Slowenische Band, auf breiterer Ebene wahrgenommen zu werden und ein vernünftiges, renommiertes Label zu finden, oder?

 

„Ja, leider, denn scheinbar haben etliche europäische Länder noch immer fast schon Angst gegenüber Slowenien, was daran liegt, daß sie nichts über uns wissen und wir so klein und unbekannt sind. Wenn man bei uns eine Band gründet, dann muß man sich über diese Tatsache im Klaren sein. Selbst wenn du den perfekten Sound hast und deine Instrumente wie Götter bedienst, schickst du besser keine Demos zu den großen Majorlabels, denn die kümmert das dann einen Scheiß, sobald sie lesen, daß die Band aus Slowenien stammt. Bestes Beispiel hierfür ist eine Band aus meiner Heimatstadt, die Unsummen in ihre Musik und ihr Demo investiert hat, diesen typischen heutigen Trend-Metal spielt und eigentlich von einem der drei großen Metallabels hätte gesignt werden sollen, weil alle ursprünglich Interesse bekundet hatten. Aber rate mal, weshalb die Jungs noch immer ohne Deal dastehen? Die Antwort sah so aus: „Wir würden euch signen, ihr seid klasse, aber leider kommt ihr aus der falschen Gegend. Wenn ihr aus Deutschland oder Schweden kommen würdet, dann wäre die Sache viel einfacher!“. Unglaublich, oder? Ich möchte nun nicht so weit gehen, zu sagen, daß dies ein Beispiel ekelhaftester Diskriminierung ist, aber es ist nun mal leider ein repräsentatives Beispiel der Vorgehensweise in diesem Business!“

 

Euer Label Pentacle Music ist wie euer erstes Label aus der Schweiz...haben bei de was miteinander zu tun? Machen sie einen guten Job für euch? Scheinbar ja schon, denn anders ist es wohl nicht zu erklären, daß sie das Wagnis eines CD+DVD-Releases eingegangen sind...

 

„Anhand des in der vorangegangenen Antwort genannten Beispiels, dürfte es klar sein, daß wir nicht anders konnten als es mit einem kleinen Label zu versuchen. Ich habe nur 10 Demos an kleine Labels verschickt und von dreien ein Angebot erhalten. Das von SMP (ja, Pentacle Music ist die selbe Firma mit neuem Namen) war dabei das beste, auch weil sie aus der Schweiz sind und die beiden anderen Angebote aus den USA kamen. Die Arbeit von und mit ihnen ist wirklich sehr gut, und wir haben beide noch große Ziele zu erreichen!“

 

Der Film unterscheidet sich ein klein wenig von der CD: Das Tracklisting ist etwas modifiziert, kleiner Parts fehlen, andere sind wiederum nur im Film und nicht auf der CD...weshalb?

 

„Nun, dazu habe ich mich entschlossen, um jedem Medium am besten gerecht zu werden. Die Film-Kapitel wurden zudem etwas umbenannt um dem Zuschauer eine leichtere Orientierung zu bieten, während die Soundtrack-Tracklist eher auf poetischere Titel setzt. Ja, und in der Tat wurde auch die Musik ein wenig modifiziert für den Film, weil der Effekt bei jedem Medium eben unterschiedlich ist.“

 

Genauso fiel mir auf, daß die Lyrics im Booklet nicht in der dargebotenen Reihenfolge abgedruckt wurden. Kann es zudem sein, daß auch einige Teile der Texte gar nicht auf der CD und im Film Verwendung fanden? Ich bin da ehrlich gesagt etwas verwirrt und zweifle ein wenig an mir...haha.

 

„Die Lyrics sind komplett, aber du hast recht, es gibt ein paar zusätzliche Text-Teile, die die emotionale Story besser verdeutlichen, aber nicht gesungen werden. Auch hast du recht, daß im Booklet keine exakte Reihenfolge existiert, was daran liegt, daß ohnehin alles nur ein großer Song ist und wir der Meinung waren, das Booklet so etwas interessanter und spannender zu machen. Ich hoffe das ist nun nicht zu konfus, haha.“

 

Dir sollte ja selbst klar sein, daß ihr mit ’The Deliverance Of The Fall’ ein verdammt hohes Niveau vorgelegt habt. Hast du schon eine Idee, wie ihr dieses beim Nachfolger noch toppen wollt? Wieder mit einem Audio/Video-Projekt?

 

„Nein, ich denke nicht, daß wir so schnell nochmals ein solch arbeitsintensives Album machen werden, haha. Allerdings ist der Großteil des Materials für unser drittes Album bereits fertig und ich kann schon mal sagen, daß die Scheibe wieder deutlich anders ausfallen wird, aber dennoch typisch DEKADENT-like. Ich bin sicher, daß Fans von ’Deliverance...’ voll auf ihre Kosten kommen werden. Aber auch wenn wir kein CD/DVD-Doppelpack machen, wird es weiterhin Videoclips von uns geben, denn so lange ich Musik mache, solange möchte ich diese zum Teil auch visuell umsetzen...ich kann einfach nicht anders.“

 

DEKADENT ist wahrlich ein recht ungewöhnlicher Bandname...gerade auch für eine Black Metal-Band. Wie seid ihr auf ihn gestoßen, was hat er zu bedeuten und wieso habt ihr euch von VIGRED in DEKADENT umbenannt?

 

„Ja, es scheint tatsächlich ein ungewöhnlicher Bandname zu sein, besonders für euch Deutsche, wie ich schon öfter erfahren habe. Um den Namen zu erklären: Wir sehen das Konzept der „Dekadenz“ (beschreibt eigentlich den kulturellen Niedergang, und steht heute für Maß- und Zügellosigkeit - Hage) in einem etwas anderen Licht. Wir verbinden es mit der kulturellen und poetischen Bewegung Ende des späten 19.Jahrhunderts und den „fin de siécle“-Autoren, die meist mit dem Schönheitssinn und Symbolismus in Verbindung gebracht wurden. Aus diesem Aspekt heraus ist DEKADENT jemand, der zunächst untergeben, gering und unbedeutend wirkt, in Wahrheit aber jene, die höher gestellt, erhaben und überlegen erscheinen, deutlich übertrifft und in den Schatten stellt. Oftmals sind es ja gerade diejenigen, die als unwichtig behandelt werden, die dann wichtige und große Veränderungen herbeiführen und bahnbrechende Dinge schaffen. DEKADENT hat nichts mit der eigentlich dekadenten und zügellosen Epoche zu tun. Ich glaube an die Prosperität und die Werte des Adelsstands.

Ja, wir hießen zunächst VIGRED, was das Alt-Slowenische Wort für „Frühling“ ist. Wir haben ihn aber geändert, als wir den Deal mit SMP unterschrieben und fortan hieß der Song ’Dekadent’ dann einfach auch ’Vigred’.“

 

Komm, raus mit der Sprache: Was hab ich vergessen, was eigentlich noch wichtig gewesen wäre?

 

„Hm, tja, gute Frage...mir fällt nichts ein...Good Job, Hage, haha! Ich möchte allen Fans unbedingt nahelegen, sich auch unser Debüt zuzulegen, weil es ab sofort deutlöich besser zu bekommen sein soll. Und fordert die Bookingagenturen dazu auf, uns deutsche Gigs zu verschaffen!“

 

Final Words?

 

„Nur zwei: THANK YOU!!!“

Hage

 

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2006: 'Manifestation of Seasonal Bleeding' - CD 2008: 'The Deliverance Of The Fall' - CD+DVD

 


 

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